Superbowl LII

Am Sonntag ist es wieder soweit: Traditionell findet das Finale der Amerikanischen Football Liga, der NFL, wie immer am ersten Sonntag im Februar statt. Es ist bereits die 52. Auflage, die dieses Jahr ausgespielt wird. Sportbegeisterte aus der ganzen Welt werden die Nacht zum Tag machen, um eines der größten Einzelsporterlebnisse der Welt zu sehen. Doch Rund um den Sport hat sich bereits ein inoffizieller Feiertag gebildet – der Superbowl Sunday. Dieser Begriff beschreibt das Spiel und alle seine umrahmenden Aktivitäten. Früher wurde sich noch zum Spiel in Sportsbars getroffen, doch mit dem Einzug von immer größer werdenden Fernsehern in den Wohnzimmern und dem bewussteren haushalten von Budgets verlagerten sich die "Viewing Partys" immer mehr in die eigenen vier Wände. Hier versammeln sich Freunde und Familie – vermehrt auch jene, die mit dem Sport direkt nichts anfangen können.
Auch in der Bundesrepublik werden wieder Millionen Zuschauer durch den Superbowl vor den Bildschirm gelockt, denn Pro7 und DAZN übertragen live. Hierzulande ist jedoch eher das Event um den Sport selbst ausschlaggebend für die große Aufmerksamkeit. Eingefleischte Footballfans gibt es in Deutschland vergleichsweise eher wenige. Dafür umso mehr, die für den zusätzlichen Nervenkitzel eine Wette abschließen möchten, um einen weiteren Grund zu haben, das Spiel aufmerksam zu verfolgen. Als diesjähriger Favorit gelten laut den Buchmachern übrigens die New England Patriots, die mit fünf Siegen, nach den Pittsburgh Steelers, die zweiterfolgreichste Mannschaft in der Historie des Superbowls sind. Der Finalgegner, die Philadelphia Eagles, brennen auf die Revanche vom Superbowl XXXIX, den sie damals 21-24 gegen die Patriots verloren. Es wäre das erste Mal, dass die Eagles den Titel gewinnen würden.

Rekordträchtiger Konsum

Der Superbowl hat, abgesehen vom Sportlichen, bereits einige kuriose Rekorde hervorgebracht. Er ist am Lebensmittelkonsum gemessen der für die amerikanische Wirtschaft zweitwichtigste Tag des Jahres, welcher im Hinblick auf die verzehrte Menge an Nahrungsmitteln nur von Thanksgiving getoppt wird. Neben 12,5 Millionen Pizzen werden jährlich 1,33 Milliarden Chicken Wings verspeist. Dazu gesellen sich 4 Millionen Kilo Avocados, hauptsächlich zubereitet in Guacamole, die zu ungesunden 13 Millionen Kilo Chips gereicht werden. Runtergespült wird das Fast Food mit 1,2 Milliarden Litern Bier.
Im gesamten Land herrscht am Superbowl Sunday Ausnahmezustand. Insbesondere die finalteilnehmenden Städte wirken wie ausgestorben und die Läden sind wie leergefegt. Oftmals wird von den Kirchen sogar der Nachmittagsgottesdienst ausgesetzt, da die meisten Amerikaner bereits Zuhause vor den Bildschirmen das umfassende Rahmenprogramm und den Vorbericht verfolgen.

Die Kehrseite der Medallie

Die ausschweifenden Feierlichkeiten gehen jedoch nicht ohne Spuren an den Amerikanern vorbei: Im vergangenen Jahr meldeten sich am darauffolgenden Montag 6% der arbeitenden Bevölkerung krank, während 4% angaben, später zur Arbeit erschienen zu sein. Dazu kommt die verlorene Arbeitszeit, in der sich von den Angestellten über das Spiel ausgetauscht wird. In Zahlen ausgedrückt schlägt der Verlust an Produktivität mit bis zu einer Milliarde Dollar zu Buche. Die Tendenz gilt als weiter steigend.
Für dieses Problem hatte die Heinz Ketchup Company eine einfache Lösung parat: Eine Petition, die den Montag nach dem Superbowl als neuen Nationalfeiertag ausrufen sollte, wurde ins Leben gerufen. Diese schlug sofort hohe Wellen, sowohl der Begeisterung als auch des Unverständnisses. Allerdings wurden die erforderlichen 100.000 Unterschriften nicht rechtzeitig erreicht und der Antrag wurde nie offiziell im Kongress eingereicht.

Umfassendes Unterhaltungsprogramm

Bereits vor dem Kick-Off kommen die Fans bereits voll auf ihre Kosten: So ist das Singen des Star-Spangled Banners fest in den Abläufen der Pre-Game-Show verankert. Dieses Jahr reiht sich Pink in die Liste mit namenhaften Vorgängern, nach Lady Gaga, Beyoncé oder Whitney Houston, ein.
Die Bespaßung gipfelt in der Pause zwischen dem 2. und dem 3. Quarter: Die Half-Time-Show: Diese wurde seither immer in einem speziellen Thema gestaltet. Von Performance-Künstlern und Drill-Teams wurden aufwändig inszenierten Choreografien präsentiert und von renommierten Marschkapellen der großen Universitäten musikalisch begleitet.
Seit 1991 ist ein Auftritt von bekannten Musikern und Bands aus der Popkultur ein fester Bestandteil der Halbzeitshow. Zum Auftakt dieser Tradition gab es für die Zuschauer die New Kids On The Block, die in Fankreisen als die schlechteste Halbzeitshow aller Zeiten gilt.
Über die Jahre hinweg gaben sich die größten Größen des Classic-Rock-Himmels quasi die Mikrofone in die Hand. Von Prince, über Aerosmith oder Paul McCartney, bis hin zu den Rolling Stones wurden die Erwartungen von Jahr zu Jahr übertroffen. Bis zum Jahr 2011, in dem die Rückkehr zur Mainstream Pop-Musik beschlossen wurde.
Dieses Jahr bringt Justin Timberlake mal wieder "sexy back". Es ist sein mittlerweile dritter Auftritt in einer Halbzeitshow, nachdem er 2001 mit *NSYNC und 2004 mit Janet Jackson in der berüchtigten Nipplegate-Ausgabe des Superbowls für einen lang nachklingenden Skandal gesorgt hatte.
Es ist also alles angerichtet für ein Sportfest der Extraklasse. Nur auf die weltweit für Aufsehen sorgenden Werbespots müssen wir deutschen Zuschauer leider verzichten, da die Werbeblöcke im deutschen Fernsehen von den jeweiligen Sendern vermarktet werden. Aber Interessierte werden bei der Suche im Internet fündig.

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© Gmünder Tagespost 01.02.2018 14:34
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