Lesermeinung

Zum Kommentar von Ellen Hasenkamp vom 18. April, Seite 1: „Merkel muss führen“:

Ich kann es nicht mehr hören. „Merkel muss führen“, stimmt voll und ganz, aber es nutzt nichts. Was Angielein nicht gelernt hat, lernt An-GEH-la nimmer mehr. Hören wir auf so zu tun, als ob wir es nicht geahnt hätten. Was hat Angela Kastner denn als Tochter eines tiefroten Pastors in der Uckermark gelernt? Selbstständigkeit jedenfalls nicht, wohl aber Selbstzweifel. Über die Grenzen der Republik hinaus zu denken, hat sie nie gelernt. Also was hatte sie denn in der SED-Schule gelernt? Jung-Angela zögerte kurz, ging aber doch in die FDJ und die Partei, will nur ein kleines Rädchen gewesen sein, habe aber immer nur nachgeplappert und gute Miene zur Phrase gemacht. Wohl konnte sie verfolgen, wie man in der Partei gnadenlos intrigierte. Und als sie Helmut Kohl kennenlernte, brachte sie diese Fähigkeiten mit. (...) Was er ihr beibrachte? Sie müsse nur die Feindbilder der Marxisten auf den Kopf stellen und mitsingen, „Denn wer kämpft für das Geld, der hat immer Geld: die Partei, die Partei, die Partei!“ Wie der DDR-Bürger immer einen Arbeitsplatz, aber wenig Geld hatte, werden reiche Bundesbürger immer reicher und den Arbeitsplätzen fehlen die Arbeiter! Und so führt sie die Bundesrepublik: sie ist keine Kanzlerin, auch keine Moderatorin, wie während der Regierungsbildung immer wieder gesagt wurde, nein: sie ist eine Staatsratsvorsitzende.

Le sil, c’est la femme. Wie die DDR-Politiker in den 1980er Jahren versucht sie mit allen Problemen fertig zu werden, indem sie auf Popularität setzt. Zweimal hat sie wirklich geführt, das heißt, für die Popularität und gegen die Selbstzufriedenheit, und beide Male diktatorisch.

Die Beseitigung der Atomindustrie war ein weitsichtiger Erfolg, aber ähnlich stufenweise ließ sich ihre Willkommenskultur leider nicht managen. Weil ihre Popularität dahin ist, lässt sie die CSU, die nur sechs Prozent der Wähler wählten, die 14 Prozent AfD-Wähler im Geiste mitvertreten = 3/14 der Ministerien, darunter ein Heimatsministerium unter bayrischer Herrschaft mitten in der Hauptstadt Preußens. Wer Ohren hat, der höre. Das ist die politische Leitkultur einer ängstlichen, kapitaltreuen Staatsratsvorsitzenden.

© Gmünder Tagespost 20.04.2018 20:39
2087 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben

Kommentare

Kolb

Bravo bravo bravo bravo