Die vielfältige Geschichte eines Altenheims

Seit 2013 engagiert sich der Förderverein St. Ludwig in vielerlei Hinsicht für die Bewohner des Altenpflegeheims in der Uferstraße. Im Bereich Freizeit, aber auch im sozialen Leben wird viel geboten. Hans-Jürgen Sabel dokumentiert die gesamte Historie in einer Chronik.
  • Seit 2013 arbeitet Hans-Jürgen Sabel an einer Chronik von St. Ludwig, die die bewegte, 125-jährige Geschichte festhalten soll. Foto: ub
  • Sehr beliebt ist der Massage-Sessel im Foyer, der vom Förderverein St. Ludwig für die Bewohner gespendet wurde.Foto: ub
  • Auf eine bewegte Geschichte kann das Gebäude des heutigen Pflegeheims St. Ludwig zurückblicken. Es wurde früher auch als Hilfskrankenhaus genutzt. Foto: privat

Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können sie das Gesicht der Welt verändern. Dieses afrikanische Sprichwort spricht Hans-Jürgen Sabel aus dem Herzen und beschreibt die Motivation aller, die sich im Förderverein St. Ludwig für das Gmünder Altenpflegeheim engagieren.

Am 9. Dezember 2013 fand die Gründungsversammlung statt. Initiiert wurde der Förderverein von Hans-Jürgen Sabel. Er ist von Anfang an geschäftsführendes Vorstandsmitglied und wurde am 8. Dezember einstimmig im Amt bestätigt, ebenso wie die Vorsitzenden Richard Arnold und Helmut Argauer. „Die Idee, einen Förderverein zu gründen, entstand aus der Überlegung, dass damit St. Ludwig besonders unterstützt werden kann“, erzählt Hans-Jürgen Sabel.

Spannende Themen

Ehrenamtlich engagiert war der Weilermer schon Jahre vorher im Altenpflegeheim. Nach seiner Pensionierung sei er gefragt worden, ob er sich nicht einbringen möchte. Seit 2009 ist er dabei, hat die beliebte Abendrunde ins Leben gerufen. „Vor allem abends sind Angebote wichtig, um den Bewohnerinnen und Bewohnern Abwechslung zu ermöglichen“, ist Hans-Jürgen Sabel überzeugt. Jeden zweiten Dienstag dürfen sich die Bewohner auf eine abwechslungsreiche Stunde freuen.

Kleiner Schritt zur Hilfe

Zwei Ordner mit Zeitungsartikeln über die Veranstaltungen hat Hans-Jürgen Sabel archiviert. Nicht ohne Stolz erzählt er, dass weit über 100 namhafte Gäste dafür gewonnen werden konnten. Ob Bürgermeister, Landtags- und Bundestagsabgeordnete, Ärzte, Vertreter von Vereinen und Organisationen, Kulturschaffende und viele mehr: Die Abendrunden erfreuen sich großer Beliebtheit.

Irgendwann war es für Sabel nur noch ein kleiner Schritt bis zur Gründung eines Fördervereins. Das Ziel hatten die 29 Gründungsmitglieder klar vor Augen: Maßnahmen im Bereich der Freizeit und der Gestaltung des sozialen Lebens sollten gefördert werden. Bei den Bewohnern von St. Ludwig und auch bei den Bewohnern der betreuten Seniorenwohnanlage, die dem Altenpflegeheim angegliedert ist.

Heute ist die Mitgliederzahl auf weit mehr als 100 angestiegen - mit einer bemerkenswerten Altersspanne. „Unser jüngstes Mitglied ist vier Jahre alt“, freut sich Hans-Jürgen Sabel. Mit 96 Jahren ist eine Gmünderin das älteste Vereinsmitglied.

Ein weiteres Projekt nahm Sabel 2013 in Angriff. Er wollte die bewegte Geschichte von St. Ludwig in einer Chronik festhalten - auch anlässlich des 125-jährigen Jubiläums des Pflegeheims, das heute von der Stiftung Haus Lindenhof geführt wird.

Die Hoffnung, bis zu den Feierlichkeiten im September fertig zu sein, erfüllte sich nicht. Zu viel ist seit 1892 passiert. 200 Seiten hat Hans-Jürgen Sabel bis jetzt geschrieben. Angekommen ist er im Jahr 1929, ein paar Jahrzehnte sind also noch zu recherchieren. „St. Ludwig - Geschichte eines Hauses - ein Haus mit Geschichte“ blickt zurück auf eine wechselvolle Vergangenheit, die lange unbekannt war.

Interessante Geschichte

Vor allem abends sind Angebote wichtig, um den Bewohnerinnen und Bewohnern Abwechslung zu ermöglichen.

Hans-Jürgen Sabel
Geschäftsführender Vorstand

1892 wurde von den Franziskanerinnen von Sießen mit dem Bau einer Fortbildungs- und Nähschule der Grundstein von St. Ludwig gelegt. Nach verschiedenen Nutzungen, unter anderem als Lazarett und Hilfskrankenhaus während der beiden Weltkriege, wurden die im November 1940 beschlagnahmten Gebäude von St. Ludwig 1945 an die Sießener Schwestern zurückgegeben.

Der Schulbetrieb unter städtischer Regie wurde im neueren Anbau wieder aufgenommen, im Altbau ein Kreiskrankenhaus eingerichtet. Es war also auch die Geburtsklinik für viele Gmünder - darunter auch Oberbürgermeister Richard Arnold, der aufgrund dieser persönlichen Beziehung das Amt des Fördervereins-Vorsitzenden übernahm.

Nachdem die Mädchenoberschule 1955 in das neu erbaute Hans-Baldung-Gymnasium umgezogen war, erfolgte 1968 der Abriss des Altbaus. Der Neubau wurde als reines Altenheim gebaut, das 1990 von der Stiftung Haus Lindenhof übernommen wurde. Umfangreiche Sanierungsmaßnahmen wurden bis 1998 durchgeführt. St. Ludwig entwickelte sich von einem Alten- zu einem modernen Altenpflegeheim mit heute 54 Plätzen sowie einer benachbarten Seniorenwohnanlage.

Gründliche Recherche

Viel Zeit und Herzblut investiert Hans-Jürgen Sabel in seine Recherche. Wenn das Gmünder Stadtarchiv geöffnet, ist er vor Ort und arbeitet sich durch die Geschichte von St. Ludwig.

Was ihn bisher am meisten beeindruckt hat? „Das war auf jeden Fall die wechselhafte Geschichte und die vielen Stationen von St. Ludwig“, sagt er. Zu entdecken gab es viel. In Zeitungsartikeln etwa, die er zum Anlass nahm, nachzuforschen und nachzufragen. Eine Arbeit, die viel Zeit in Anspruch nimmt. Aber auch Spannendes zutage fördert. Wie zum Beispiel den Besuch des wohl höchsten Gastes in der Geschichte von St. Ludwig. Es war niemand geringerer als Königin Charlotte von Württemberg, die am 23. August 1915 das damalige Lazarett besuchte. Und laut Überlieferung beschenkte die Königliche Hoheit die Verwundeten reichlich mit Zigarren.

Nach seiner Motivation und seinen Beweggründen gefragt antwortet Hans-Jürgen Sabel: „Ich lasse mich von dem Gedanken leiten, dass wir alle diesen alten Menschen viel zu verdanken haben.“ Fast alle im Altenpflegeheim lebten von Sozialleistungen, hätten nur ein bisschen Taschengeld. Ihnen etwas zurückzugeben, ihnen Abwechslung im Alltag zu ermöglichen - dazu möchte der Förderverein beitragen. Ob Abendrunde, neue Sonnenschirme und Gartenbänke, ein Fernseher, ein gerne genutzter Massage-Sessel im Foyer oder 56 große Schwarz-Weiß-Bilder von bedeutenden Orten in Gmünd, die in den Wohnbereichen aufgehängt werden: Das Engagement des Vereins ist überall spürbar.

Wie wichtig die Arbeit des Fördervereins ist, erfährt Hans-Jürgen Sabel oft bei seinen regelmäßigen Besuchen in St. Ludwig: „Wie dankbar sie sind, sagen mir die Menschen immer wieder, oft mit Tränen in den Augen“. Es seien manchmal auch schwere Stunden, gerade in der Zeit vor Weihnachten, wenn er von Einsamkeit hört, von den Kindern, die nicht mal an Weihnachten zu Besuch kommen. Das sind Geschichten, die ihm nahegehen, die aber auch Antrieb sind für seine Arbeit. Und wenn er dann erzählt, dass die Bewohner von St. Ludwig eine Schulbank für die Kinder in Togo gespendet haben, freut er sich besonders. „Von dem Wenigen, das sie haben, geben sie noch etwas ab.“

Hier schließt sich dann auch für ihn wieder der Kreis zum afrikanischen Sprichwort. Denn von dessen Wahrheit sind er und seine Mitstreiter wirklich überzeugt. ub

So unterstützen Sie den Förderverein St. Ludwig

Das Altenpflegeheim St. Ludwig hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Damit der Förderverein weiterhin viel für St. Ludwig bewegen kann, sind neue Mitglieder und Spenden auf folgendes Konto willkommen.

Förderverein St. Ludwig
KSK Ostalb
DE31 6145 0050 1000 7947 93

© Gmünder Tagespost 21.12.2017 10:41
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