Lesermeinung

Unverständnis und Kopfschütteln

Zur geplanten Freiheitsstatue in Mögglingen

Das Fazit aus D. Wagners Kommentar trifft den Nagel auf den Kopf und spricht mir aus der Seele: Dann lieber ein gallisches Dorf (sein)!! Die Millionen Asterix-Fans haben es seit Jahrzehnten ins Herz geschlossen – das kleine gallische Dorf, das sich wehrhaft und unbeugsam und immer klare Kante zeigend, der übermächtigen und teils brutal auftretenden Weltmacht Rom erfolgreich widersetzt.

Viele der Attribute, die dieser gallischen Dorfgemeinschaft zugeschrieben sind, haben auch die Mögglinger immer wieder ausgezeichnet: jahrzehntelanger und letztlich erfolgreicher Kampf für eine B-29- Südumgehung, pfiffige Ideen wie die der Freiheitsstatue oder Mobilisierung der Dorfgemeinschaft bei der Vorbereitung der Gartenschau, mit Kreativität und vielen eigenen Duftmarken angesichts knappster Mittel. Da ist die demokratische und natürlich zu akzeptierende Mehrheitsentscheidung des Gemeinderats in Sachen „Weiße Station“ schon etwas befremdlich. Letztlich wurde der wie D. Wagner bemerkt „sturen und abgehobenen“ Vorgehensweise des Architekten trotz früher anders gefasster Beschlüsse nachgegeben. Eine Vorgehensweise, die in gewisser Wortanalogie durchaus mit dem „Brutalismus“ zu vergleichen ist, der Arno Brandlhubers Architektur ja zugeordnet wird. Diese Stilrichtung der 1960-1980er Jahre ist passé, die Sichtbetonbauten, anfällig für Schmutz und Zerfall, sind mittlerweile „out“. Darüber hinaus kostet der „Abklatsch“ der einst genialen Mögglinger Idee „Freiheitsstatue“ viel zu viel Geld. Die aus dem Gemeindeetat beigesteuerten Mittel hätten vielen anstehenden Projekten und der Ortskernsanierung nach Fertigstellung der Umgehungsstraße gutgetan. Auch der neue Standort ist nicht prickelnd und ohne Bezug zur Historie. Auch hier hätte eine Anleihe bei den Galliern gutgetan. Mit einem deutlichen „Nein, nein, nein“ kommentieren sie die Standortdiskussion angesichts des Obelisken in Luxor. Teure Kunstwerke und ungünstige Standorte, D. Wagner hat bei seiner Analyse völlig recht.

Warum die sonst doch unbeugsamen Mögglinger bei der Abstimmung umgefallen, Kosten und Zweck nicht weiter kritisch hinterfragt haben, bleibt offen. Hoffen wir nicht, dass die bis zuletzt ausgeübte „herzliche Umarmung“ durch die großen Stadtoberhäupter Rems abwärts mit dem Ruf nach einem verbindenden Element ausschlaggebend war. Der Mehrwert eines solchen roten Fadens, einer solchen künstlerischen Verbindung auf Metaebene, ist zumindest hinterfragbar. Und wer meint unbedingt alles mitmachen zu müssen läuft Gefahr, den Blick für das Wesentliche zu verlieren.

Bei mir bleiben Unverständnis und Kopfschütteln. Dafür freue ich mich auf den hoffentlich noch in 2019 erscheinenden neuen Band aus der Asterix Reihe: „Vercingetorix“. Da geht es um jenen gallischen Häuptling, der sich als Kämpfer für Unabhängigkeit einen Namen gemacht hat.

© Gmünder Tagespost 15.04.2019 20:43
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