Lesermeinung

Zum Windkraft-Gipfel in Berlin:

Windkraftkrise, und wir im Süden sind schuld? Die Medien überschlagen sich mit den düsteren Schuldzuweisungen von Windkraftindustrie und Politik.

Nein, das Wetter ist schuld. Im Augenblick geht wie so oft bei uns an Land kein Wind. Von ca. 160 sichtbaren Windrädern vom Hohenberg aus gesehen, dreht sich wieder kein einziges. Jetzt am Abend ist nun auch der Photovoltaikstrom weg und ich muss froh sein, dass der Strom noch aus konstanter Quelle kommt. Sonst könnte ich diese Zeilen nicht schreiben, an die Zeitung mailen und die, könnte nicht drucken.

Weiteres Beispiel: Ich fahre zur Arbeit mit E-Auto oder Elektrobahn, muss aber ein Benzinauto oder eine Diesellok vorhalten, wenn mal wieder kein Windstrom dafür da ist. Wer leistet sich sowas oder würde sich nur auf Ersteres alleine verlassen?

Alle und alles, Jobs, Krankenhäuser, Haushalte, Verkehr, in Deutschland brauchen zu jeder Zeit, verlässlichen Strom! Zu diesem trägt aber die „Land-Windkraft“ nur zu einem Prozent bei. Auch wenn die Anzahl vervielfacht würde, ändert das nichts, wenn der Wind dazu fehlt oder zu schwach ist. Die Energiewende kommt dadurch nicht voran, ein Stromkollaps wird wahrscheinlicher und nur die Windindustrie und Betreiber profitieren.

Nicht der Windkraft-, sondern Speicherausbau ist vorrangig gefordert, damit überschüssiger Strom aus allen regenerativen Energien langfristig für Flauten gespeichert werden kann! Windräder sind die mächtigen Symbole der vorherrschenden politischen Energiewende-Ideologie und sichern Wählerstimmen. Physik und Naturgesetze lassen sich davon aber nicht beeindrucken. Politiker und Teilnehmer dürfen sich bei ihren „Panik-Gipfeln“ auch mal wieder an ihren Physikunterricht erinnern!

© Gmünder Tagespost 09.09.2019 20:47
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Kommentare

derleguan

Wenn, wie im Leserbrief "Zum Windkraft-Gipfel in Berlin" behauptet wird, in Deutschland Windräder still stehen, liegt das immer häufiger nicht an der Wetterlage, sondern daran, dass Atom- und Braunkohlestrom die Netze verstopfen. Damit die Leitungen für Wind- und Solarstrom wieder frei werden, sollten alte risikoreiche Atomkraftwerke und dreckige Braunkohlekraftwerke abgeschaltet werden und zwar noch weit vor 2038.

In my humble opinion

derleguan schrieb am 10.09.2019 um 07:55

Wenn ... Windräder still stehen, liegt das immer häufiger nicht an der Wetterlage, sondern daran, dass Atom- und Braunkohlestrom die Netze verstopfen.

Das liegt zum Einen daran, dass wir noch keine kommerziell in größerem Maßstab nutzbare Speichertechnologie haben, in die die Windräder den 'Überschuss' einspeisen könnten, das liegt an den vielen Einsprüchen gegen die Stromtrassen, die das mehr an Strom leiten sollten - und das liegt auch daran, dass Kern- und Kohlekraftwerke eben nicht so einfach ab- und wieder angeschaltet werden können, wie man Windradflügel in die Segelstellung drehen kann.

Sicher könnte man Kern- und Kohlekraftwerke bei viel Wind herunterfahren, nur wenn dann weniger Wind weht, dauert es Stunden bis Tage, bis die volle Kraftwerksleistung wieder zur Verfügung steht und bis dahin kommt dann halt mal nix aus der Steckdose.

Es ist ja noch komplizierter, denn die heutigen Kraftwerke sind in Hinsicht der Werkstoffauswahl für Kessel und Turbinen auf quasi Dauerbetrieb ausgelegt, ein häufiges 'Hoch und Runter' ist schädlich für diese Werkstoffe und solche, die man dafür nutzen könnte, sind noch nicht ausreichend erprobt.

derleguan

"-und das liegt auch daran, dass Kern- und Kohlekraftwerke eben nicht so einfach ab- und wieder angeschaltet werden können, wie man Windradflügel in die Segelstellung drehen kann."

da Deutschland fast immer und zu jeder Zeit Überkapazitäten hat - was oft verschwiegen wird, müssen Atommeiler und Braunkohlekraftwerke dauerhaft still gelegt werden - ohne sie jemals wieder anzufahren. Die Strompreise aus diesen Kraftwerken spiegeln nicht die Gesamtkosten wider. Bei der Braunkohle ist es der enorme CO2 Ausstoß, die Landschaftszerstörung in großem Stil, die Vertreibung ganzer Dorfbevölkerungen.... Beim Atomkraftwerk sind des die Kosten der Lagerung der abgebrannten Brennelemente, die tödlich für Menschenmassen sein können, sollte ein Unfall passieren, die nicht in die Rechnung eingehen.

Um das Sicherheitsgefühl der ängstlichen unter den Deutschen zu beruhigen bräuchte Deutschland Gaskraftwerke, die schnell hoch und wieder runtergefahren werdenkönnen. Da aber unsere widersprüchliche Politik es genau so will, dass Kohle/Atom möglichst lange den Strommarkt  fluten und gegen die alternativen Energien ausgespielt werden ist alles so wie es ist.

Rudolf Knecht

derleguan schrieb am 10.09.2019 um 07:55

"Wenn, wie im Leserbrief "Zum Windkraft-Gipfel in Berlin" behauptet wird, in Deutschland Windräder still stehen, liegt das immer häufiger nicht an der Wetterlage, sondern daran, dass Atom- und Braunkohlestrom die Netze verstopfen. Damit die Leitungen für Wind-..."

In der Abenddämmerung als ich die vielen stillstehenden Windräder sah,
hätten diese ohne weiteres, den dann fehlenden Photovoltaik Strom im Netz ausgleichen können.
Es wäre also die ideale Ergänzung gewesen, ohne Atom oder Kohlestrom hochfahren zu müssen.

Desweiteren lässt sich mittlerweile sehr genau, über aktuell abrufbare Wetterdaten und andere Online Dienste erkennen, wie die Windverhältnisse sind.
Ein entsprechender Wind fehlte großflächig, so dass die nötige Anlaufgeschwindigkeit für die Windräder nicht gegeben war.

Ein Abregeln wegen "Verstopfung" war definitiv nicht der Fall! Windkraft betreiber ernteten
teilweise nicht mal die Hälfte ihres prognostizierten Ertrages in den letzten Monaten. Was ist da verlässlich?

Ein weiterer Fakt: Natürlich stark schwankende Stromerzeuger bieten keine Verlässlichkeit
bei der "gesicherten Stromerzeugung". Windkraft und Photovoltaik (habe selber eine PV),
brauchen ohne langfristige Stromspeicher, im Hintergrund immer ein "Schattenkraftwerk" um trotzdem zu jeder Zeit, gesichert, ausreichend Strom für uns alle (auch für das "in den Wind drehen" der Windräder nach einer Flaute!), bereitzuhalten.

Daran ändert auch der Netzausbau nicht viel.
Wenn zukünftig temporär bei guten Verhältnissen ein Stromüberangebot in diesem ausgebauten Netz vorhanden wäre, muß immer noch abgeregelt werden.

Der Kern und das Gelingen der Energiewende beziehen sich schon lange nicht mehr auf Netzausbau und regenrative Erzeugung,
sondern auf die langfristige, möglichst dezentrale Speicherung des überschüssig daraus generierten Stromes!
Wer dies als erstes umsetzt, hat zukünftig die Nase vorn und kann dann beginnen alte, verlässliche Kraftwerke abzuschalten.

Im Übrigen ist eine Diskussion, auch im Internet immer besser, wenn man weiss, mit wem es man zu tun hat!

Rudolf Knecht

In my humble opinion

derleguan schrieb am 11.09.2019 um 09:42

da Deutschland fast immer und zu jeder Zeit Überkapazitäten hat

Das ist eine ganz kühne Behauptung, die durch die hinreichend veröffentlichten Daten in kein(st)er Weise unterstützt wird.

Zu gewissen Tagen und Stunden kommen wir im heutigen Ausbauzustand an eine ausreichende Kapazitätsabdeckung heran, aber das Jahr hat nun mal 365 Tage zu 24 Stunden, in denen wir erwarten, dass 'Strom in der Steckdose' ist.

derleguan

@ Herr Knecht

Ihr Leserbrief erweckt den Eindruck sie gehören zu denen, die glauben es könne in Sachen Stromproduktion in Zukunft alles so bleiben wie es ist und damit basta. (Scheiß Erneuerbare)

Ihr Kommentar hingegen hört sich eher so an, als wollten auch sie eine Energiewende vorantreiben. Das entnehme ich auch ihrer Einfügung, eine eigene Photovoltaikanlage zu besitzen, so wie ich auch. Das finde ich viel symphatischer.

 

@In my humble opinion

In ihrem Statement erwecken sie den Eindruck sich ganz genau mit der Verfügbarkeit des Stromes an bestimmten Tagen auszukennen. Können sie beispielsweise die Tage in 2018 benennen, an denen in Deutschland nicht genügend Strom zu Verfügung stand, bzw. vorhanden war?

In my humble opinion

derleguan schrieb am 11.09.2019 um 17:06

@In my humble opinion

In ihrem Statement erwecken sie den Eindruck sich ganz genau mit der Verfügbarkeit des Stromes an bestimmten Tagen auszukennen. Können sie beispielsweise die Tage in 2018 benennen, an denen in Deutschland nicht genügend Strom zu Verfügung stand, bzw. vorhanden war?

Wenn Sie damit meinen, dass >genügend Strom zu Verfügung stand<, so waren das wohl 365 Tage zu 24 Stunden, weil auch Kohle-, Kernkraft- und andere -werke ausreichend geliefert haben.

Wenn Sie allerdings auf die 'erneuerbaren Energien' ( Wind, Sonne, Wasser, Bio ) abzielen, so ist es einfacher, die wenigen Tage und die paar Stunden zu nennen, an denen im Jahr 2018 in Deutschland fast ausreichend Strom aus der Summe dieser Quellen zur Verfügung stand. Dazu genügt ein Blick ins Internet, dazu dort ein paar Stichwörter in der Suche ausprobieren und weiterführende Links anschauen. Und ich werde Ihnen hier diese 'Arbeit' nicht abnehmen.

derleguan

Ich gebe Ihnen völlig recht, dass die erneuerbaren Energien allein heute noch nicht ausreichen den Strombedarf zu decken. Deshalb müssen diese Technologien - erneuerbare "Kraftwerke" mitsamt großen Stromspeichern eben massiv ausgebaut werden. Dazu noch einige Gaskraftwerke, die schnell anfahren und genauso schnell wieder herunterfahren. Hier ist eben der gesellschaftliche Wille und die Politik gefragt.

In my humble opinion

derleguan schrieb am 12.09.2019 um 16:38

Ich gebe Ihnen völlig recht, ... ist eben der gesellschaftliche Wille und die Politik gefragt.

Und da liegt der Hase im Pfeffer, allein, wenn Sie sich die erregten Diskussionen um die paar einsamen Windräder auf der Albkette südöstlich von GD in Erinnerung rufen oder den vehementen Protest gegen die Hochspannungsleitung von Goldshöfe nach xyz ...

Und das sind wir, die Bürger, nicht die Politik.

Wir brauchen wohl 3x(!) so viele WKA und ebenso PVA, damit wir Überschuss haben, den wir speichern können ... aber wie, als Wasserstoff, als Methangas, als Diesel, wer hat die industrielle Technik dazu und nicht nur einen Laborbetrieb? Das anzustoßen wäre die Aufgabe der Politik.

Wir ( die Bürger ) sind gegen Pumpspeicherwerke ( Atdorf ), wir sind gegen Kohle- und Ölkraftwerke ( da stimme ich zu, aber nicht nur wegen des Klimas ), gegen MVA ( nein, was da beim Verbrennen von Müll für Dreck entsteht! ), wir haben was gegen Geothermie ( schlechte Erfahrungen in Staufen und im Rheingraben ), wir haben was gegen Kernkraftwerke ...

Wir haben eigentlich gegen alles etwas, was unsere beschauliche Ruhe im Hier und Jetzt stört, aber das Erdklima und die unwiederbringlich verbrannten Ressourcen an Gas, Öl und Kohle werden uns ( vermutlich aber eher unsere Enkel ) nicht fragen, ob wir damit einverstanden sind.