Lesermeinung

Zu einem Vorfall in den Aalener Limes-Thermen:

Der Aufschrei im Netz beruhigt mich: Viele empörten sich am vergangenen Wochenende auf Facebook über die Belästigung einer Gruppe Behinderter in den Limes-Thermen. Ein 30-Jähriger fühlte sich von ihnen, ihrer Besonderheit, gestört.

Was mich stört: Hätte man diesem Badegast nahegelegt, die Einrichtung zu verlassen, wäre die Aufmerksamkeit darauf gelenkt worden, dass in einem öffentlichen Schwimmbad in Deutschland kein Platz für Ausgrenzung ist. Doch leider nicht so geschehen: Die Stadtwerke betonten, dass die Behindertengruppe gut betreut wurde und „in keiner Weise störend“ war.

Da bin ich aber froh, doch eine Frage, liebe Stadtwerke: Wie verhalte ich mich künftig als Mutter eines besonderen Kindes in den Limes-Thermen? Muss ich Angst haben, dass mein Kind bitte ja „nicht stört“? Könnten Sie mir bitte bei Gelegenheit eine Definition von „Störung“ zukommen lassen? Stört es, wenn sich jemand anders mitteilt als andere? In unserem Fall mit Lauten statt mit Worten? Oder eine gewisse Nähe aufgrund der Besonderheit sucht, wo andere gesellschaftskonform auf Distanz gepolt sind?

„Es bedarf klarer Verstöße gegen die Haus- und Badeordnung. Eine gewisse gesellschaftspolitische Einstellung ist kein Anlass für ein Hausverbot“, erklärt Stadtwerke-Sprecher Igor Dimitrijoski den Nicht-Rauswurf des 30-Jährigen. Da liegen Sie falsch, Herr Dimitrijoski: Der Wunsch des Badegastes, dass die Gruppe das Bad verlassen solle, war ein Aufruf zur Ausgrenzung und keine gesellschaftspolitische Ansicht. Er verstößt damit gegen geltendes Recht: Sie dürfen sich nicht in öffentlichen Badestätten von anderen aufgrund ihrer Behinderung gestört fühlen.

Ich bin wie erwähnt selbst Mutter eines besonderen Kindes. Meine Tochter macht mich glücklich und zufrieden, jeden Tag. Angst machen mir die Entwicklungen in der Gesellschaft. Aber diese ist etwas weniger geworden, dank Ihnen, lieber Herr Krebs und dank Ihnen, liebe Facebook-Kommentatoren. Wir, die für Toleranz und Integration aller Menschen eintreten, sind viele. Und wir werden nicht schweigen.

© Gmünder Tagespost 06.01.2019 20:02
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