„Gott ist der große Seelsorger“

Pfarrer Peter Palm und Pastoralreferent Benedikt Maier sind Klinikseelsorger im Stauferklinikum in Mutlangen. Bei ihnen schauen tagtäglich Patienten, Angehörige sowie Mitarbeiter gleichermaßen vorbei und suchen das Gespräch, um Alltagssorgen zu vergessen.
  • Unterstützt wird auch Benedikt Maier von Ehrenamtlichen, die jeden Dienstag im Krankenkommunionbesuchsdienst aktiv sind. Foto: privat
  • Die Klinikseelsorger Pfarrer Peter Palm (links) und Pastoralreferent Benedikt Maier sind am Stauferklinikum für Patienten, Angehörige und auch Mitarbeiter da. Foto: Ute Betz

„Die Weihnachtszeit macht sensibler.“ In seiner Arbeit als Klinikseelsorger erlebt Pfarrer Peter Palm, dass in diesen Wochen eine Krankheit oder ein Verlust noch deutlicher spürbar sei. „Für die, die dableiben, ist es umso schwerer in dieser Zeit“, kann auch Pastoralreferent Benedikt Maier bestätigen. Weihnachten intensiviere alles. Nicht zu vergessen seien auch die Mitarbeiter am Stauferklinikum. Diejenigen, die an den Festtagen Dienst haben, nicht bei der Familie sein können. Da sei ein Gespräch oft sehr willkommen.

Ökumenischer Heiligabend

An Heiligabend findet am Stauferklinikum um 16 Uhr die Christvesper statt. „Es ist der einzige ökumenische Gottesdienst im Umkreis, sonst laden ja die jeweiligen Kirchengemeinden ein“, erklären die Seelsorger und betonen: „Klinikseelsorge funktioniert nur ökumenisch.“ Die Konfession der Patienten sei bei den Besuchen auf der Station nicht wichtig für ihre Arbeit.

Vom Pfarrer zum Seelsorger

Die Klinikseelsorge ist im kirchlichen Bereich entstanden, als Krankenhäuser, Schulen oder Kindergärten in kirchlicher Hand waren. „Es ist ein ganz zentrales christliches Anliegen, sich um Kranke zu kümmern“, sagen Peter Palm und Benedikt Maier. Auch heute sei ihren Kirchen die Klinikseelsorge sehr wichtig. Es sei ein eigenständiger kirchlicher Ort in der Stauferklinik, die Arbeit erfolge aber in enger Vernetzung mit den Kirchengemeinden. „Wir sind auch unabhängig von der Klinikleitung, können ohne Zwänge agieren“, sagt Peter Palm. Das gebe viele Freiheiten, auch kritische Dinge könnten sie dadurch ansprechen. Seit 2015 arbeitet er als Seelsorger am Stauferklinikum. Viele kennen ihn aus seiner Zeit in Täferrot, wo er 20 Jahre lang Pfarrer war.

Gespräch ist wichtig

„Im Zentrum unserer Arbeit stehen Gespräche“, meint Peter Palm. Dabei sei wichtig, dass der Patient bestimmt, was gesprochen wird. Er darf so sein, wie er will und wird wertgeschätzt. Wo sind Kraftquellen und Stärken, wie kann ich eigene Ressourcen entdecken? Auch Rituale wie Beten, Segnen, Kräutersalbung und Eucharistie werden angeboten.

Gemeinsame Spurensuche

Eine Krankheit könne man nicht verstehen, aber wahrnehmen, einen Rat geben, mit der Krankheit umzugehen. „Oft hilft es, gemeinsam eine Spur zu finden, aus dem Hamsterrad rauszukommen“, beschreibt Benedikt Maier seine Arbeit. Er ist seit 2014 als katholischer Seelsorger am Stauferklinikum tätig. Zudem hat er aber auch noch einen Auftrag in der Seelsorgeeinheit Limeshöhe.

Es ist ein ganz zentrales christliches Anliegen, sich um Kranke zu kümmern.

Peter Palm und Benedikt Maier
Klinikseelsorge

Die Seelsorger gehen auf die Stationen, bieten Gespräche an. Dann wird versucht, einen geschützten Ort zu finden, um die Privatsphäre zu schützen. Das sei nicht immer einfach, Improvisieren sei manchmal gefragt. Oft werden die Seelsorger vom Pflegedienst gerufen, wenn Notsituationen vorliegen. Es sei schon ein Stück weit Krisenintervention, sagen beide. Etwa wenn, ein Angehöriger plötzlich nicht mehr zu Besuch komme, dann tot zu Hause aufgefunden werde. Fälle, die nahe gehen.

Der eigenen Seele verpflichtet

Wie gehen sie selber mit den täglichen Erlebnissen, mit den Schicksalen der Menschen um? Nimmt man das auch mit nach Hause? Das sei schon immer wieder der Fall, bestätigt Peter Palm: „Ein Lauf im Wald hilft mir sehr, auch einfach nach der Arbeit etwas Schönes machen.“ Es sei für diesen Beruf sehr wichtig, in der Freizeit Gegenakzente zum Alltag zu setzen. Ein Spruch fällt ihm ein, der es sehr gut trifft: „Die erste Seele, der der Seelsorger verpflichtet ist, ist die eigene.“

Rituale helfen bei Verarbeitung

Auch Benedikt Maier hat seine Rituale, die ihm helfen, nach einem anstrengenden Tag Abstand zu bekommen: „Frische Luft hilft schon sehr viel, ich kann da wunderbar meinen Kopf frei machen.“ Auch Treffen und Gespräche mit guten Freunden gehöre für ihn dazu. Wichtig sei für beide Seelsorger die Supervision: „Ohne das geht es nicht.“

Hilft auch der Glaube, wenn man Fälle erlebt, die einem nahe gehen, etwa wenn Kinder betroffen sind? Peter Palm kann das bestätigen, meint aber: „Zu Gott gehört auch Widersprüchliches.“ Benedikt Maier ergänzt: „Glaube ist auch Herausforderung. Ich schimpfe oft mit Gott, frage, warum er das zulässt.“ Es sei ein Ringen mit Gott, aber gleichzeitig der Glaube daran, dass er es schon recht machen wird. Er betont: „Gott ist der große Seelsorger. Das entlastet auch, ohne diesen Glauben könnte ich meine Arbeit nicht machen.“

Klinikkapelle als Anlaufstelle

Wie sehr auch die Menschen im Krankenhaus im Glauben Trost finden, erleben die Seelsorger jeden Tag in der Klinikkapelle. Sie wurde 2009 eingeweiht und ist rund um die Uhr geöffnet. Jeden Tag seien sie erstaunt, wie viele Kerzen dort angezündet werden. Auch ein Buch liegt dort aus. Mit Gedanken, Hoffnungen und Wünschen, die Patienten, Angehörige und Besucher niedergeschrieben haben.

„Der Glaube ist auch bei den Patienten eine große Kraftquelle“, sagt Peter Palm. Es gebe nicht nur die körperliche Heilung, auch die Seele könne geheilt werden, etwa durch eine Aussöhnung mit der Familie. „Das Leben vor dem Tod ist entscheidend.“

Oft hilft es, gemeinsam eine Spur zu finden, aus dem Hamsterrad rauszukommen.“

Benedikt Maier

Patienten und Mitarbeiter

Auch die Mitarbeiter suchen immer wieder das Gespräch, besuchen die Kapelle, um dort zur Ruhe vom stressigen Klinikleben zu kommen. „Oft ergibt sich nachts die Möglichkeit für ein gutes Gespräch“, hat Benedikt Maier schon oft erlebt.

Ehrenamtliche Helfer

Beim Gespräch mit den Klinikseelsorgern schaut auch Schwester Irmgard Krug von der Klostergemeinschaft der Franziskanerinnen der ewigen Anbetung vorbei. Sie ist seit über 10 Jahren im Besuchsdienst engagiert, hat früher auch Krankenkommunionsdienst gemacht. „Alle zwei Wochen bin ich hier am Stauferklinikum“, erzählt sie. Schwester Irmgard Krug ist eine von 20 Ehrenamtlichen, die für die katholische Kirche Patienten im Krankenhaus in Mutlangen betreuen.

Seit Oktober wird Pfarrer Peter Palm von sechs ehrenamtlichen Frauen unterstützt. Sie haben im einen von der evangelischen Landeskirche finanzierten Kurs für ehrenamtliche Seelsorgerinnen und Seelsorger (KESS) abgeschlossen. „Das ist auf jeden Fall ein Kurs, der einem selber etwas bringt und der einem auch ermöglicht, was Gutes zu tun“, sagt Peter Palm.

Stetiger Austausch bei Treffen

Regelmäßige Treffen finden mit den Ehrenamtlichen statt, auch außerhalb der Stauferklinik. „Es ist auch wichtig, die Gemeinschaft zu fördern“, betont Benedikt Maier. Denn es werde immer eine Herausforderung sein, Menschen für dieses Ehrenamt zu finden.

Zuhören und Begleiten, Trösten und Hoffnung wecken, Nachdenken und auch Beten - das bestimmt den Arbeitsalltag der Klinikseelsorger. Ohne Flexibilität geht es nicht, denn der Tag läuft selten wie geplant. Es sei aber spannend und mache Freude, sagt Peter Palm: „Denn wir haben mit Menschen und ihren Geschichten zu tun.“ ub

© Gmünder Tagespost 21.12.2017 10:43
1139 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.