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Alle Macht den Mitarbeitern - Zum Artikel „Beratung für Mitarbeiter von Sconvey“ vom 09.08.2018

Respekt! Da hat die Stadtverwaltung Giengen ja mal eine ganz neue Idee an den Start gebracht. Um den Mitarbeitern der insolventen Traditionsfirma Sconvey schnell und unbürokratisch zu helfen wird ein „Speed-Dating“ für neue Stellen veranstaltet in Zusammenarbeit Wirtschaftsförderer Sebastian Vetter, der Arbeitsagentur und ortsansässigen Unternehmen.


Grundsätzlich finde ich es sehr lobenswert den Mitarbeitern schnell und unbürokratisch helfen zu wollen. Doch hat man das Ganze vielleicht nicht zu Ende gedacht?


Zum einen werden bei den Kollegen jetzt Hoffnungen geweckt, die sich letztendlich für die wenigsten erfüllen werden. Denn so einfach ist es mit Finden einer neuen Stelle nicht, auch wenn anscheinend überall Fachkräftemangel herrscht. Klar ist schon ein einziger vermittelter Mitarbeiter ein Erfolg. Aber für die anderen bleiben eben mit jeder Absage der Frust und die Angst, wie es für sie weitergehen wird.


Zum anderen wären andere Lösungswege vielleicht auch gangbar und würden nicht nur einem oder zwei Kollegen etwas bringen. Warum unterstützen die Stadtverwaltung und Herr Vetter die Firma nicht dahingehend dass sie weitermachen kann. In der Vergangenheit wurde das Unternehmen bei dem in regelmäßigen Zeitabständen stattfindenden Geschäftsführerwechsel schon öfters in der Übergangsphase von einem Kollegen kommissarisch geleitet - und das durchaus nicht zu deren Nachteil. Warum die Firma nicht weiterleben lassen – denn am Produkt und an der Arbeit der Mitarbeiter ist diese ja letztendlich nicht gescheitert. Im Gegenteil: viele Kollegen, die zwischenzeitlich in anderen Unternehmen gearbeitet haben, sind nach einer gewissen Zeit wieder zu Sconvey zurückgekehrt. Und mit ihrer langjährigen Erfahrung in dieser Firma wissen sie genau wie es geht. Mit diesem Know-how, einem neuen Führungskonzept und der Beseitigung momentan noch bestehender Hürden für Investoren denke ich ist eine erfolgreiche Fortführung sicher möglich.


Und dann muss man ja auch noch bedenken, welch weitreichendes Signal man mit so einer Aktion setzt. Will sich die Stadtverwaltung Giengen jetzt immer auf diese Weise ins Zeug legen, wenn bei einer Firma in Giengen Arbeitsplätze verloren gehen? Ist in der Vergangenheit in der Form noch nie gemacht worden - klar, ist jetzt auch ein Novum im Bereich Stellenfindung. Aber was bei der Firma Sconvey jetzt praktiziert wird muss ja eigentlich in Zukunft konsequenterweise auch für jeden anderen Betroffenen gelten – Stichwort Gleichbehandlung. Denn sonst fragt sich jeder, warum ausgerechnet für die Mitarbeiter von Sconvey und für andere nicht?


Vielleicht sollte man einfach nochmal den Kontakt suchen und den Kollegen dabei helfen, die durch den ehemaligen Geschäftsführer erst zeitnah geschaffenen Tatsachen und Hindernisse, die einer erfolgreichen Fortführung im Wege stehen, zu beseitigen. Dann würden sich sicherlich auch ortsansässige und regionale Unternehmen, die die Firma durch jahrelange Zusammenarbeit kennen, an einer Lösung zum Erhalt von Sconvey beteiligen.


Es wäre doch ein Gewinn für alle – für die Stadtverwaltung, die Stadt Giengen, den Industriestandort Giengen, die Mitarbeiter und für evtl. Investoren, wenn dieses aus der Firma Steiff hervorgegangene und seit über 90 Jahren bestehende Traditionsunternehmen seine Geschäfte weiterführen könnte.


Erfolg hat drei Buchstaben: TUN! Deshalb nicht länger warten sondern handeln.

© Alexandra Hecht 11.08.2018 09:40
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Markus Köstner

Ich darf mich vorstellen. Mein Name ist Markus Köstner. Ich war 5 Jahre im Vertrieb der Firma SCONVEY tätig. Bis zur Insolvenz engagiert, motiviert und ungekündigt. Ich verdanke dem Geschäftsführer Herrn Dr. Uder sehr viel und will nicht mein Motiv meines, diesen, Kommentars verschleiern. Ich würde gerne eine Lanze für Dr. Uder brechen. Was ich auch nicht verschweigen möchte, ist mein Erstaunen darüber, wer in ausufernden, vor Polemik strotzenden Schmähkommentaren einfach nur Rache üben will. Ich habe sehr viel mehr Informationen sammeln dürfen als viele Mitarbeiter. Auch wenn ich wenig in Giengen war. Es gibt ja schliesslich sehr viele Kommunikationsmöglichkeiten. Deshalb wundere ich mich, dass sozial inkompatible, dem Unternehmen durch mangelnde Kompetenz abtrögliche Mitarbeiterinnen ein Forum für ihre späte Rache bekommen. Die wegen Inkompetenz gekündigt werden und dann wegen Mobbings vor Gericht gehen, um ein paar Euro heraus zu schinden. Wahr ist doch, dass Dr. Uder als Geschäftsführer die volle unternehmerische Verantwortung getragen hat. Er konnte als Unternehmer viel gewinnen oder alles verlieren. Als er SCONVEY übernommen hat, war eines der ersten Informationen an die Belegschaft, dass er Fördertechnik und Weberei aufgetrennt hat. Das wird ihm jetzt von stumpfen Hetzern vorgeworfen. Wir alle waren SCONVEY. Wir alle haben Schuld am Scheitern. Nicht 1 Person. Aus meiner Sicht (und daa könnte ich belegen) hat eine wenig engagierte Insolvenzverwaltung, die alles getan hat, die Rettung zu verhindern, den Sack zugemacht. Huhn oder Ei? Selbst wenn Dr. Uder SCONVEY in Untiefen gelenkt hat, so hätte SCONVEY durch die Insolvenzverwalter gerettet werden können und damit gerettet werden müssen. Eine Tragik, die leider von einigen Verfassern von Schmähkommentaren geistig nicht umrissen werden kann.