Zerplatzte Träume, unbelehrbare Optimisten - haben Bitcoin & Co. eine Zukunft?

Chinas älteste Technik-Zeitschrift akzeptiert Kryptowährungen in Zukunft für die Bezahlung seiner Ausgaben, obwohl Bitcoin & Co. im Reich der Mitte verboten sind. In Japan soll man bis Ende 2018 in mehr als 300.000 Geschäften damit bezahlen können, TV-Werbung zur besten Sendezeit soll Kryptowährungen zu den Menschen bringen. Davon sind wir in Deutschland weit entfernt.

Mit Bitcoin und Ethereum bezahlen - hierzulande eher ungewöhnlich und nur selten möglich. Ausnahmen gibt es freilich. Einige Restaurants und Hotels in Großstädten bieten es an, aber ansonsten sind die Akzeptanzstellen nischig, etwa Online Casinos (Quelle: https://www.onlinespielcasino.de/).

Andererseits wird auch das Hotel- und Reiseportal Expedia.com ausgewiesen (Quelle: http://spendbitcoins.com/places/), doch das Unternehmen nimmt seit Mitte 2018 keine Bitcoins mehr an. Indien hat dieser Tage ebenfalls klargemacht: keine Kryptowährungen als offizielles Zahlungsmittel.

Große Unsicherheit - auch bei der US-Börsenaufsicht

Und so ist die - von vielen einst als rosig beschriebene - Zukunft der digitalen Währungen so unsicher wie nie zuvor. Ein Grund ist sicher auch, dass sich der Kurs seit dem Crash zum Jahreswechsel bislang nicht wieder erholt hat. War ein Bitcoin Ende 2017 knapp 17.000 Euro wert, sind es heute weniger als 6.000 Euro. Hoffnung könnte ein Bitcoin-ETF sein - die US-Börsenaufsicht SEC verschob die Entscheidung darüber im August jedoch und prompt ging es für die Kryptowährung 14 Prozent runter.

Nächster SEC-Termin zu diesem Thema: der 26. Oktober 2018. Viele Beobachter bezweifeln jedoch positive Nachrichten. Insgesamt liegen neun ETF-Anträge von drei Gesellschaften vor, die mit börsennotierten Indexfonds die Kursverläufe der digitalen Währungen nachbilden wollen. Das soll jenen Investitionen in Bitcoin & Co. ermöglichen, die keine Erfahrung damit haben, wie und wo man die Coins erhält. Immerhin hält dies die Hälfte der von der Postbank im Mai 2018 befragten Personen vom Kauf ab.

Immerhin 56 Prozent ist das Risiko zu hoch, 36 Prozent stören sich daran, dass es eine virtuelle Währung ist und 31 Prozent haben Angst davor, gehackt oder bestohlen zu werden. Schließlich kann man Bitcoins nicht in einen Tresor legen. Das Umfrageergebnis spiegelt das eigentliche Problem wieder: Unsicherheit hinsichtlich Akzeptanz, Gültigkeit und Sicherheit. Nicht erst einmal wurden Krypto-Konten gehackt und viele Länder haben sich klar gegen digitale Währungen als offizielles Zahlungsmittel positioniert. Zudem wird für das Schürfen der Coins sehr viel Strom benötigt. Das ist nicht nur teuer, sondern auch eine enorme Umweltbelastung.

Nur wenige profitierten bisher

Dennoch gibt es noch immer Menschen, die den Kryptowährungen eine große Zukunft vorhersagen und Investitionen empfehlen. Immerhin: Wer Mitte September 2017 gekauft und bislang nicht verkauft hat, kann sich über 70 Prozent Kursplus freuen. Der DAX verblasst bei solchen Zahlen. Klingt eindeutig pro Bitcoin. Doch darf man dabei nicht vergessen, dass eine solch kurzfristige Betrachtung Augenwischerei ist. Es darf bezweifelt werden, dass sich Kryptowährungen über einen Zeitraum von 30 Jahren so stark zeigen wie der DAX.

Digitale Währungen sind und bleiben hochspekulativ. Sicher gab es einige, die damit über Nacht reich geworden sind. Viele mehr aber sitzen auf Verlusten und müssen nun hoffen, dass die US-Börsenaufsicht die Bitcoin-ETFs zulässt, Regierungen die Kryptowährungen doch offiziell anerkennen oder irgendein anderes Wunder passiert. Solange bleiben sie Spielgeld für alle, die mit ihrem Geld nichts anzufangen wissen. Als Altersvorsorge jedenfalls empfiehlt sich wohl keine der virtuellen Währungen.

Bildquelle: Pixabay user:MichaelWuensch

© Gmünder Tagespost 11.10.2018 14:46
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William Thomas Riker

Wenn ich diesen Beitrag kommentieren dürfte; Bitcoin hatte keinen Crash! Der Wert ist letztes Jahr von 700€ auf dieses Jahr 5500€ gestiegen! Durch einen Hype gab es ein Zwischenhoch von 17000€, ähnliches konnte man beim Bitcoin die letzten zehn Jahre oft beobachten und jedesmal wurde er verspottet und totgesagt.

Der Bitcoin selbst wurde noch nie gehackt, es sind ahnungslose Käufer diese ihre Coins auf den (teilweise stark  unsicheren) Börsen, liegen lassen anstatt sie auf eigenen Wallets zu sichern! Wenn eine solche Börse gehackt ist das geheule groß! Das Konzept von Kryptowährungen ist Dezentralität, also hat man sie auch nicht auf einer zentralen Börse zu lagern! Dafür gibt es spezielle Hardware oder Software, doch die sicherste Lösung sind Paper Wallets. 

Die vielen Ängste der Bevölkerung sind auf Ahnungslosigkeit zurückzuführen, nichtmal 1% wissen wie diese komplexe und dezentrale Technologie auf Blockchainbasis genau funktioniert. Diejenigen die es wissen sind komischerweise alle darin investiert weil es eine Revolution ist! Die Menschen verstehen die Vorteile nicht das es nicht physisch ist: Es ist leicht handzuhaben, man kann es teilen (Bitcoin bis 8x Stellen nach dem Komma) oder zusammenfügen, es ist begrenzt wie Gold und auch als Zahlungsmittel zu verwenden! Das lässt Gold sehr alt aussehen.

Das Problem mit dem Stromverbrauch ist irrelevant. Das schürfen von Gold verbraucht mehr Strom und auch die Zentralbanken und Börsen verbrauchen viel Kosten was man als Energie ansehen kann. Außerdem wird mit dem Lightning Network der Stromverbrauch zurück gehen, auch die Mining Hardware wird immer effizienter. Man sollte auch andere Kryptowährungen nicht aus dem Auge verlieren: Da gibt es Ripple XRP die nur einen minimalen Bruchteil verbrauchen, Tron, Iota oder Stellar. Nano verbraucht vergleichsweise garnichts, aber immernoch ein wenig was völlig unrelevant ist. Gut möglich das einer dieser Währungen irgendwann Bitcoin vom 1. Platz, aller über 3000 Kryptowährung, ablöst! 

Bitcoin selbst wurde noch nie gehackt (fast zehn Jahre!) und wer sich einigermaßen damit auskennt weiss warum. Dann weiss man auch das es niemals, auch nicht bei Quantenconputern, geschehen wird!

Bitcoin hat das Potenzial als Weltwährung  viele Probleme der Welt zu lösen, Banken und Börsen überflüssig zu machen! Leider ist die Sache noch in den Kinderschuhen und viele Menschen haben Angst oder Vorurteile vor dem ungewissen...