Dampfwalze Mercedes

Beim Jubiläumsrennen in China triumphiert Hamilton vor Bottas. Ferrari hat weiter große Probleme, da ist Rang drei für Vettel nur ein schwacher Trost.
  • Sebastian Vettel war nur beim Abgang nach getaner Arbeit vor Lewis Hamilton. Foto: Wang Zhao/afp
Sebastian Vettel reckte den linken Arm in die Luft und formte mit den Fingern das Victory-Zeichen, die Mundwinkel unter seinem markanten Schnurrbart zeigten auf dem Siegerpodest von Shanghai aber nur äußerst mühsam nach oben. Beim 1000. Rennen der Formel-1-Geschichte hatte der Ferrari-Star die erhoffte Trendwende kurz zuvor als Dritter klar verpasst.

Während Dauerrivale Lewis Hamilton ihm nach seinem sechsten Sieg beim Großen Preis von China in der WM zu enteilen droht, muss Vettel die teilweise hausgemachte Unterlegenheit der Scuderia verarbeiten und sich wohl endgültig dem Machtkampf mit Teamkollege Charles Leclerc stellen.

„Ich bin froh, auf dem Podium zu stehen. Aber das Ziel war, mit Mercedes mitzuhalten“, sagte Vettel, der mit dem neuen WM-Spitzenreiter Hamilton nach dessen 75. Formel-1-Sieg kurz anstieß. Gegen die „Dampfwalze Mercedes, die alles niederdrückt“ (Gazzetta dello Sport) fand Ferrari kein Mittel.

Hamiltons Teamkollege Valtteri Bottas (Finnland) hielt sich nach Platz zwei und dem Verlust der WM-Führung an den erfolgsverwöhnten Engländer bei der Mini-Sause geknickt zurück.

Während es für den fünfmaligen Weltmeister Hamilton (68 WM-Punkte) also nah am Optimum läuft, dürfte Vettel angesichts von WM-Platz vier und bereits 31 Zählern Rückstand auf den Briten dämmern, dass es auch in seinem fünften Ferrari-Jahr äußerst schwer wird mit dem Titel. „Wir haben ein starkes Auto, aber wir haben es hier irgendwie nicht hinbekommen. Wir müssen verstehen, was wir brauchen, was ich brauche, um dieses Auto zu entfesseln“, sagte der Heppenheimer. Dabei bezog sich Vettel nicht nur auf seinen SF90, sondern auch auf die Strategen am Ferrari-Kommandostand. Vettel, der zuletzt am 26. August 2018 in Belgien gesiegt hatte, verlor gleich zu Beginn des Rennens Zeit im Zweikampf mit seinem neuen Teamkollegen Charles Leclerc (Monaco), der seinerseits nach einem fragwürdigen Boxenstopp nur Fünfter wurde. Der Corriere della Sera meinte: „Es wäre besser, wenn man bei Ferrari endlich begreifen würde, dass sie den richtigen Piloten, Charles Leclerc, engagiert haben. Maranello sollte endlich auf das Jungtalent setzen und nicht mehr Kapitän Sebastian Vettel verteidigen.“ sid/dpa
© Südwest Presse 15.04.2019 07:46
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