Einstieg ins Daytrading

Daytrader sind Investoren, die Sicherheiten kaufen oder verkaufen um diese Positionen noch am selben Tag wieder zu schließen. Viele der nicht-professionellen Daytrader arbeiten dabei nicht auf den Handelsplätzen der Börsen, oder in Büros großer Finanzinstitute, sondern direkt von zuhause aus.

Früher war dies noch komplizierter: Ein Investor hat dann seinen Börsenmakler kontaktiert, der wiederum einen Händler auf dem Börsenparkett darum gebeten hat, den Handel durchzuführen. Der Makler hat daraufhin eine gewisse Kommission einbehalten. Heutzutage sind Makler weiterhin ein wichtiger Bestandteil beim Investieren, aber die Ausführungsgeschwindigkeiten haben sich rapide erhöht. Händler auf dem Börsenparkett gibt es nur noch in sehr seltenen Fällen (z.B. Rohstoffhandel) und alles andere wird von Computern ausgeführt. Der Makler ist weiterhin der Ansprechpartner und Kontaktperson für Börsen- und Bankeninvestitionen, aber auch diese Kommunikation wird heute mittels spezieller Software durchgeführt. Um mit dem Daytrading anzufangen benötigst Du also lediglich ein Konto bei einem Makler, etwas Startkapital und die von Deinem Makler bereitgestellte Trading-Software.

Grundlegende Voraussetzungen für einen Daytrader

Theoretisch kann jedermann ein Daytrader werden, so wie auch jeder seine Steuererklärung schreiben kann. Laut Aktienrunde.de fangen die meisten das Trading als Hobby, neben dem Beruf an. Um aber das Beste herauszuholen, sind gewisse Kenntnisse, Strategien und auch persönliche Einstellungen erforderlich. Daytrading ist beinahe ein Nullsummenspiel, das heißt, abzüglich Gebühren und Steuern, wird es für jeden Gewinn bei Person A einen ebenso hohen Verlust bei Person B geben. Jeden Tag können also nur knapp 50% aller Trader einen Gewinn einfahren. Für Daytrader ist diese Angabe sogar noch pessimistischer, da durch Transaktionsgebühren mit den vielen täglich ausgeführten Trades der durchschnittliche Gewinn sinkt. Ein Daytrader sollte also diese Statistik kennen und sich bewusst sein, dass nur die besten Strategien eine Chance am Markt haben. Folgende Eigenschaften machen einen guten Daytrader aus:

• Kenne die Grundlagen des Marktes. Wer die Grundlagen nicht versteht, übersieht wichtige Signale.

• Besitze genügend Grundkapital, um die Marktbewegungen zu nutzen. Wer Trades vorzeitig beenden muss, weil das Geld knapp wird, lässt sich viele Gelegenheiten entgehen.

• Entwickle einen Business-Plan. Daytrading ist ein Business wie jeder andere Beruf und sollte mit viel Planung und Analyse einhergehen.

• Mit risikobehafteten Kapital zu hantieren benötigt viel Disziplin. Bist Du sehr impulsiv, lässt Du Dich zu sehr durch Deine Emotionen lenken, so wirst Du kaum Erfolg als Daytrader haben können.

• Nutze einen modernen PC mit der schnellstmöglichen Internetverbindung, um immer schnell auf aktuelle Kursbewegungen reagieren zu können.

• Lerne den Markt und seine Besonderheiten zu verstehen und lerne aus Fehlern dazu. Lerne und verstehe Trading-Strategien und versuche sie tatsächlich und konsequent einzusetzen.

• Denke immer daran, dass man Daytrading nach dem Trial-and-Error-Prinzip lernt - Du musst damit lernen umzugehen, um Erfahrung zu sammeln. Es gibt viele Testkonten ohne echtem Geld, auf denen Du Dein gelerntes ausprobieren kannst.

Die ersten Strategien eines Daytraders

Die vier grundlegenden Strategien, die jeder Daytrader kennenlernen sollte, heißen Scalping ("skalpieren"), Fading ("abnutzen"), Pivot-Punkte ("Angelpunkte") und Momentum.
Scalping ist sehr beliebt, da hier viel Geschick und Konzentration vom Trader verlangt wird. Beim Scalping wird versucht, durch geschickte Käufe und Verkäufe, zwischen denen oft nur Sekunden oder Minuten liegen, viele kleinere Gewinne zu erzielen. Sehen alle Signale gut aus, investiert der Scalper einen kleinen Betrag und hofft, dass die Analyse korrekt war und der Preis steigt. Hierbei wird häufig ein Stop-Loss-System eingesetzt, dass mit einem Zielgewinn und einem Verhältnis von beispielsweise 2:1, Gewinn zu Verlust, den Trade automatisch beendet. Steigt der Preis dann um z.B. 10 Cent wird automatisch mit Gewinn verkauft, sinkt er um 5 Cent wird mit Verlust verkauft.

Fading benötigt weitaus weniger Analyse ist aber mit einem sehr hohen Risiko verbunden. Es ist eine Konträrstrategie, die dann kauft, wenn der Preis sinkt und dann verkauft, wenn der Preis steigt. Somit wird auf die Umkehrung des Trends gewettet. Auch hier werden Positionen nach kürzester Zeit und häufig mittels Stop-Loss-Systemen geschlossen. Es besteht immer die Gefahr, dass Trends weiterlaufen und so kein Gewinn erzielt wird.

Pivot-Punkte sind technische Indikatoren für den wahrscheinlich niedrigsten und höchsten Betrag, den ein Kurs an einem Tag erreichen wird. Sie bestimmen sich aus den Durchschnittswerten des Vortags und sind in herkömmlichen Trading-Tools häufig frei verfügbar. Strategien mittels Pivot-Punkten basieren auf der Annahme, dass die Volatilität des Kurses (Kursschwankung) ähnlich zum Vortag ist: Es wird am untersten Pivot-Punkt gekauft - und verkauft, sobald der obere Pivot-Punkt erreicht wird. Zur Sicherheit können auch hier Stop-Loss-Systeme eingesetzt werden, um im Ernstfall nicht allzu viel zu verlieren.
Momentum-Strategien basieren auf der Annahme, dass der Markt träge ist und Trends in eine Richtung für einige Zeit anhalten, bis genügend Signale existieren, die eine Richtungsänderung andeuten. Diese Strategie benötigt viel Wissen um Indikatoren und Signale, um zu erkennen, ob ein Kurs nicht womöglich bereits seine Spitze erreicht hat.

Wichtige Hinweise für Neulinge

Am Ende des Tages ist es wichtig, dass Du Deine Hausaufgaben machst: Bereite Dich auf lange Lernzeiten vor dem Computer und mit Büchern vor. Studiere Kurse, lies Analysen und probiere besonders viele der Strategien mit Testaccounts aus. Lerne die verschiedenen Hilfsmittel und Statistiken, die ein Tradingaccount Dir zur Verfügung stellt. Wisse im Voraus, wie Dein Plan und Deine Strategie aussehen soll. Wiederhole diese Strategie auch für jede Aktie, Währung, Option etc., die Du kaufst und bleibe bei dieser Strategie. Führe Aufzeichnungen über Deine Handelsaktivitäten - so weißt Du, wieviel Geld Du insgesamt verloren hast, ob Du Dich verbesserst und ob es sich noch für Dich lohnt. Daytrading kann zu einer Glücksspielsucht werden! Lass nie Deine Emotionen darüber entscheiden, wann gekauft wird - sondern basiere jeden Kauf auf ausführliche Analyse und Strategie.
Um bei ungünstigen Situationen nicht plötzlich das gesamte Budget zu verlieren, hülle deine Investitionen immer in geeignete Stop-Loss-Systeme. So wird zwar häufiger unter Wert verkauft, obwohl der Kurs noch wieder steigen könnte, so lässt sich aber besser neu konzentrieren und auf geeignetere Signale warten lassen.

Gehe nicht mit einer rosaroten Brille ins Daytrading und träume von den großen Millionen. Wer Dir sichere Gewinne verspricht, meint es nicht gut mit Dir; Etwa 3% aller Daytrader sind am Ende finanziell langfristig abgesichert (sprich: mittelständiges Einkommen) und ca. 20% verdienen überhaupt einen positiven Betrag. Beachte auch, dass Erfolge in Trainingsaccounts nicht immer in echten Accounts wiederholt werden können. Da Privatinvestoren häufig die letzten Handelsteilnehmer sind, deren Kauf- oder Verkaufsaufträge ausgeführt werden und so können schnelle, kurze Fluktuationen im Preis häufig nicht effektiv ausgenutzt werden.

Bild: Pixabay Gerd Altmann

 

© Gmünder Tagespost 19.02.2018 11:59
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