Vorsicht vor Fehldiagnosen

Wenn medizinische Internetrecherche zur Suchtgefahr wird
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Aalen. Für die meisten ist das Internet in medizinischen Fragen die Informationsquelle schlechthin: laut einer forsa-Umfrage im Auftrag der KKH Kaufmännische Krankenkasse forschen 73 Prozent der Deutschen im Netz nach Erklärungen für Krankheitssymptome. Rund zwei Drittel sehen darin aber auch die Gefahr, zum Hypochonder beziehungsweise süchtig nach Internetdiagnosen zu werden. Es ist ja auch allzu verlockend: Ob Kopf-, Bauch- oder Knieschmerzen – Dr. Google hat zu jedem Wehwehchen eine Vielzahl von Antworten parat – schnell, effektiv, 24 Stunden täglich.

Von der Ungewissheit zur Panik
Doch Vorsicht: Die Recherche nach Krankheiten via Internet und Smartphone-Apps kann ziemlich verunsichern. Das sagen rund drei Viertel der 1015 Befragten im Alter von 18 bis 70 Jahren. In Gesundheitsportalen und Selbsthilfeforen stoßen Laien auf eine Flut von Diagnosen, die sie schnell überfordern. Zum Stichwort „Kopfschmerz“ finden Nutzer nicht nur Treffer wie „Migräne“ und „Verspannungen“, sondern auch beängstigende Ergebnisse wie „Hirntumor“. Und genau das ist das Problem: Es gibt Menschen, die sich dann sterbenskrank wähnen. Es droht Morbus Google beziehungsweise Cyberchondrie – die zwanghafte Sucht nach einer Internetdiagnose. Betroffene surfen stundenlang, ziehen häufig falsche Schlüsse, überdramatisieren schließlich ihre Symptome und stellen am Ende meist abenteuerliche Eigendiagnosen, ohne überhaupt zum Arzt gegangen zu sein.
„Wenn Laien im Netz nach einer Erklärung für ihre Beschwerden suchen, kann das ganz schnell zu Fehldiagnosen führen", warnt Horst Gentner vom KKH-Serviceteam in Aalen. Im schlimmsten Fall verzögert eine digitale Selbstdiagnose die gezielte Behandlung einer ernsten Krankheit. Gentner: „Die Informationen im Internet sind von sehr unterschiedlicher Qualität. Nur Experten können die Vielzahl an Ergebnissen fachgerecht deuten und richtig einordnen.“ Der Gang zum Arzt ist deshalb in den meisten Fällen ratsamer als eine Internetrecherche.

Worauf bei der Selbstdiagnose geachtet werden muss
Wer sich dennoch gern vorab informiert, sollte ein paar Regeln beachten:

  • Auf das Impressum der jeweiligen Internetseiten achten! Stammen die Informationen von einem seriösen Absender, etwa einem wissenschaftlichen Institut, oder aus einer fragwürdigen Quelle wie einem Anbieter mit kommerziellen Interessen?
  • Jeder Krankheitsverlauf ist anders! Der Austausch mit anderen Nutzern kann hilfreich sein, man sollte aber nie von anderen Schicksalen auf sich selbst schließen.
  • Rechtzeitig zum Arzt gehen! Bei harmloseren Symptomen wie bei einer Erkältung können sich Betroffene durchaus im Internet über wirksame Hausmittel informieren. Sind die Beschwerden jedoch akut oder halten länger an, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Eine endgültige Diagnose kann nur ein Mediziner nach einer eingehenden Untersuchung stellen.
© Gmünder Tagespost 10.08.2018 07:28
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