Lesermeinung

Zur EU-Datenschutz- Grundverordnung (EU-DSGVO):

„Wir müssen die Bürokratie in unseren ehrenamtlich tätigen Vereinen deutlich reduzieren und das Ehrenamt stärken!“ Diesen Satz höre ich gerade eben wieder in meinen Ohren, da er auf der diesjährigen Jahreshauptversammlung des Blasmusikverbandes Ostalbkreis e.V. (BMVOK) Ende Februar von einem Vertreter der Politik ganz offen und voller Überzeugung kundgetan wurde. (...) Ich verstehe überhaupt nicht, wie man eine derartige umfangreiche und mit Umsetzungskomplexität gespickte Datenschutz-Richtlinie auf ehrenamtlich tätige Vereine loslassen kann. Um in unserem Vereinssegment aufgrund ständig steigender Kosten und Verwaltungskomplexität überhaupt überlebensfähig zu bleiben, haben wir erst vor Kurzem die Mitgliedsbeiträge deutlich und erfolgreich erhöht. Wenn wir nun auch noch einen Datenschutzbeauftragten anstellen dürfen, dann steht die nächste Beitragserhöhung und mit großer Wahrscheinlichkeit weitere Kündigungen von Mitgliedern bevor.
Die Rolle eines Datenschutzbeauftragten und die damit einhergehenden Aufgabe wird zumindest bei uns in der Igginger „Cäcilia“ ehrenamtlich niemand übernehmen. (...) Wir haben in 2018 bereits 150 Jahre erfolgreich und sehr gut ohne diesen Komplex überlebt. Gerne darf es auch für ehrenamtlich tätige Vereine Auflagen geben, um das Thema Datenschutz zu gewährleisten. Aber dann bitte mit entsprechend realistischen Mindestanforderungen und vor allem machbaren Umsetzungsvorgaben und -vorlagen.
Ich appelliere an diese Stelle an unsere Landes- und Bundespolitiker aus dem Wahlkreis Aalen und Schwäbisch Gmünd, alles in ihrem Einflussbereich stehende zu tun, dass die EU-DSGVO Mindestanforderungen für ehrenamtlich tätige Vereine deutlich für die Umsetzung reduziert und die Vereine dabei tatkräftig (auch finanziell) unterstützt werden. Bitte passen Sie alle auf und helfen Sie mit, dass die gerade in der heutigen Zeit so wichtigen Vereine nicht durch derartig überzogene und sehr theoretische Verordnungen und Gesetze dem Erdboden gleich gemacht werden!

© Gmünder Tagespost 13.04.2018 20:25
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Kommentare

In my humble opinion

Datenschutz hin oder her, Sie wissen aber schon, dass die einschlägige Verordnung bereits im April 2016 im EU-Parlament beschlossen wurde?

Damals - also vor April 2016 - hätten die von Ihnen angesprochenen 'Landes- und Bundespolitiker aus dem Wahlkreis Aalen und Schwäbisch Gmünd' tätig werden müssen - und wo waren die damals oder anders gefragt, was haben die damals dafür bzw dagegen getan?

Wie hat seinerzeit der Dolmetscher die Worte von Herrn Gorbatschow so trefflich übersetzt?

"Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben."

Nur bei unseren Abgeordneten ist das etwas anders, die werden - was sie auch tun oder nicht tun - bei jeder Wahl mit unseren Stimmen 'belohnt'.