So kocht Deutschland

Schwäbisch schmeckt. Traditionelle Gerichte wie Maultaschen, Spätzle und Zwiebelkuchen haben der schwäbischen Küche zu internationaler Bekanntheit verholfen. In Schwäbisch Gmünd konzentrieren sich viele Restaurants bis heute auf die Traditionsküche: so beispielsweise die Fuggerei, die in historischem Ambiente typische Leckerbissen serviert.

Anders als öffentliche Küchen kochen schwäbische Haushalte immer seltener traditionell. Aktuelle Statistiken beobachten hinsichtlich des Kochverhaltens in ganz Deutschland beunruhigende Entwicklungen. Nicht nur regionale Speisen kommen immer seltener auf den Tisch, dasselbe gilt für frische Zutaten.

Tiefkühlkost statt Kraut

In grauer Vorzeit kannte man die Deutschen wegen ihrem Krautkonsum international als „Krauts“. Wie berichtet, trifft dieser Spitzname heutzutage kaum noch zu. Kraut kommt in deutschen Haushalten nur noch selten auf den Tisch. Das ist aber bei Weitem nicht der beunruhigendste Trend, der sich im aktuellen Ernährungsverhalten der Deutschen abzeichnet.

Seit den späten 70er Jahren hat sich der Tiefkühlkost-Konsum in deutschen Küchen verdreifacht. Obwohl die meisten Studienteilnehmer an gesunder Ernährung interessiert sind, geht es einem Großteil beim Kochen vorwiegend um Zeitersparnis. Diesen Trend halten Experten für eine natürliche Folge des Stresszeitalters. Zeitgleich dokumentieren Krankenkassen Anstiege im Hinblick auf ernährungsbedingte Erkrankungen.

Snacks statt Selbstgekochtes

Neben Tiefkühlspeisen haben sich Snacks in deutschen Küchen zu einem Trendphänomen entwickelt. Viele Experten führen die zunehmende Anzahl an Stoffwechselerkrankungen auf diese Neigungen zurück. Aus Bequemlichkeit greife man im Stressjahrhundert vermehrt zu Fettigem, Salzigem und Zuckerhaltigem, anstatt selbst zu kochen. In der Hauptstadt sei dieses Phänomen am stärksten ausgeprägt. Laut Umfragen halten Deutsche den Zeitaufwand für das relevanteste Contra frisch zubereiteter Speisen. Ernährungsexperten rufen angesichts dieser Ergebnisse zu Aufklärungsarbeit auf.

Nicht jedes frische Gericht sei mit langer Zubereitungszeit verbunden. Fehlt zum Kochen die Inspiration, so gebe es insbesondere heutzutage smarte Lösungen. Ein Beispiel dafür ist der Rezept-Finder, den der Lebensmittellieferant Hello Fresh zur Verfügung stellt. Nach wenigen Mausklicks liefert das Tool wunschgerechte Rezeptideen. Nutzer legen einfach fest, welche Lebensmittel sie verarbeiten wollen. Wer anschließend „schnell und einfach“ anklickt, erhält passende Vorschläge. Sogar Sonderanforderungen wie „vegetarisch“ oder „High Protein“ beachtet das Rezept-Tool. Beim Selberkochen reduziert sich der Aufwand mit Hilfsmitteln wie diesem um ein Vielfaches

Trotz ungesunden Trends: steigendes Gesundheitsbewusstsein

In den vergangenen zehn Jahren hat sich das deutsche Ernährungsverhalten offenbar verschärft. Trotz hinreichender Nährstoffzufuhr kann bei der Lebensmittelauswahl nicht von gesunder Ernährung die Rede sein. Daher bleibt Übergewicht in der erwachsenen Bevölkerung weiterhin auf dem Vormarsch. Positiverweise steigt zumindest das Gesundheitsbewusstsein. So bezeichnete der Großteil aller Befragten das eigene Ernährungsverhalten als ungesund. Deshalb bleibt zumindest die Hoffnung bestehen, dass sich Deutschland trotz zunehmendem Zeitmangel zukünftig wieder auf Frischküche zurückbesinnen wird.

Bildquelle: unsplash Alyson McPhee

© Gmünder Tagespost 03.12.2018 13:40
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