Einzelkämpfer unter Gleichgesinnten

Netzwerk In Coworking Space können Freiberufler sich mit anderen Austauschen und vernetzen. Große Firmen schicken innovative Abteilungen und Projektgruppen ebenfalls für einen regen Austausch dorthin.
  • Foto: WeWork/dpa-mag

Eigentlich ist ein Coworking Space auch nur ein Ort zum Arbeiten, für Freiberufler und andere Selbstständige. Was Coworking Spaces so besonders macht, ist zum einen ihre Flexibilität: Wer will, kann hier zwar auch feste Arbeitsplätze mieten. Wer weniger bezahlen will, kann sich aber auch jeden Tag einfach einen neuen Platz suchen.

Vor allem geht es in den Bürogemeinschaften aber um mehr als nur um ein paar Schreibtische. „Ein guter Coworking Space bietet mehr als einen Arbeitsplatz“, sagt Carsten Foertsch, Herausgeber des Online-Magazins Deskmag. Ein Rahmenprogramm gehört für ihn ebenso dazu. „Schließlich geht es um Vernetzung und Austausch.“ Ein echtes Netzwerk statt einer Ansammlung von Schreibtischen – das ist auch für Stefan Rief die Kernidee des Coworking. „Ich kann in diesem Netzwerk andere Leute kennenlernen, ich kann mit jemandem zusammenarbeiten, und manchmal braucht man ja auch einfach nur jemanden für einen zweiten Blick“, sagt der Forschungsdirektor für Organisationsentwicklung und Arbeitsgestaltung am Fraunhofer-Institut Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO).

Inzwischen auch auf dem Land

Ein reines Berlin- oder Hamburg-Phänomen ist der Coworking Space nicht mehr. Mittlerweile gibt es die Arbeits-Netzwerke in fast allen deutschen Städten mit mindestens 200 000 Einwohnern, so Foertsch – und teilweise auch auf dem Land. Der Ort bestimmt dabei maßgeblich, was ein Arbeitsplatz kostet. „In Berlin kann man bereits für monatlich 50 oder 100 Euro Mitglied in einem Coworking Space werden, aber ohne Platzgarantie“, nennt Foertsch Richtwerte. „Einen flexiblen Schreibtischplatz mit Rund-um-die-Uhr-Zugang erhält man für 200 bis 250 Euro, feste Plätze kosten meist 100 Euro mehr.“

Nach Angaben von Foertsch gibt es in Deutschland gerade etwa 460 Coworking Spaces, mit rund 31 000 Arbeitsplätzen. Denn inzwischen drängen auch in Deutschland professionelle Coworking-Ketten auf den Markt. Und gerade diese neuen Platzhirsche zielen nicht mehr nur auf Freiberufler als Kunden. Sie heißen zum Beispiel Mindspace, Regus oder Wework. „Wir sehen einen großen Wandel in der Art und Weise, wie Leute arbeiten wollen“, sagt Eugen Miropolski, Europa-Chef von Wework. Gut 30 Prozent des Neugeschäfts von Wework stammen inzwischen von großen Unternehmen.

Ohne Freiberufler geht es nicht

Die Firmen schicken dann zum Beispiel besonders innovative Abteilungen, manchmal auch nur Einzelpersonen oder Projektgruppen in die Coworking Spaces.

Ist die Zeit des ungestörten Arbeitens im Coworking Space für Freiberufler also vorbei? Stefan Rief glaubt das eher nicht: „Der muss weiter dabei sein, sonst funktioniert das Prinzip nicht.“ Stattdessen geht er eher davon aus, dass die Zahl der Coworking Spaces weiter wächst – und damit auch die Vielfalt der Coworking-Kulturen. dpa

© Gmünder Tagespost 11.05.2018 15:19
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