Hier ist ein gutes Auge gefragt

Berufswahl Trotz fortschreitender Digitalisierung wird immer noch fleißig auf Papier und anderen Materialien gedruckt. Die Position des früheren Druckers übernimmt heute der Medientechnologe – mit guten Aussichten.
  • Foto: Florian Schuh/dpa-mag

Stimmen die Farben? Ist die Qualität wie gewünscht? Für solche Fragen müssen Medientechnologen ein Auge haben. Sie tun, was früher der Drucker machte, allerdings unter neuem Namen. Für den heutigen Beruf braucht es außerdem viel technisches Verständnis. Denn ohne Technik kein Druck, sagt Theo Zintel, Referent für Bildung beim Bundesverband Druck und Medien (BVDM). Und das seit Jahren: „Die Digitalisierung war bei uns im Grunde in den 70er, 80er Jahren durch. Die Prozesse werden heute aber natürlich noch weiter digitalisiert, und es gibt auch weitere Veränderungen.“

Bedeutung für Nachwuchs

Was bedeutet das für den Nachwuchs? „Wichtig ist, dass die Auszubildenden keine Angst vor Veränderung haben“, sagt Stefan Mail. Er ist Geschäftsführer bei Mail Druck + Medien im westfälischen Bünde. Bei seinen Azubis achtet er unter anderem darauf, dass sie sicher im Umgang mit Computern sind. Denn ohne geht es im Druckerhandwerk nicht mehr.

Fitness und Englisch gefragt

Was müssen Auszubildende zum Medientechnologen Druck sonst noch mitbringen? Etwas Fitness für die körperliche Arbeit zum Beispiel. Hinzu kommen Englischkenntnisse, für die Computersoftware etwa.

Auf einen bestimmten Schulabschluss will Mail sich dagegen nicht festlegen. „Bei uns kann sich jeder bewerben“, sagt er. „Ein mittlerer Schulabschluss ist zwar gewünscht, ein Hauptschulabschluss zum Beispiel muss aber auch kein Problem sein.“

Praktisches Wissen nachholen

Die Prozesse werden heute aber natürlich noch weiter digitalisiert, und es gibt auch weitere Veränderungen.

Theo Zintel
Referent für Bildung beim Bundes-
verband Druck und Medien (BVDM)

Wichtiger sei ihm Engagement und ernsthaftes Interesse am Beruf. Viviane Brummerhoff interessierte vor allem, wie ein Buch entsteht. „Ich fand es spannend zu sehen, wie das genau funktioniert.“ Sie absolviert bei Ruksaldruck in Berlin eine duale Ausbildung zur Medientechnologin Druck – obwohl sie vorher schon einen Bachelor in Druck- und Medientechnik gemacht hat. „Ich war der Meinung, dass mir noch das praktische Wissen fehlt“, erklärt sie die ungewöhnliche Entscheidung.

Für die Praxis hat sie jetzt reichlich Gelegenheit: Ihr Arbeitstag beginnt mit einem Auftrag. Was ist heute zu drucken? Dann organisieren Brummerhoff und ihre Kollegen das Papier dafür, anschließend geht es an die Arbeit. „Dann müssen die Stapel gewendet, die Platten eingesetzt und getauscht werden, je nachdem“, erzählt Brummerhoff begeistert über ihren Alltag.

Gute Jobaussichten

Am Ende ihrer Ausbildung kann sich Brummerhoff über gute Jobaussichten freuen. Denn auch die Drucker haben Nachwuchssorgen – auch wenn der Fachkräftemangel längst nicht so groß ist wie in anderen Branchen, so Zintel. Wer sich für die Ausbildung interessiert, finde in der Regel aber auch einen Platz.

Während der dreijährigen Ausbildung ist die Vergütung für angehende Medientechnologen ganz ordentlich: Um die 1.000 Euro bekommen Azubis in der Industrie laut Bundesagentur für Arbeit, je nach Lehrjahr. Nach der Ausbildung gibt es diverse Weiterbildungsmöglichkeiten – zum Techniker, zum Industriemeister oder als Studium. dpa

© Gmünder Tagespost 02.03.2018 15:51
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