Mit Trommeln, Lanzen und Gewehren

Ellwangen Die Ellwanger Bürgergarde feiert mit ihrem jährlichen Gardeappell heute auf dem Marktplatz ihr 60-jähriges Jubiläum. Doch die Geschichte reicht noch weiter zurück.
  • Foto: Stadt Ellwangen
  • Die Bürgergarde beim Schießen an den Heimattagen. Foto: gek

Bereits um 1439 wurde in der Ellwanger Chronik erstmals eine Schützengilde erwähnt, die zum Michaelsschießen mit der Armbrust einlud. Die Aufgaben der „Schießgesellen“ übernahm später die uniformierte Bürgergarde, die 1756 gegründet wurde. Allerdings war es nicht ihre Aufgabe, Krieg zu führen, sondern sie sollten lediglich die Stadt repräsentieren. Am 8. September 1756 sollen zwei Offiziere 40 Mann zu Pferd zum Schloss geführt haben, um den neuen Fürstpropst Anton Ignaz Graf Fugger von Kirchberg und Weißenhorn abzuholen und feierlich seine Amtseinsetzung zu paradieren. „Die Ellwanger Bürgergarde ist eine Einrichtung der Stadt und repräsentiert diese bei den Feierlichkeiten“, erklärt Kommandant Hans-Peter Schmidt. Schon damals zu den Gründungszeiten gab es ein Salutschießen, dass die Ellwanger Bürgergarde auch heute noch regelmäßig bei Festen vollführt.

Das Ende und die Neugründung

Uniformen gehörten ebenfalls von Anfang an dazu. Sie wurden von dem bekannten Stadt- und Landbaumeister Arnold Friedrich Prahl (1709-1758) entworfen. Skizzen der Uniformen hängen in dem Domizil der Ellwanger Bürgergarde, dem Turm in der Aalener Straße. Sie dienten als Vorlage für die heutigen Outfits. Waren die Fracks und Hosen früher in rot und braun gehalten, sind heute in Anlehnung an die Farben des Stadtwappens rot-blaue Uniformen mit goldenen Knöpfen das Markenzeichen der Ellwanger Gardisten. Die weißen Hemden sowie Hosen und die schwarzen Stiefel sowie Hüte dürfen natürlich nicht fehlen. Während die Männer des Spielmannszugs mit Trommeln, Becken, Pauken sowie Hörnern ausgestattet sind, tragen die Gardisten der Infanterie Säbel sowie Gewehre und das Reiterschwadron oft Lanzen. Die erste Bürgergarde paradierte seit der Gründung bei vielen Festlichkeiten, bis sie im Jahr 1848 von der ausgebildeten Bürgerwehr immer mehr verdrängt wurde. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kam sie schließlich zum Erliegen. Doch das sollte nicht so bleiben. Bei einem Treffen der württembergisch-hohenzollerischen Wehren und Garden in Crailsheim entstand bei manchen Ellwangern der Wunsch, die Bürgergarde wiederzubeleben.

Die Stadt begrüßte das Vorhaben und so gründete sich im Herbst 1958 die Ellwanger Bürgergarde neu. Kommandant und Initiator war damals Hans-Karl Stengle.

Reine Männersache

Der erste Auftritt erfolgte im Jahr darauf: 30 Mann paradierten erstmals beim Kalten Markt 1959, allerdings ohne Pferde. Denn das Reiterschwadron entstand erst 1964 mit sieben Gardisten hoch zu Ross - inzwischen sind es 30 Reiter. Jedes Jahr eröffnet die Bürgergarde nun beispielsweise den Pferdeumzug des Kalten Marktes. Vorneweg läuft der Spielmannszugführer und stellvertretende Kommandant Christoph Müller, dem etwa 25 Bläser und Trommler folgen. Dahinter marschiert die Infanterie, die meist aus drei Zügen á 15 Mann besteht. Die Infanterie ist mit Kanonen unterwegs und schießt normalerweise Salut. Beim Kalten Markt wird allerdings darauf verzichtet - wegen der Pferde versteht sich, die direkt hinter den marschierenden Gardisten laufen. Die Kavallerie wird von dem Leutnant Bernd Schmidt und seinem Chefpferd angeführt. Zum Schluss folgt die Trachtengruppe, die auch aus passiven Mitgliedern der Ellwanger Bürgergarde besteht. Es ist die einzige Gruppe, bei der auch Frauen mit dabei sind. Ansonsten ist es eine reine Männergarde und „das bleibt auch so“, sagt Kommandant Hans-Peter Schmidt. Denn die Statuten lassen Frauen gar nicht zu.

Mit dieser klassischen Formation beim Kalten Markt tritt die Ellwanger Bürgergarde aber nicht immer auf. Es gibt noch andere Veranstaltungen, bei denen die Gardisten die Stadt Ellwangen auch ohne Pferde repräsentieren, wie zum Beispiel bei ihrem Auftritt bei den Ellwanger Heimattagen. Das Stadtfest eröffnet die Garde mit drei Salven aus der Salutkanone, mehreren Musikstücken des Spielmannszugs und dem Salut zu Ehren der Stadt, der aus den Vorderladergewehren geschossen wird. Die 35 Steinschlossgewehre dienen hingegen nur zur Zier und werden aus Sicherheitsgründen nicht mehr abgefeuert. „Sie wurden zum Kulturgut ernannt, weil es sich dabei um originale sowie gut erhaltene Steinschlossgewehre aus dem 19. Jahrhundert handelt“, so Hans-Peter Schmidt. Beim Silvesterritt in Westhausen und Lippach sowie beim Mauerfest in Nördlingen ist die Ellwanger Bürgergarde ebenfalls vertreten. Es gibt aber noch zahlreiche weitere Veranstaltungen, wo die Gardisten oder die einzelnen Gruppen auftreten. So stellt sich der Spielmannszug beispielsweise regelmäßig dem Kritikspiel, bei dem die Musikanten zwei Märsche und Kommandos präsentieren müssen. Rund 20 verschiedene Märsche hat der Spielmannszug im Repertoire und die Hälfte davon sind Eigenkreationen.

Jedes Jahr legen wir Rechenschaft ab.

Hans-Peter Schmidt, Kommandant

Offen für neue Mitglieder

Jedes Jahr erfolgt auch ein Jahresappell bei dem die Ellwanger Bürgergarde mit Fackelträgern durch die Stadt marschiert und sich am Marktplatz aufstellt, um dem Oberbürgermeister Meldung zu machen. Der Kommandant Hans-Peter Schmidt gibt dann einen Rückblick auf das Jahr und die Aktivitäten der Bürgergarde. „Jedes Jahr legen wir Rechenschaft ab und nutzen die Gelegenheit Mitgliedschaften ab 30 Jahren aufwärts zu ehren. Außerdem ist es meist die Zeit, neue Mitglieder offiziell aufzunehmen“, sagt der Ellwanger Kommandant.

Die Ellwanger Bürgergarde ist stets offen für neue Mitglieder, egal ob bei der Infanterie, der Kavallerie oder dem Spielmannszug. Während für das Reiterschwadron ein eigenes Pferd sowie Reitkenntnisse von Vorteil sind, bedarf es für die anderen Gruppen nicht unbedingt besonderer Vorkenntnisse. „Jeder unbescholtene Bürger ab 18 Jahren ist willkommen. Allerdings gibt es ein Probejahr, damit der Anwärter und die Gruppe schauen können, ob es passt“, verrät Hans Peter Schmidt.

Bürgerwehr Bretten kommt

Mit einem Handschlag vom Kommandanten wird am heutigen Samstag, 13. Oktober, ein neues Mitglied verpflichtet und ergänzt so die rund 100 aktiven Männer. Das ist aber nicht der Grund, warum der heutige Gardeapell ausgiebiger ausfällt als sonst, sondern das 60-jährige Bestehen. Zum Jubiläum reist auch die historische Bürgerwehr der Stadt Brettern an. Rund 100 Männer und Frauen vollziehen zu Ehren der Ellwanger Bürgergarde den Zapfenstreich. Ab 19 Uhr sind auch alle Nicht-Gardisten auf dem Marktplatz in Ellwangen willkommen.

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© Gmünder Tagespost 12.10.2018 15:49
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