Wo bleiben die Vorstöße unserer Landesregierung?

Zur Diskussion mit Vertretern des Jugendgemeinderates und der Bewegung „Fridays for future“ im Gemeinderat:

Das Engagement der Jugendlichen für eine wirkungsvolle Klimapolitik aller Verantwortlichen ist bemerkenswert. Einerseits präsentierten die Demonstranten nachvollziehbare Forderungen, wie [...] einen rascheren Kohleausstieg und eine CO²-Steuer. Andererseits unterbreiteten sie pragmatische Lösungsansätze, zum Beispiel bei der Müllproblematik hier vor Ort. Zudem wollen sie den Schießtalsee als Badesee gestalten und ein neues Hallenbad bauen. Meine Frage, ob die definierten Klimaziele von Paris ohne Konsumverzicht zu schaffen seien, beantworteten die besorgten Jugendlichen mit nein. Sie versicherten, weitgehend auf Fleisch und Plastik zu verzichten. Es sind kleine Schritte! Aber reicht das, angesichts der weltweiten Zunahme von Kreuzfahrten, Fern-, Mittel-, und Kurzflügen? Das Verreisen von A nach B mit dem Flugzeug scheint unantastbar zu sein. Bei einer Flugreise von München nach Sydney und zurück emittiert eine Person 10 935 Kilo CO². Die Pro-Kopf-Jahresemission in Indien beträgt 1600 Kilo CO². Das Klimaverträgliche Jahresbudget einer Person liegt bei 2300 Kilo CO². Ein Jahr Auto fahren mit einem Mittelklassewagen verursacht 2000 kg CO². Ergo für eine Flugreise nach Sydney pro Person könnten 5,5 Personen ein Jahr Auto fahren. (Quelle: Atmosfair) Es ist an der Zeit, dass Bund, Land und Kommunen Ausgleichszahlungen für Flüge an Atmosfair bezahlen. Damit finanziert Atmosfair Umweltprojekte [...].

Seit 2005 ist die BRD berechtigt, Kerosin für Inlandsflüge zu besteuern. Eine Milliarde Euro für den Fiskus! Diese Mittel könnte man in umweltrelevante Projekte stecken. Holland und Norwegen führten dies Steuer bereits ein. Belgien ist in Begriff eine Kerosinsteuer einzuführen. Die Schweiz prüft eine CO²-Abgabe auf Flugtickets. So fragte ich mich während der Diskussion im Gemeinderat, wo bleiben die Vorstöße unserer Landesregierung bezüglich der Besteuerung von Kerosin und/oder der Einführung einer CO²-Steuer?

Weitere Maßnahmen, um CO² zu reduzieren sind die Ausweitung des Ein-Euro-Bustickets, mehr Tempo 30 Zonen und eine Autofreie Innenstadt. Beispiele gibt es in Spanien, Holland, Houten bei Utrecht und Italien.

In Ergänzung zu blühenden Gärten und nachhaltigem Tourismus, sollten wir Gmünder uns nochmals mit den Hallenbadinvestoren zusammensetzen, um eine Wellnessoase zu kreieren, die den Namen auch verdient. Ein nachhaltiger Wohlfühlort für Daheim gebliebene.

Erlauben sie mir noch eine Anmerkung zum Leserbrief „Manche lernen es nie“. Im Dialogverfahren mit den Investoren zum Thema „Neubau eines Hallenbades“ wurden keine energetischen Standards festgelegt. Soweit kam es nicht, da die BI Taubental das Bürgerbegehren im Juli 2018 startete, ohne das Ende des Dialogverfahrens und die Entscheidungsfindung im Gemeinderat abzuwarten.

Brigitte Abele,

Schwäbisch Gmünd

© Gmünder Tagespost 19.04.2019 16:42
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Kommentare

derleguan

Was die Flugreisen als CO2-Schleudern angeht bin ich völlig einig.

Dass wir, um Flugreisen zu verhindern in Gmünd eine Spaß- ind Wellnessoase brauchen, halte ich für den größten Humbug, den ich bisher zu diesem Thema hörte. Keine einzige Flugreise wurde und wird in Zukunft durch ein Wellnessbad verhindert!

Das Investorenbad darf auf keinen Fall kommen, weil damit die Kommune und damit die Steuerzahlen so derart in die Schuldenfalle getrieben werden, dass eine finanzielle Erholung unmöglich ist. Davor hat uns die Bürgerinitiative Taubental vorerst bewahrt, wofür wir ihr dankbar sein können.