Handball EM 2018 - 25:25 gegen Deutschland: Slowenien legt Einspruch ein

Was war da eigentlich los?

Der Blick aller Handballfans richtet sich nach Kroatien: Dort findet aktuell die Handball Europameisterschaft 2018 statt. Bereits während der Gruppenphase gab es bereits einen mittelschweren Eklat. Und mittendrin: Die deutsche Mannschaft.
Am zweiten Spieltag trafen in Zagreb Deutschland und Slowenien aufeinander. Nach dem für die deutsche Mannschaft recht einfachen Sieg über Montenegro am vorletzten Samstag wusste man, dass es gegen die physisch starken Slowenen um einiges schwieriger werden würde. Obwohl Deutschland die letzten Spiele gegen Slowenien durchweg gewonnen hatte, war dieser Gegner nicht zu unterschätzen. Dies stellte das slowenische Team am darauffolgenden Montag auch unter Beweis.

Das Spiel

In der ersten Halbzeit machte es den Eindruck, als hätte Deutschland kaum eine Chance. Die Slowenen dominierten mit genialen Spielzügen und beeindruckender Körperlichkeit die Partie deutlich und konnten stets einen Vorsprung von vier bis sechs Toren für sich verzeichnen. Allerdings sind die deutschen Bad Boys vor allem für ihre mentale Stärke und ihren unbändigen Siegeswillen bekannt.
So wurde es nach der Halbzeit doch noch spannend, sogar viel spannender als man vermuten konnte. Verbissen und hochmotiviert, kämpften sich die deutschen Handballer zurück. Mit besserer Durchsetzungsfähigkeit im Angriff, einem herausragenden Uwe Gensheimer und einer starken Torwartleistung von Heinevetter konnte die Mannschaft in der 50. Minute zum ersten Mal in Führung gehen. Aber auch Slowenien gab sich nicht geschlagen und das sehr körperbetonte Spiel blieb bis zur letzten Minute brisant. Bei einem Spielstand von 24:24 und noch 15 Sekunden Spielzeit kamen die Slowenen in Ballbesitz und erzielten durch einen starken Konter ihren vermeintlichen Zieltreffer. Die slowenische Mannschaft sowie ihre Fans jubelten. Das Spiel war aus und Slowenien hatte gewonnen - oder etwa nicht?

Der Wahnsinn

Direkt nach Abpfiff stürmte Torwart Silvio Heinevetter zu den Schiedsrichtern und machte diese auf ein Foul der Slowenen am Spielende aufmerksam. Deutschlands Anwurf in den letzten zwei Sekunden, der theoretisch noch zu einem Tor hätte führen können, wurde von zwei slowenischen Spielern regelwidrig behindert. Nach den offiziellen Regeln gibt ein solches Foul innerhalb der letzten Minuten einen Siebenmeter für das gegnerische Team. Nach viel Aufruhr im Stadion und mehrmaligem Review der Schlussszene auf dem Monitor entschieden die Schiedsrichter auf Foul für Slowenien und Siebenmeter für Deutschland. Das Stadion tobte - Becher flogen auf das Feld, Buh-Rufe ertönten und sogar Sloweniens Trainer Veselin Vujovic stellte sich demonstrativ ins eigene Tor. Tobias Reichmann ließ sich von all dem nicht beeindrucken und verwandelte den Siebenmeter eiskalt zum Ausgleich für Deutschland.

Die Folgen

Direkt nach dieser Schiedsrichterentscheidung legte Slowenien Protest beim EHB ein: Angeblich fand der Anwurf der Deutschen durch Paul Drux erst nach der regulären Spielzeit statt. Nach erneuter Bewertung der Situation lehnte der EHB diesen Protest jedoch ab und erkannte das Unentschieden an. Doch damit wollten sich die Slowenen nicht zufrieden geben - der slowenische Handballverbund reichte offiziell Widerspruch gegen das Urteil ein. Seit dem gestrigen Mittwoch ist es jedoch offiziell: Der Einspruch Sloweniens wurde von der EHF-Kommission endgültig abgelehnt. Die Wut der Slowenen ist allerdings so groß, dass sie wohl noch den letzten juristischen Schritt gehen und die Angelegenheit dem EHF Court of Arbitration, dem Schiedsgericht des europäischen Verbandes, vorlegen.
Das alles hat auf das aktuelle Turnier allerdings keine Auswirkungen mehr.
Vielleicht beruhigt es die Gemüter zumindest ein klein wenig, dass mittlerweile sowohl Deutschland als auch Slowenien ihren Einzug in die Hauptrunde besiegelt haben.
Weitere Infos zur Handball-EM.

Foto: https://pixabay.com/de/sport-handball-partei-ballon-2102975/

© Gmünder Tagespost 23.01.2018 14:11
878 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.