Den Feldberg im Fokus

Schwarzwald Auch wenn es im Schwarzwald 60 Liftanlagen gibt, bietet die Region im Winter mehr als bloßes Skivergnügen vier Tipps mit und ohne Schnee.
  • Foto: Frühauf

Etwas in die Knie gehen. Dann das Becken etwas nach hinten schieben und leicht aufrichten“, erklärt Melanie Manns, die Qi-Walking-Kurse anbietet. Qi-Walking kommt von Qigong, chinesische Meditations-, Konzentrations- und Bewegungsübungen zur Aktivierung der Lebensenergie, dem Qi. Die Trainerin in der hellblauen Outdoor-Jacke macht es vor. Gut zentriert steht sie da. „Setzt die Füße beim Laufen sanft ab. Die Handgelenke gehen mit und bewegen sich leicht nach oben.“ Klingt einfach und alle in der Gruppe probieren es aus.

Qi-Walking ist kein Waldspaziergang, bei dem es schnatternd durch die Natur geht. „Wer bei sich ist, kennt den nächsten Schritt“, ermuntert die Erlebnispädagogin, die auch Yoga und Pilates unterrichtet. Obwohl es heute regnet, macht es Spaß, mit geschärften Sinnen den Waldweg entlangzugehen. Die Regentropfen trommeln sanft auf die Kapuze. Nebelschwaden hängen in der feuchten Luft. Die Stimmung hat etwas Mystisches. Je nach Gruppe und Laune macht Manns ganz verschiedene Übungen. „Das können Atemübungen sein, ein Halt an einem besonderen Ort.“ Wichtig ist die Entschleunigung. Es gibt kein festes Programm für die Achtsamkeitsübungen, bei denen die Sinne nach innen gelenkt werden. „Schön ist, wenn jeder bei sich selber ankommt und die To-do-Listen des Alltags vergisst“, sagt Melanie Manns auf dem Weg zum nächsten sogenannten Kraftort.

Fotospaziergang

„Eigentlich steht der Sonnenuntergang beim Fotospaziergang im Zentrum“, sagt Sebastian Schröder-Esch, Mitarbeiter des Naturparks Südschwarzwald (Haus der Natur). Das besondere Licht der blauen Stunde – zwischen Sonnenuntergang und Dunkelheit. Die langen Schatten sorgen für eine besondere, plastische Wirkung. Gerade hängen allerdings tiefe Wolken über dem Feldberg und die Sonne ist nirgendwo zu entdecken. „Wir gehen ein Stück in Richtung Seebuck-Gipfel. Aber ich habe so meine Zweifel, ob wir die Sonne heute noch zu Gesicht bekommen werden“, bedauert der Naturfotograf, der in seinem Rucksack auch Stative eingepackt hat.

Die Sonne versteckt sich weiter. Kurzerhand biegen die Hobbyfotografen in den Wald ab und bleiben nach wenigen Minuten stehen. Im Vordergrund liegen kleinere und größere Äste eines abgestorbenen Baumes, teilweise mit Moos und Flechten bewachsen. Dahinter wiegen sich die Wipfel der Schwarzwald- Fichten bis zum Horizont. Sebastian Schröder-Esch baut die Stative auf und erklärt: „Jeder fotografiert mit der Handykamera heute drauflos und hat dann unzählige Aufnahmen. Lasst euch Zeit und verabschiedet euch vom Schnappschussmodus.“

Die ersten Teilnehmer schrauben ihre mitgebrachten Kameras auf die Stative. „Wählt eine Blende. Je größer die Blende, desto kürzer ist die Belichtungszeit.“ Bei einer großen Blendenzahl leidet die Tiefenschärfe. Bei den ersten Versuchen verschwimmen die Äste mit dem Hintergrund. Das gleiche noch mal mit einer kleineren Blendenzahl und dem Selbstauslöser. Viel klarer heben sich jetzt die einzelnen Zweige ab. „Fotos mit Stativ werden einfach schärfer“, weiß der Naturfreund.

Obwohl das Licht rasch schwindet, kommen tolle Aufnahmen zustande, die den morbiden Charakter der absterbenden Bäume widerspiegeln. „Sonne kann jeder“, meint der Profi und erzählt von der Bildkomposition: „Kleinere Bildausschnitte sind oft besser. Sonst weiß das Auge nicht, wo es hinschauen soll.“

Huskys erleben

In Lenzkirch lebt Familie Bähr mit ihren Siberian Huskys, den Schlittenhunden aus Sibirien. Wer die wuscheligen Vierbeiner kennenlernen möchte, kann mit ihnen kuscheln, joggen, laufen oder sich durch den Schwarzwald ziehen lassen – im Winter im Schlitten. Aber egal ob Winter oder Sommer, die Tiere brauchen viel Bewegung und springen bei der Begrüßung freudig um die Gäste herum.

Lasst euch Zeit und verabschiedet euch vom Schnappschussmodus.

Sebastian Schröder-Esch
Haus der Natur

Die Lauflust verlieren die Hunde auch nach 30 Kilometern im Zuggeschirr nicht – dafür sind die Siberian Huskys gezüchtet worden. Vor einen Wagen oder Schlitten gespannt, sind sie in ihrem Element. Jeder der 14 Hunde von Familie Bähr hat seinen ganz eigenen Kopf, aber im Gespann tritt die Individualität in den Hintergrund und es gibt nur noch die gemeinsame Aufgabe: vorwärtskommen.

Die ausgeglichenen Tiere bringt so schnell nichts aus der Ruhe und Menschen, die sie streicheln, mögen sie sowieso. Der Husky ist durch seine Ursprünglichkeit dem Wolf sehr ähnlich und verständigt sich auch durch Heulen. Eine konsequente, aber liebevolle Erziehung ist wichtig, damit die Hunde auf Kommandos hören. Dabei geht es um Respekt. Das erfährt man in den angebotenen Workshops, die auch gerne von zukünftigen Husky-Hundehaltern besucht werden.

Die Kennlernstunde für Familien findet sonntags von 11 bis 12.30 Uhr statt und kostet 15 Euro pro Person. Individuelle Schnupper- und Kuschelstunden, ca. zweieinhalb Stunden, kosten 79 Euro pro Person, genau wie die Wanderungen oder kleine Trainings- und Schlittenfahrten, www.huskytouren-hochschwarzwald.de

Mondscheintour

Durch stille Winterlandschaften und vorbei an den Schwarzwaldhöfen Ospelehof und Kingenhof stapfen die Teilnehmer der Mondscheintour. Langsam geht es bis zum höchsten Punkt hinauf.

Mit etwas Glück leuchtet der Mond am Himmel und weist mit seinem Licht den Weg. Die Ruhe der Nacht lädt ein zum Innehalten und Lauschen - in den Wald, aber auch in sich selbst. Wer sich darauf einlässt, entdeckt die Kraft der Stille.

Zum Abschluss gibt es einen wärmenden Glühwein. Der Treffpunkt für die Wanderung ist am Kurhaus in Hinterzarten (Bahnhof).

© Gmünder Tagespost 15.02.2019 15:29
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