Lesermeinung

Zum Artikel “Alle gegen Annegret“, SchwäPo vom 9. März:

Was beim Stockacher Narrengericht als Witz vor Menschen in albernen Verkleidungen, die mit Gewalt und auf Kommando versuchen, lustig zu sein, präsentiert wurde, ist in Wirklichkeit Ausdruck des reaktionären Gesellschaftsbildes der neuen CDU-Vorsitzenden und möglichen zukünftigen Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland, Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK).

Die macht sich bei besagter Karnevalsveranstaltung in alkoholgeschwängerter Atmosphäre unter lautem Gejohle darüber lustig, dass die Berliner „Latte-Macchiato-Fraktion“ Toiletten fürs dritte Geschlecht einführt, für diejenigen, die sich nicht entscheiden können, ob sie beim Pinkeln stehen oder sitzen sollen.

Hier bemüht AKK nicht nur einen seichten Kalauer auf Kosten einer gesellschaftlichen Minderheit, der Transsexuellen, nein, sie verteidigt ihre eigene Intoleranz auch noch gegen spätere öffentliche Kritik mit fehlender Toleranz der anderen.

Das alles spricht auch für ein mittelalterliches, längst überholtes Männerbild von AKK. Echte Männer sind für AKK offensichtlich solche, die im Stehen pinkeln und so, dass es auch alle hören, nach außen hin laut vor Kraft strotzend und wie in Stockach möglichst viel Alkohol in sich hineinschütten können.

Unter AKK hat die CDU in letzter Zeit programmatisch und in der Sprache ihren Kurs verschärft, unter anderem in der Umwelt- und Gesellschaftspolitik sowie in Fragen der europäischen Flüchtlingspolitik.

Ein Armutszeugnis, dass sich unter ihr die CDU nicht wie die meisten europäischen Christdemokraten entschließen konnte, einem Ausschluss der Fides-Partei des ungarischen Rechtsaußen Victor Orban aus der Europäischen Volkspartei zuzustimmen. Das Herabwürdigen von Minderheiten und das Zulassen des Weitererstarkens von politischen Hardlinern erinnert stark an die politische Unkultur und Rhetorik eines Donald Trump und ist so gar keine Alternative zur aussitzend-moderierenden Machterhaltungspolitik Angela Merkels.

© Gmünder Tagespost 11.03.2019 16:00
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Kommentare

Frieder Kohler

https://ze.tt/kramp-karrenbauer-beim-karneval-warum-witze-ueber-das-dritte-geschlecht-diskriminierend-sind/ - Sie kennen den Artikel? Hier ein Auszug:"Das ist ein klares Zeichen fehlender Empathie und dafür, dass Kramp-Karrenbauer nicht erkennt, wie wichtig das Thema eigentlich ist und dass eine Anerkennung des dritten Geschlechts nur der Anfang sein kann. Ihr fehlt offenbar jegliches Feingefühl für Diskriminierungsfragen."

"Treten" nach UNTEN als Lustgewinn? Nicht okay – auch nicht an Karneval!