Medizin wird immer individueller

Die neue Deutschland-Chefin Sabine Nikolaus setzt auf Biopharmazeutika und Tiermedizin.
  • Sabine Nikolaus ist seit Anfang des Jahres Deutschland-Chefin von Boehringer Ingelheim. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
Der Fokus der Medizin wird künftig nach Einschätzung der neuen Deutschland-Chefin von Boehringer Ingelheim, Sabine Nikolaus, auf individualisierten Therapien liegen. Krebserkrankungen etwa würden immer „tumorspezifischer“ und exakter auf den einzelnen Patienten abgestimmt bekämpft. Das heiße auch, dass es nicht mehr die Medikamente geben werde, die bei einer großen Masse von Kranken verwendet würden. „Die Zeit der großen Blockbuster wird die Zukunft nicht mehr sein.“

Am Mittwoch stellt Boehringer Ingelheim auf einer Pressekonferenz die Bilanz 2018 vor. Nikolaus ist seit Jahresanfang Nachfolgerin des langjährigen Boehringer-Landesleiters Stefan Rinn. Angesichts des Trends zu immer individuelleren Therapien in der Medizin hält sie Änderungen im Gesundheitssystem für nötig. „Im Moment steht der Preis eines Arzneimittels im Zentrum“, sagte Nikolaus. Häufig sei der aber entkoppelt vom Nutzen.

„Wenn Sie mit einem Medikament die Einweisung in ein Krankenhaus hinauszögern oder einen Menschen länger gesund halten können, dann ist das ein Wert an sich, der momentan noch recht wenig berücksichtigt wird“, sagte Nikolaus. Sie rede bewusst nicht vom Preis, sondern vom Wert eines Arzneimittels: „Wir brauchen eher volkswirtschaftlich integrativere Betrachtungen von Arzneimittel-Therapien.“

An Bedeutung gewinnen nach Einschätzung von Nikolaus auch Biopharmazeutika – also Arzneimittel, die aus lebenden Organismen gewonnen werden. Nach Angaben der Beratungsgesellschaft EY war der Umsatz mit Biopharmazeutika in Deutschland 2017 um 8 Prozent auf den Rekordwert von 4 Mrd. EUR gestiegen. Boehringer stärke gezielt seine biopharmazeutische Eigenproduktion – vor allem in Mittel gegen Magen-Darm- sowie Lungenkrebs.

Ein großes Augenmerk legt Boehringer auch auf das Geschäft mit Tiermedizin. 2017 wurde die entsprechende Sanofi-Sparte Merial erworben, dafür das eigene Geschäft mit verschreibungsfreien Mitteln an die Franzosen abgegeben. Man sei weltweit zur Nummer zwei in der Tiermedizin geworden. dpa
© Südwest Presse 15.04.2019 07:46
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