Lesermeinung

Zum Thema Ökumene und Kreuze in bayerischen Amtsstuben:

Was ist denn jenseits unserer östlichen Landesgrenze los? Unsere bayerischen Nachbarn scheinen im Hinblick auf die Landtagswahl am 14. Oktober total von der Rolle zu sein. Ihre Bischöfe schreiben nach Rom und möchten beim Petrusnachfolger Franziskus erreichen, dass ein demokratischer Zwei-Drittel-Beschluss der Deutschen Bischofskonferenz für ungültig erklärt wird. Es sei nicht die reine Lehre, wenn protestantische Ehegatten so ohne weiteres mit zum Tisch des Herrn gehen. Papst Franziskus aber hat’s den Angsthasen gegeben und sie gefälligst zur Einmütigkeit mit dem Beschluss der deutschen Bischöfe aufgerufen.

Der bayerische Ministerpräsident gar sieht das Kreuz nicht mehr als das grundlegende Zeichen des Christentums sondern als ein „geschichtliches und kulturelles Identitäts- und Prägungszeichen Bayerns“ und verordnet es in die Amtsstuben seines Königreiches, pardon, seiner Behörden. Wahrscheinlich hat Dr. Söder für diese Formulierung weniger Gehirnschmalz aufgewendet als für sein Kostüm bei der Veitshöchheimer Fastnacht.

Himmlische Eingebungen, ihr bayerischen Bischöfe und Herr Ministerpräsident, sind rar und wenn sie mal kommen, kommen sie in Bayern nicht an. So geschehen 1911 bei Ludwig Thomas „Münchner im Himmel“. Der Dienstmann Alois Hingerl hatte seinen Petrusbrief ganz einfach vergessen, als er ihn, am Hofbräuhaus vorbei eilend, zur bayerischen Regierung bringen sollte. „Und so warten die bayerische Regierung und vielleicht auch ein paar weißblaue Bischöfe bis heute vergeblich auf die himmlischen Eingebungen.“

© Gmünder Tagespost 14.05.2018 19:52
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Kommentare

Frieder Kohler

Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“ startet am 14. Juni in den deutschen Kinos - heute in 3SAT Kulturzeit http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=73562 - interessiert einen Söder und seine Kreuzritter vor der Landtagswahl nicht!

Ihr Beitrag, Herr Sorg, wird aus "Stirnrunzeln" keine Sorgenfalten machen, sondern als Volltreffer im Freundeskreis weitergeleitet werden: Köstlich, diese Kostprobe!