Lesermeinung

Zur aktuellen Diskussion in Schwäbisch Gmünd über das Thema „autofreie Innenstadt“:

Aktuell entbrennt im Gemeinderat eine Diskussion um eine autofreie Gmünder Innenstadt. Wenn Herr Baum von den Grünen meint, die Gmünder CDU sei ein „Lobby-Verein für Autofahrer“, dann liegt er falsch. Die Gmünder CDU macht Politik für die Gmünder Bürger und nicht Politik im Sinne irgendwelcher Ideologien und Träumereien wie die Grünen oder Teile der „grünen“ Bürgerliste.

Wer meint, er müsse eine autofreie Innenstadt durch Verbote und massive Geschwindigkeitsbegrenzungen durchsetzen, der handelt nicht im Interesse der Gmünder Bürger.

Denken wir den Vorschlag der Bürgerliste mal zu Ende. Was wäre denn die Konsequenz? Massive Staus in der Innenstadt aufgrund eines langsam vorankommenden Durchgangsverkehrs, mehr Verkehr in den Teilorten, da Schwäbisch Gmünd oft umfahren werden wird, mehr Verkehr im Tunnel und dadurch mehr Stau vor dem Tunnel. Vom Todesstoß des Gmünder Handels ganz zu schweigen.

Ist diese Konsequenz wirklich im Interesse von uns Bürgern? Man stelle sich da nur einmal vor, der Tunnel wäre (mal wieder) gesperrt. Wer ist dann der Lobby-Verein der Gmünder Bürger, die unter einer verfehlten Verkehrspolitik der Grünen und der Bürgerliste zu leiden haben? Die Verursacher der Misere sicher nicht!

© Gmünder Tagespost 15.03.2019 19:54
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Kommentare

derleguan

diese Leserbriefe kennen die älteren noch aus den Jahren als die Fußgängerzonen in Gmünd, Beispiel Bocksgasse eingerichtet wurden. Möchten Sie  die Fußgängerzonen noch missen? Die Zeiten ändern sich, die ewig gestrigen Meinungen bleiben bei einigen Leuten.

In my humble opinion

Ich habe seinerzeit in der Diskussion um die Fußgängerzonen auch angeregt, dass der Handel ( und der war ja damals in besonderem Maße gegen eine Fußgängerzone) erst mal einen Drive-in-Metzgerladen, eine Drive-in-Parfümerie und ein Drive-through-xyz-Geschäft einrichten möge, und wenn man das hat, sollten natürlich auch die Autos weiter durch die schmalen Gassen fahren dürfen.
Ich habe aber auch damals gefragt, wie denn die Kunden in die Stadt kommen sollen, wo sie denn ihre Fahrzeuge in fußläufiger Entfernung der Kerngeschäftsbereiche abstellen können. Nur als Beispiel, zum Parkhaus Stadtgarten muss man gefühlt erst mal fast nach Lorch ;-) fahren und sich dann zu Fuß um viele Ecken mit Navi in die Stadt zurückfinden, vom Bahnhofsparkhaus aus mussten die Fußgänger damals in Dreck und Speck an der Ampel warten, bevor sie die Remsstraße in Richtung Ledergasse queren konnten - heute fehlt nur die Ampel und die Wartezeit entfällt, mit allen Konsequenzen für den übrigen Verkehr, aber im Auto wartet es sich trocken und warm bzw kühl in der Schlange, abgesehen vom Abgas des Autos in der Stauzeit. Das unterirdische Parkhaus im Bereich altes Stadtbad/Brandstatt wurde ja auch wegen vielfachen Bürgerwunsches nicht gebaut - und heute schaue man sich mal das Parkchaos dort zu Zeiten des Wochenmarktes an!

Es gibt einen anderen Punkt, der eine kritische Betrachtung der 30iger-Bereiche erfordert: Zum Teil gelten die '30' als 24-7, zum Teil eingeschränkt. Ich sehe aber in den Gültigkeitszeiten auch nicht immer die Massen strömen und dazu wird ein aufmerksamer Fahrer/Betreiber eines Pkw im Laufe der Zeit durchaus einen messbaren Mehrverbrauch an Treibstoff feststellen - und der geht zu 60% als Abwärme in die Luft, ebenso wie das vermehrte Abgas. Wir tauschen also 'mehr Sicherheit' gegen 'mehr Verschmutzung' ein - ist das der Sinn? Gibt es keine anderen Möglichkeiten, 'Sicherheit' zu produzieren?

derleguan

was kommt zuerst, die Henne oder das Ei?

Vermutlich muss sich zuerst in den Köpfen der vielen "PKW-Gehirne" etwas ändern, bevor man eine Stadt Autofrei bekommt. Für mich erschreckend wie die Autoindustrie es geschafft hat, unser Denken in den letzten 50 Jahren so zu beeinflussen, dass sich viele Leute eine Stadt ohne Autos (und ausreichend Parkplatz) für jeden dahergefahrenen SUV gar nicht mehr vorstellen können.

Neue Köpfe und Gedanken braucht das Land, bevor wir an den Abgasen alle verreckt sind wo sind diese?

In my humble opinion

derleguan schrieb am 16.03.2019 um 18:20
... Für mich erschreckend wie die Autoindustrie es geschafft hat, unser Denken in den letzten 50 Jahren so zu beeinflussen, dass sich viele Leute eine Stadt ohne Autos (und ausreichend Parkplatz) für jeden dahergefahrenen SUV gar nicht mehr vorstellen können. ...
Die 'Autoindustrie' kann den Menschen wegen fehlenden Kaufzwangs nur verkaufen, was diese sich wünschen - und neben den in der Werbung angepriesenen Kaufanregungen ist dies vor allem der zutiefst menschliche Wunsch, sich selbst und die 'Beute' möglichst leicht, bequem und trocken von A nach B zu transportieren. Die längste Zeit ging das nur zu Fuß, später dann - wer es sich leisten konnte - auf Pferd und Packpferd, dann auf dem Ochsenkarren oder in der Pferdekutsche, über Eisenbahn, Fahrrad, Motorrad und frühe Pkw und dann auch Flugzeug kam die moderne Zeit. Das jeweils bequemere und individuellere Fortbewegungsmittel war modern und begehrenswert und jede neue Generation kann sich nicht mehr vorstellen, wie es 'früher' auch ohne dieses oder jenes technische Hilfsmittel zu leben möglich war, und die ältere Generation verzichtet gerne die früheren Mühen.
Sicher muss man immer wieder den status quo in Frage stellen, ob es nicht anders und vielleicht sogar besser geht, aber außer den Klagen über das jetzt wären Vorschläge sicher jederzeit willkommen, Vorschläge, die praktikabel, brauchbar und bezahlbar sind, das alte Problem zu lösen:
Wie komme ich und meine 'Beute' möglichst leicht, bequem und trocken von A nach B?

derleguan

Vorschläge, die praktikabel, brauchbar und bezahlbar sind, das alte Problem zu lösen?
genau diese Vorschläge werden heute mehr denn je benötigt:
1. Was können wir mit einem Fahrrad, E-Bike, Pedelec.... machen? (Manche bezeichnen das Fortbewegungsmittel abwertend, diskriminierend als Strampeldingensgebumens)
2. Busse, Straßenbahnen,.... = öffentliche Verkehrsmittel. Wie kann man die sinvoller einsetzen? Könnte man die vieleicht so finanzieren, dass die Allgemeinheit (Steuer) diese bezahlt. Dann würden die Öfis auch mehr Leute nutzen. (Der SUV-Fahrer darf ja noch weiter fahren, muss den öffentlichen Verkehr nur mitfinanzieren.)
3. Die Deutsche Bundesbahn. Warum werden auf Fahrkarten die vollen 16% Mehrwertsteuer berechnet und das Flugbenzin wird von der Allgemeinheit steuerlich subventioniert?
Gibt es noch weitere Ideen?

In my humble opinion

derleguan schrieb am 17.03.2019 um 20:28

>Gibt es noch weitere Ideen?<

Nein, statt allgemeiner plakativer Fragen hätte ich gerne eine konkrete Antwort darauf, wie ich bei schlechtem Wetter aus einem Teilort/aus einer Gemeinde in der Nähe von Schwäbisch Gmünd zu einem mir genehmen Zeitpunkt trocken zum Wochenmarkt in Gmünd komme und von dort mit 10 bis 15 kg an Einkäufen, nachdem ich nach dem Wochenmarkt noch andere Geschäfte in Gmünd abgeklappert habe, zu einem mir genehmen Zeitpunkt zurückkommen kann.