Das Trauerspiel Afghanistan

  • Ein Denkmal zeigt den Dichter Theodor Fontane. Foto: Jens Kalaene/ZB/dpa
Wer in diesem Fontane-Jahr sich – wieder einmal – mit dem großen preußischen Romancier beschäftigt, wird in diesem zum x-ten Mal ausgeleuchteten Künstlerleben sicherlich keine Sensationen mehr entdecken, aber doch manchem Unterbelichteten oder fast Vergessenen begegnen – und sich dabei wie ein Schatzsucher fühlen. Theodor Fontane war zwar französisch-hugenottischer Herkunft, sein Herz indes schlug anglophil. Die Literatur Englands und Schottlands bewegten den Schriftsteller, insbesondere historische, auch zeithistorische Stoffe.

So beschrieb er 1859 in der Ballade „Das Trauerspiel von Afghanistan“ die Katastrophe der Briten beim Rückzug aus Kabul. 1842 war das. „Wir waren dreizehntausend Mann, / Von Kabul unser Zug begann, / Soldaten, Führer, Weib und Kind, / Erstarrt, erschlagen, verraten sind.“, heißt es einer Strophe. Nur ein einziger Europäer kam durch, um von dem Desaster zu berichten. So schlimm wird es beim aktuellen Endspiel um die Macht in Afghanistan wohl nicht werden. Aber wer mit Aufständischen verhandelt, sollte immerhin bedenken, dass diese seinerzeit den Briten freies Geleit zugesichert hatten.

Ob die Amerikaner, die derzeit in Doha mit den Taliban am Verhandlungstisch sitzen, die Geschichte kennen? Eine Lehre jedenfalls lässt sich ziehen: Wer sich in ein Abenteuer wirft, sollte die alten Fehler nicht wiederholen. Günther Marx
© Südwest Presse 15.04.2019 07:46
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