Die Dienerinnen der Armen

Eine Schule für behinderte Mädchen: 27 Jahre erfolgreiches Engagement der katholischen Kirchengemeinde St. Maria Rehnenhof-Wetzgau für Indien.
  • Auf dem Adventsbasar werden weihnachtliche Kleinigkeiten für den guten Zweck verkauft. Foto: aro
  • In der Schule für behinderte Mädchen in Indien wird sehr gerne Ball gespielt. Das fördert die motorischen Fähigkeiten und schweißt die Mädchen zusammen. Foto: privat

Mit Pfarrer Franz Markls Übernahme der katholischen Kirchengemeinde St. Maria Wetzgau-Rehnenhof 1990 kam die Unterstützung der indischen Ordensgemeinschaft, „Dienerinnen der Armen“, in der Kirchengemeinde ins Rollen. Pfarrer Markl unterhielt enge Kontakte nach Indien, im Besonderen zu Schwester Willigard. Mit acht jungen Frauen gründete die 1924 in Oelde/Westfalen geborene Schwester Petra Mönnigmann 1969 in Pattuvam, im Bundesstaat Kerala, die religiöse Gemeinschaft „Dienerinnen der Armen“. Schwester Petra wollte für die Ärmsten der Armen da sein und kranken und ausgestoßenen Menschen helfen. Nachdem Schwester Petra bei einem Verkehrsunfall in Indien tödlich verunglückte, wurde Schwester Willigard zur Generaloberin gewählt. Die katholische Kirchengemeinde St. Maria Wetzgau- Rehnenhof stand mit Schwester Willigard in engem Kontakt, gegenseitige Besuche fanden statt.

Würdige Preisträgerin

Im September 2009 erhielt Schwester Willigard einen Preis für ihr soziales Lebenswerk, den sie aus gesundheitlichen Gründen nicht persönlich entgegen nehmen konnte. Im Mai 2010 verstarb Schwester Willigard, die Ordensleitung wurde von ihr bereits im Vorfeld an indische Schwestern übergeben. Heute zählen rund 650 Schwestern in 86 Stationen in ganz Indien zum Orden und betreiben Waisenhäuser, Behindertenheime, Kindergärten und Sozialstationen. Für die Ärmsten der Armen wurden einfache Steinhäuser gebaut. Inzwischen unterhalten sie Heime für HIV-infizierte und AIDS-kranke Kinder und Frauen und kümmern sich um Leprakranke und Ausgestoßene sowie um alte Menschen. Ganz besonders liegt den indischen Schwestern die Schul- und Berufsausbildung benachteiligter Kinder am Herzen.

Seit 1991 unterstützt die Kirchengemeinde St. Maria die Ordensgemeinschaft. Die Kirchengemeinde St. Maria Wetzgau-Rehnenhof unterhält seit dem Jahr 1991 eine Partnerschaft mit den Dienerinnen der Armen in Indien. Unterstützung fand Pfarrer Markl am Anfang von einem engagierten Bastelkreis von rund 15 Damen unter der Leitung von Waltraud Berger. „Altershalber löste sich dieser Bastelkreis im Jahr 2003 auf“, berichtet Margret Wurst, die nach dem Ausscheiden vom Waltraud Berger, die Leitung des neuen Damen-Teams übernommen hat. Im Januar 2004 gründete sich die Eine-Welt-Gruppe (EWG) aus Frauen der Kirchengemeinde, die sich zum Ziel gesetzt haben, den Erlös des regelmäßigen Verkaufs ihrer Bastelarbeiten an das indische Projekt zu spenden. Die Männer der Kirchengemeinde treffen sich regelmäßig als die Männer-Holz-Werker (MHW) bei Anton Weiß in dessen „perfekt ausgestatteter Holzwerkstatt um dort Deko-Artikel aus Holz zu fertigen“, erzählt Alex Wurst. Die Arbeit der beiden Gruppen beginnt im Januar, dann werden Kerzen für das Osterfest gestaltet und „Palmstecken“, hergestellt. Ab September werden die Vorbereitungen zum traditionellen Eine-Welt-Basar getroffen. Bei diesem Adventsbasar werden Gestecke, Adventskränze und Holzwerkarbeiten verkauft. Auch gestrickte Socken, schöne Weihnachtsanhänger und Marmeladen und Plätzchen angeboten. Die Teams sind mit ihren Bastelarbeiten zudem regelmäßig auf dem Weihnachtsmarkt am Rehnenhof mit einem Pavillon vertreten. Der Erlös geht vollständig nach Indien zur Unterstützung der „Dienerinnen der Armen“.

Neues Projekt, eine Schule für behinderte Mädchen

Nach der Fertigstellung des Heims für 50 HIV-infizierte Kinder in Abahayagiri, das von der Kirchengemeinde finanziell unterstützt wurde, hat sich man sich jetzt einem neuen Projekt zugewandt. Die Marian Centre Special School for Mentally Retarded ist eine Schule für geistig behinderte Mädchen, die 2015 einen Erweiterungsbau erhielt. Derzeit wird die Schule von 90 Schülern besucht. Der Neubau der Schule benötigte dringend Schulmöbel. Die Eltern dieser Kinder leben in völliger Armut und können sich an den Kosten nicht beteiligen. Die Aktionen der EWG und der MHW ermöglichten den Kauf der Tische, Bänke und Schultafeln, „alles was jetzt von uns erwirtschaftet wird, geht in vollem Umfang für die Lehrergehälter nach Indien“, erzählt Margret Wurst.

Nachhaltige Hilfe in der Kirchengemeinde

Mehr als 40 Patenschaften für benachteiligte Kinder in Indien sind aktuell in der Kirchengemeinde zu verzeichnen. Seit 1991 konnten die Dienerinnen der Armen von der Kirchengemeinde mit insgesamt 919 679 Euro unterstützt werden. Alle Spendengelder werden über das „Hilfswerk Schwester Petra“ in Oelde, dem Geburtsort von Schwester Petra an die Stationen in Indien verteilt. Der Kontakt nach Indien ist nach dem Tod von Schwester Willigard nicht abgerissen, mit Schwester Assumpta aus dem Mutterhaus des Ordens in Pattuvan steht die Kirchengemeinde in engem Kontakt. aro

© Gmünder Tagespost 21.12.2017 10:43
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