Lesermeinung

Zum Artikel: „Nato Hauptquartier in Deutschland?“ vom 9. Februar:

Im Schatten von Karneval- und „Groko“-Getümmel beschließt die Bundesregierung, „ein neues Kommandozentrum für schnelle Truppen- und Materialtransporte“ aufzubauen, und zwar „im Zuge der Aufrüstung der Nato gegen Russland“. Im „Stichwort“-Kasten heißt es weiter: „Die Nato reagiert damit vor allem auf die als aggressiv wahrgenommene Politik Russlands.“

Dieser „Reaktion“ liegt offenbar eine Wahrnehmungsstörung zugrunde. Denn die Fakten sprechen eine ganz andere Sprache: Die russischen Rüstungsausgaben sind im Jahr 2017 um 8,4 Milliarden US-Dollar auf 61,8 Mrd. gesunken. Tendenz weiter fallend. Die Rüstungsausgaben der USA hingegen liegen zehnmal höher (619 Mrd.) und werden jetzt um 37 Mrd. auf 656 Mrd. US-Dollar erhöht.

Deutschland gab 2016 allein 64 Mrd. an Militär- und Besatzungsausgaben aus – also bereits mehr als Russland.

Wer den russischen Präsidenten im Internet beobachtet, muss ihn als einen ausnehmend besonnen sprechenden und handelnden Politiker erleben. Die „als aggressiv wahrgenommene Politik Russlands“ ist ein Beispiel dafür, wie Putin in westlichen Medien fortgesetzt diskreditiert und als „böse“ hingestellt wird. Dazu gehört auch, dass die Vorgänge auf der Krim 2014 gebetsmühlenartig als „Annexion“ bezeichnet werden – was der Wahrheit nicht entspricht!

Aggression nehme ich wahr in der Politik der USA, die auf der ganzen Welt militärische Stützpunkte unterhalten, Kriege führen und ihren imperialen Einfluss ständig ausbauen. Russland ist rundherum von Nato- und US-Stützpunkten und von „Flugzeugträgern“ umgeben.

Die USA formulieren an Deutschland und an die EU deutliche Erwartungen in Richtung Aufrüstung („mindestens 2% des BIP“). Und die Europäer erstatten brav Bericht über ihre diesbezüglichen Bemühungen.

Die Menschen in allen Weltteilen sehnen sich nach einer friedlichen Welt. Aber sie durchschauen nicht das böse Spiel, das mit ihnen getrieben wird und das mit Friedensbemühungen nicht das geringste zu tun hat! Anstatt „ein neues Kommandozentrum ... im Zuge der Aufrüstung der Nato gegen Russland“ aufzubauen, sollten wir mit Russland möglichst viele Kontakte pflegen und miteinander ins Gespräch kommen.

© Gmünder Tagespost 15.02.2018 16:32
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