Mit dem Sozialstaat sorgsam umgehen

Zu: Seehofers „Mutter aller Probleme Deutschlands“

Seehofer spricht die Wahrheit aus – und wird dafür von unseren Sprachpolizisten der politischen Korrektheit beschimpft. Für mich spielt Seehofer auf ein altes, wunderbares deutsches Sprachwort an, nämlich dem von der Mutter der Porzellankiste“, die bekanntlich Vorsicht heißt. Die Porzellankiste ist der deutsche Sozialstaat und seine nachhaltige Leistungsfähigkeit. Darüber wird nicht diskutiert, nur immer neue soziale Wohltaten werden über Volk und Zuwanderer ausgegossen, so als wäre die Gießkanne ewig voll - ist sie aber nicht. Wohnraummangel, immer weniger bezahlbare Mieten (Preise steigen immer, wenn die Nachfrage groß, zu groß ist), Sicherheit und Höhe der Rente, Stabilität der Gesundheitsvorsorge (Millionen werden vollkasko versorgt, ohne je etwas einbezahlt zu haben), und dann noch das Bildungswesen mit seinen maroden Schulgebäuden und dem Lehrermangel. (...). Über die Migrationskosten und die dazugehörige Integration redet niemand (...). Die Demokratie ist nicht wegen des Chemnitzmordes in Gefahr, sondern weil eine Politik gemacht wird, die die Mehrheit der Wähler nicht mitträgt (...). Sie wurden nie dazu befragt und im Bundestag wurde nie darüber abgestimmt. Politik gegen das Wählervolk ist nicht demokratisch legitim. Ich vermisse Behutsamheit und Mäßigung im Umgang mit unserer Porzellankiste Sozialstaat – eine andere Umschreibung für Verantwortung. Zur Verantwortung gehört die Wahrheit der Erkenntnis. Eins ist sicher: Sozialstaat und unbegrenzte Zuwanderung schließen sich aus.

Die Politiker sind gefordert. Sie sind gewählt, um die Probleme zu erkennen und zu lösen, nicht sie beschweigen und zu tabuisieren. Wenn sie das nicht wollen, sind sie abzuwählen. Wer die AfD nicht mag, müßte wenigstens dem Seehofer zujubeln.

© Gmünder Tagespost 10.09.2018 19:54
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Kommentare

derleguan

richtig ist, dass wir mit dem Sozialstaat vorsichtig umgehen müssen und ihn nicht andauernd durch irgendwelche Hintertüren aushebeln dürfen. Von pauschalem Ausländerbashing halte ich allerdings gar nichts.

Deutschland gehört zu den reichsten Ländern der Welt. Leider ist dieser Reichtum zu unterschiedlich verteilt, was den Neid schürt. Deshalb muss man diese Verärgerung kanalisieren und dahin richten wo sie hingehört - auf die Reichen, die sich andauernd auf Kosten der Bürger weiter bereichern. Nicht nur VW-Manager schieben Milliarden Gewinne ein und hinterlassen uns dafür giftige Dreckschleudern. Pharmabosse, Internetgiganten Google&Co verdienen sich beispielsweise dumm und dämlich. Hier muss man ansetzen, wenn man verantwortlich mit dem Sozialstaat umgehen will.

In my humble opinion

>Wer die AfD nicht mag, müßte wenigstens dem Seehofer zujubeln.<

Abgesehen davon, dass in diesem Satz 'Äpfel mit Birnen' verglichen werden ( 'AfD' ist eine Partei, 'Seehofer' ist eine Einzelperson ), stelle ich, Herr Prof. Dr. Reinhard Kuhnert, CDU Altstadtrat, die von Ihnen angedeutete Wahl zwischen ( der sprichwörtlichen ) Pest und Cholera in Frage. Die von Ihnen aufgeworfenen Fragen verdienen eine allgemeine Diskussion, was wir sind, was wir wollen, was wir ( uns ) leisten können, was menschlich und logisch sinnvoll ist - aber warum haben Sie das während Ihrer 'Amtszeit' nicht so deutlich artikuliert, wo bleiben die entsprechenden Äußerungen und Handlungen ihrer amtierenden Parteikollegen aus Stadt, Land und Bund, aus dem Parlament?

Das Erscheinen von Parteiungen mit eingeschränkter Funktion und der Auftritt von erratischen Personen hat seine Ursache in den Sprachplacebos der 'etablierten' Parteien, die Folgen sind allgemeines politisches Unwohlsein der 'normalen' Wähler und das Gefühl, nicht gewürdigt, nicht beachtet und irgendwie abgezockt zu werden.

Frieder Kohler

In my humble opinion schrieb am 11.09.2018 um 10:06

>Wer die AfD nicht mag, müßte wenigstens dem Seehofer zujubeln.<

Ursache in den Sprachplacebos der 'etablierten' Parteien, der Medien und Leser*innen, Schreibenden, Schweigenden - dazu ein Fundstück
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/jay-rosen-schreibt-einen-brief-an-die-deutschen-journalisten-15765235.html?printPagedArticle=true#pageIndex_0
mit der Aufforderung an alle Beteiligten: Umdenken und Selbstbefragung...