Junges Gemüse gut behütet

Gartenwissen Vliese und Folien helfen den Pflanzen optimal und schnell zu gedeihen. So haben auch Schädlinge keine Chance.
  • Die Aussaat von Radieschen ist ab März möglich. Foto: Pixabay

Wenn die Frühlingssonne vom Himmel lacht, kann es im Garten wieder losgehen mit dem Säen und Pflanzen. Für die ersten Aussaaten ab März eignen sich Radieschen, Möhren und Spinat, in den kommenden Wochen gefolgt von Salaten, Rettich, Erbsen, Kohlrabi, Roter Bete und Rucola. Wärme, Licht und Feuchtigkeit brauchen Saatgut und Jungpflanzen, um zu gesunden und zu kräftigen Gemüsepflanzen heranzuwachsen. Da sich das Frühjahrswetter oft launisch zeigt und auch die Nächte noch empfindlich kühl ausfallen können, ist das Junggemüse für ein schützendes Mäntelchen dankbar.

Auch gilt es, Schädlinge möglichst schon von vornherein auszutricksen, damit Pflanzenschutzmittel gar nicht erst zum Einsatz kommen müssen.

Zweck bestimmt Abdeckung

Die Vielzahl unterschiedlicher Vliese, Folien und Netze im Gartenfachhandel kann verwirrend sein. Der Zweck bestimmt letztendlich, welche Abdeckung die richtige ist. Im Erwerbsgartenbau ist die Verwendung von Verfrühungs-Vlies und Folien gang und gäbe. Oft sieht man im Frühjahr ganze Gemüsefelder unter der Haube. Auch im eigenen grünen Reich haben sich diese Hilfsmittel für frühere Ernten und zum Schutz der Pflanzen gut bewährt.

Beim Gartenvlies handelt es sich um ein stabiles, textilartiges Gewebe aus feinsten Kunststoff-Spinnfäden, meist Polypropylen. Durch zahllose winzige Poren kann die Luft ungehindert zirkulieren und Gieß- und Regenwasser leicht zu den Pflanzen durchdringen. Als echtes Fliegengewicht erdrückt das luftige Gartenvlies auch zarte Pflänzchen nicht. Unter der Vliesabdeckung herrscht feucht-warmes Wohlfühlklima für die Gemüsepflanzen, sodass diese oft einen Wachstumsvorsprung von zwei bis drei Wochen für sich verbuchen. Vlies kann länger als Folie auf den Pflanzen verbleiben und muss nicht sofort bei stärkerer Sonneneinstrahlung entfernt werden. Billige Produkte sind allerdings oft weniger stabil verarbeitet. Dünnes Gartenvlies beispielsweise kann sich schon nach wenigen Monaten in Fetzen auflösen.

Gefahr von Hitzestau

Ab Anfang Mai steigt allerdings die Gefahr, dass sich bei strahlendem Sonnenschein die Hitze unter der Decke staut. Das stresst die Pflanzen und leistet Pilzkrankheiten mitunter Vorschub. Hier ist es hilfreich, das Vlies tagsüber aufzudecken und abends wieder zu schließen.

Bei stabiler Witterung und wenn sich die Pflanzen gut entwickelt haben, kann das Gartenvlies entfernt und bis zum nächsten Frühjahr wieder eingemottet werden.

Ähnlich wie Vlies funktionieren Folien. Sie schützen vor starken Temperaturschwankungen und halten die Feuchtigkeit länger im Boden. Unterschieden wird zwischen Loch- und Schlitzfolie. Lochfolie mit ausgestanzten kleinen Löchern ist in der Regel preiswerter als Schlitzfolie. Allerdings besitzt sie keine Eigenelastizität und muss nach wenigen Wochen vom größer werdenden Gemüse abgenommen werden. Außerdem besteht die Gefahr des Sonnenbrandes bei direkter Bestrahlung. Praktischer ist dehnbare Schlitzfolie, die mit dem Gemüse wächst. Die zahllosen winzigen Belüftungsöffnungen weiten sich unter aufstrebenden Gemüsepflanzen und lassen reichlich Luft einströmen. Diese Folie kann bis zur Ernte auf den Pflanzen verbleiben. Die Folien sollten zugunsten längerer Haltbarkeit UV-stabilisiert sein.

Schutz vor Schädlingen

Ab Mai ist im Gemüsegarten der Schutz vor Schädlingen gefragt. Gemüsefliegen und Lauchmotten sind unterwegs und legen ihre Eier an Jungpflanzen ab. Die ausgeschlüpften Maden bohren sich in Karotten, Zwiebeln und Lauch und machen das Gemüse ungenießbar. Der Kohlfliegennachwuchs labt sich an Kohlblättern, genauso wie die gefräßigen, grün-schwarzen Raupen des Kohlweißlings.

Überspannt ein Gemüsefliegennetz die Pflanzen, heißt es für Schädlinge: Wir müssen draußen bleiben! Gemüsefliegennetze, auch als Kulturschutz- oder Insektennetz bezeichnet, sind speziell für die mechanische Schädlingsabwehr konstruiert. Sie bestehen aus kräftigem, transparentem Kunststoffgewebe. Mit einem Maschendurchmesser von nur gut 1 Millimeter bilden die robusten Kunststofffäden eine undurchdringliche Barriere für Schädlinge.

Damit das Ganze funktioniert, muss das Netz gleich nach dem Pflanzen aufgelegt und an den Rändern dicht verschlossen werden. Den Netzrand gräbt man mit dem Spaten einige Zentimeter tief in den Boden ein oder beschwert ihn mit Steinen oder Brettern. Sorgfalt zahlt sich hier aus, denn die Insekten, vom Duft ihrer Wirtspflanzen angelockt, entdecken auch die kleinsten Schlupflöcher. Wichtig ist auch die richtige Netzbreite. Es ist recht ärgerlich, wenn wachsende Pflanzen das Netz am Rand hochdrücken und Schädlinge sich dadurch eingeladen fühlen. Als Faustregel gilt: Beetbreite von Kante zu Kante plus 90 Zentimeter ergibt die richtige Netzbreite. Gießen über die Haube ist kein Problem, zum Nachdüngen und Ernten sollte das Netz so kurz wie möglich gelüftet werden.

Der Anblick verhüllter Gemüsebeete mag das ästhetische Empfinden stören. Freie Sicht auf knackige Erbsen und propere Salatköpfe ist zweifelsohne attraktiver. Ernteerfolg und die Freude über gesundes Gemüse sind die kleine optische Einbuße aber allemal wert.

© Gmünder Tagespost 17.03.2017 17:39
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