Im Hobby-Glück: Kreative Tätigkeiten im Aufwind

Hobbies sind mehr als ein bloßer Zeitvertreib gegen die Langeweile. Kreative Freizeitgestaltungen senken den Stresspegel, heben die Stimmung und beleben nachhaltig, wie diverse Studien in der Vergangenheit belegt haben. Das Internet zeigt, dass insbesondere Handarbeit bei den Jüngeren im Trend liegt und ein Gegenpol zur digitalisierten Welt darstellt. Doch ganz generell scheinen viele Menschen Massenprodukte satt zu haben und sich mehr Individualität und "mit Liebe Gemachtes" zu wünschen, ohne auf ein gut aussehendes Ergebnis verzichten zu wollen.

Ob Nähen, Basteln oder Häkeln: Dem Begriff "Handmade" ist in den letzten Jahren eine enorme Aufwertung widerfahren. Ob bei Pinterest, Instagram oder YouTube, in Foren oder Blogs: Das Netz ist voll mit liebevoll gemachten DIY-Produkten und Anleitungen zum Selbermachen. Ein Bett aus Palletten bauen? Dem Billy-Regal Individualität verleihen? Feigen und Kürbis einmachen? Eigene Seifen herstellen? Dank der Internet-Inspirationen in Hülle und Fülle überhaupt kein Problem. Nötig sind allein Zeit, Geduld und die nötigen Materialien.

Einige Kreative haben im DIY-Trend sogar ein Geschäftsmodell entdeckt und verkaufen ihre Werke in Onlineshops wie DaWanda und Etsy. Künstlerische Selbstentfaltung ermöglichen auch Online-Dienste wie CEWE-FOTOSERVICE, wo jeder Hobbyfotograf seiner Kreativität bei der Gestaltung persönlicher Fotoprodukte freien Lauf lassen kann. Ein selbstfotografiertes Motiv, das auf eine große Leinwand gedruckt wird, kann einem "echten" Kunstwerk sehr nah kommen.

Stricken ist das neue Yoga


Handarbeiten wie Stricken sind längst nicht nur etwas für Großmütter und Hippies, sondern erfreuen sich auch bei den jungen Leuten großer Beliebtheit. Wie eine Studie des Marktforschungsinstituts GfK Nürnberg zeigte, sind Handarbeiterinnen in den letzten Jahren jünger geworden. Als Gründe für das Selbermachen nannten sie unter anderem Spaß, Entspannung, Ablenkung vom Alltagsstress und die Herstellung von Unikaten.

Handarbeit macht glücklicher, weil sie ein sichtbares Produkt der eigenen Anstrengung und damit auch ein relativ schnell erreichtes Erfolgserlebnis liefert, das die zunehmend technisierte Arbeitswelt nicht immer bietet. Sie verjüngt sogar, erklären Wissenschaftler und baut das Selbstbewusstsein auf. Schöpferische Handarbeit stellt somit einen reizvollen Kontrast zur digitalisierten Welt dar. Haptische Erfahrung fehlt bei der Computerarbeit, beim Werkeln Häkeln und Nähen steigert sie jedoch die Wertschätzung für ein Produkt. In der Forschung wird dieser psychologische Mechanismus als "IKEA-Effekt" bezeichnet: Demzufolge wird einem Werk mehr Wert beigemessen, wenn man zu dessen Produktionsprozess eigenhändig beigetragen hat.


Bildrechte: Flickr Candles and materials ProFlowers CC BY 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten

© Gmünder Tagespost 07.05.2018 11:37
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