Mutmaßlichem Dealer droht Haftstrafe

Landgericht 39-Jähriger aus Gmünder Teilort muss sich in Ellwangen verantworten.

Schwäbisch Gmünd/Ellwangen. Vor der Zweiten Großen Strafkammer des Ellwanger Landgerichts wurde das Verfahren gegen einen 39-jährigen Deutsch-Kasachen aus Gmünd eröffnet. Der Angeklagte steht im Verdacht über Jahre hinweg im großen Stil mit Drogen gedealt zu haben; vorwiegend im Gmünder Raum, aber auch im benachbarten Rems-Murr-Kreis.

Für den Vorsitzenden Richter im Landgericht, Bernhard Fritsch, und seinen Beisitzer Martin Honold, war es am späten Nachmittag bereits die zweite Hauptverhandlung an diesem Tag. Geschuldet war dies dem Umstand, dass in der Sache eine Haftprüfung unmittelbar anstand. Keine Seltenheit bei umfänglichen Verfahren, stets jedoch einhergehend mit einem hohen Ermittlungs- und Termindruck. Die Strafprozessordnung gibt zwingend vor, dass der Vollzug der Untersuchungshaft über sechs Monate hinaus nur unter ganz eng begrenzten Voraussetzungen zulässig ist.

72 Tatvorwürfe insgesamt

Nachdem der Angeklagte seit 1. Oktober vergangenen Jahres in Untersuchungshaft einsitzt, stand der Haftprüfungstermin unmittelbar an. Durch die termingerechte Eröffnung des Hauptverfahrens ist dieser jedoch ausgesetzt. An Händen und Füßen gefesselt wurde der Angeklagte, der in der Justizvollzugsanstalt Schwäbisch Hall einsitzt, von zwei Beamten vorgeführt. Vertreten wird dieser durch Strafverteidiger Achim Wizemann aus Stuttgart. Sollte sich die vom Ersten Staatsanwalt Dr. Herrmann vorgetragene, umfängliche Anklageschrift als zutreffend erweisen, droht dem gelernten Fliesenleger, der aus einer Vorverurteilung offensichtlich nichts gelernt zu haben scheint, erhebliches Ungemach.

Insgesamt 72 rechtlich selbstständige Tathandlungen wirft die Anklage dem Familienvater vor. Darunter eine Vielzahl von Drogendelikten im Zusammenhang mit dem Erwerb und dem Handel illegaler Drogen, etwa Marihuana, LSD, Amphetamin, Methamphetamin, Crystal Meth und Kokain in unterschiedlichen Mengen und mit unterschiedlichem Wirkstoffgehalt.

Besonders schwerwiegend dabei ist, dass er Drogen an Minderjährige abgegeben und seinen 17-jährigen Sohn phasenweise in die Abwicklung des Handels mit eingebunden oder sogar zum Verkosten diverser Drogen animiert habe. Ferner wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor, im Einzelfall bewusst mit Betäubungsmitteln nicht geringen Mengen Handel getrieben zu haben. Zielgerichtet soll der Angeklagte diverse Waffen und verbotene Gegenstände, die bei ihm aufgefunden wurden, bei seinen Geschäften eingesetzt, zumindest aber mitgeführt haben. In einem Fall soll er in der Gmünder Innenstadt einen säumigen Kunden, der ihm 8000 Euro aus Drogengeschäften geschuldet hat, durch brutale Faustschläge dazu gebracht haben, die Rückstände umgehend zu begleichen.

Bei der Durchsuchung seiner Wohnung wurden neben einer Geldzählmaschine auch original verpackte Bekleidung und mehrere hochwertige Uhren sichergestellt. Weitere Verhandlungstermine sind für den 11., 19. und 24. April angesetzt.

Das Urteil wird am 24. April erwartet.

© Gmünder Tagespost 23.03.2018 19:27
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