Lesermeinung

Zweifel an der Nachricht, es habe weniger Straftaten gegeben:

So, so, deutlich weniger Straftaten haben wir also zu verzeichnen! In Anlehnung an die Churchill zugeschriebene Erkenntnis: „Glaube keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast!“, möchte ich Zweifel bekunden.

Ich erinnere nur an die „Statistiken“ der Bundesagentur für Arbeit, die regelmäßig z.B. hunderttausende Arbeitslose in fragwürdige, sogenannte „Maßnahmen“ steckt, um sie so aus der Statistik der Arbeitslosen – man darf wohl sagen - herauszulügen.

Ich glaube bei den „Spitzbuben“ in unserem Land nicht an die Wandlung vom Saulus zum Paulus – zum Schluss wird sich herausstellen, dass anders gezählt wird seit letztem Jahr: Was weiß ich? Diebstähle werden vielleicht erst ab einem Verlust von mehr als 100 Euro erfasst, oder Körperverletzung ist erst, wenn man mindestens drei Tage im Krankenhaus bleiben musste, oder Einbruch ist erst, wenn man mit der Brechstange die Haustür geöffnet hat (und nicht durchs schräg gestellte Fenster hereingekommen ist), oder Internetbetrug ist erst, wenn ein Rechtsanwalt eingeschaltet wurde?

Aber so wird positive Meinungsmache nachhaltig in die Köpfe der Menschen massiert: Zuerst eine dubiose Vorabveröffentlichung in allen Medien, am besten gleich auf der ersten Seite. Dann die offizielle ultimative Lobhudelei des entsprechenden Ministers – natürlich auch auf der ersten Seite. Anschließend die Ausbreitung aller positiven Einzelheiten. Und vielleicht erst danach fällt es womöglich langsam auf, was neuerdings alles nicht in die „Statistik“ eingeflossen ist . . . und dass eigentlich alles noch ein bisschen schlimmer geworden ist als vorher. Lassen wir uns überraschen.

© Gmünder Tagespost 23.04.2018 21:44
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