Lesermeinung

Zur Mosambikreise der Stadt

„Gesagt heißt nicht gehört, gehört heißt nicht verstanden, verstanden heißt nicht einverstanden.“ Dieses Konrad Lorenz zugeschriebene Zitat beschreibt so ziemlich genau die derzeitige Situation im Aalener Gemeinderat und damit das grundsätzliche Dilemma jedweder Kommunikation. Als Mitglied der Delegation nach Mosambik und gerade aus Afrika zurückgekehrter Aalener bin ich doch einigermaßen verwundert über das Stürmchen, das sich da zusammengebraut hat. Wer hat wann was gesagt oder gehört? Ist das wirklich so relevant, dass man auf den Oberbürgermeister einprügeln muss? Die geplante Mosambikreise war lange in den Gremien des Gemeinderates bekannt und wurde im Partnerschaftsverein diskutiert. Nicht unumstritten aber auch mit viel Unterstützung.

Dass die Unterstützung einer sehr armen Gemeinde in einem der ärmsten Länder der Welt Anstrengungen wert ist, scheint ja auch unbestritten.

Dass Deutschland auch Verantwortung trägt für das, was in Afrika passiert, und dass die Europäer mitschuldig sind am Elend der afrikanischen Länder, ist historisch ernsthaft nicht zu leugnen. Aber schauen wir einmal genau hin, um was es bei diesem Freundschaftsvertrag geht. Im Vordergrund steht die Unterstützung in den Bereichen Bildung und Handwerk. Fakt ist, dass 44 Prozent der Menschen in diesem Land unter 15 Jahre alt und damit schulpflichtig sind. Schule und Bildung zu finanzieren ist also eine unglaubliche Aufgabe. In den Schulen fehlt es an allem, was man zum Lernen und Lehren braucht. Wie soll eines der ärmsten Länder der Welt diese Herkulesaufgabe ohne Hilfe schultern?

Hier ist jede Hilfe willkommen und das Engagement auch von Aalener Bürgern zur Unterstützung von Schulen in Mosambik ist ein herausragendes Beispiel für bürgerschaftliches Engagement. Wenn hier die reiche Stadt Aalen sich in irgendeiner Weise beteiligen würde wäre das ein starkes Signal. Die Stadträte sind gut beraten ihre Streitereien am Eingangszitat zu messen und so schnell wie möglich die inhaltliche Seite des Freundschaftsvertrages zu diskutieren und ihn bei Zustimmung mit Leben zu erfüllen. Ich selbst unterschreibe jeden Satz in diesem Vertrag mit großer Überzeugung.

© Gmünder Tagespost 16.05.2018 20:46
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