Das Auto als Kunstwerk betrachten

Beruf  Fahrzeuglackierer machen Autos zu Kunstwerken und sorgen so für den besonderen Look. Auszubildende berichten, worauf es während der Lehre in dieser Branche ankommt.
  • Erst die Vorbereitung, dann das Lackieren: Janina Uhlig, Auszubildende zur Fahrzeuglackiererin, klebt erst alle Flächen ab, die keine neue Farbe bekommen sollen. Foto: Markus Scholz/dpa

Beulen und Kratzer sind Janina Uhligs tägliches Brot. Die 22-Jährige macht bei der Karosserie- und Lackwerkstatt Identica Erik Ruschke GmbH in Bad Oldesloe eine Ausbildung zur Fahrzeuglackiererin. Sie und ihre Kollegen kümmern sich in erster Linie um Unfallwagen. „Es ist schön zu sehen, was letztendlich daraus wird“, sagt die junge Frau.

Nach der mittleren Reife hatte Uhlig zunächst eine Ausbildung bei der Polizei begonnen. Doch dort fehlten ihr die Erfolgserlebnisse. „Ich wollte gerne etwas Kreatives machen“, erzählt sie. Eher durch Zufall kam sie auf die Idee, bei der Werkstatt, in der ihr Bruder arbeitet, ein Praktikum zu absolvieren. Sie fand Gefallen am Beruf des Autolackierers und machte schnell Fortschritte. „Man wird jeden Tag besser“, sagt die Auszubildende.

Fahrzeuglackierer überprüfen in der Regel zuerst Karosserie- sowie Lackschäden. Dann schleifen und grundieren sie die Untergründe, um sie für die Lackierung vorzubereiten. Auf Kundenwunsch verzieren sie die Fahrzeuge mit Bildern oder Schriftzügen. Außerdem montieren und demontieren sie Bauteile, beulen Dellen aus, mischen Farben und versiegeln und veredeln Oberflächen.

Die Herausforderung bei Unfallfahrzeugen: Am Ende soll man nichts mehr vom Schaden sehen. „Manche Kunden wissen nachher gar nicht mehr, was repariert wurde“, sagt Daniel Kähler, der Ausbilder von Uhlig.

Reinigen gehört dazu

Am Anfang der Ausbildung werde viel geputzt und gereinigt, erzählt Kähler. Fahrzeuge kommen oft dreckig in der Werkstatt an. „Man darf keine Angst haben, sich schmutzig zu machen“, sagt er. Gut sei es auch, wenn Azubis Interesse am Auto-Schrauben und Kreativität mitbringen. Im zweiten Schritt lernen sie dann das Spachteln.

Ich wollte gerne etwas Kreatives machen.

Janina Uhlig,  Auszubildende

Erst wenn Lehrlinge die Grundlagen beherrschen, beginnen sie mit dem Lackieren. Kleinere Teile wie Spiegelkappen hat Uhlig schon selbst lackiert. Beim Auto ihrer Mutter durfte sie sich bereits eine Seitenwand vornehmen. Das Lackieren mache aber nur einen kleinen Teil der Arbeitszeit aus, berichtet Kähler. Er erlebe oft, dass junge Leute gleich mit der Spritzpistole anfangen wollen zu lackieren.

Auszubildende sind gefragt

Laut Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) haben im Jahr 2016 in Deutschland 2253 Jugendliche neue Ausbildungsverträge zum Fahrzeuglackierer abgeschlossen, davon 351 Frauen. „Gute Lackierer werden überall gesucht“, sagt Kähler. Gebraucht werden Fahrzeuglackierer in Fachwerkstätten, bei Fahrzeugbau-Unternehmen und in Werkslackierereien des Maschinen- und Anlagenbaus.

Gemäß Informationen der Bundesagentur für Arbeit werden im Handwerk überwiegend Bewerber mit Hauptschulabschluss eingestellt, in Industrie und Handel sind es allerdings auch oft Interessenten mit mittlerer Reife. Im Handwerk liegen die Gehälter je nach Ausbildungsjahr zwischen 600 Euro und 820 Euro. In der Industrie beläuft sich das Ausbildungsgehalt zwischen knapp 980 Euro und 1200 Euro. dpa

© Gmünder Tagespost 31.08.2018 16:32
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