Anklage will lebenslange Haft für Mord

Die Verteidigung des Lkw-Fahrers, der die junge Tramperin erschlagen hat, plädiert auf Totschlag.
Im Prozess um den Mord an der Tramperin Sophia L. hat die Staatsanwaltschaft eine lebenslange Haftstrafe wegen Mordes gefordert. Am Dienstag warf sie dem angeklagten Lastwagenfahrer in ihrem Plädoyer vor dem Bayreuther Landgericht einem Gerichtssprecher zufolge vor, die 28-Jährige im Juni vergangenen Jahres nach einer Auseinandersetzung zunächst mit einem Werkzeug verletzt und wenig später erschlagen zu haben.

Die Verteidigung des geständigen 42-jährigen Angeklagten sprach sich für eine Verurteilung wegen Totschlags aus. Sie forderte eine Strafe im oberen Bereich des Strafrahmens, der bei Totschlag fünf bis 15 Jahre umfasst. Der Anwalt der Eltern von Sophia, die als Nebenkläger auftreten, plädierte darauf, auch das Vorliegen einer besonderen Schwere der Schuld zu prüfen. Das Urteil soll am Mittwoch kommender Woche fallen.

Kein Beweis für Sexualdelikt

Strittig waren in dem Verfahren der genaue Ablauf der Ereignisse und das Motiv des Angeklagten. Die Staatsanwaltschaft hatte den Fall ursprünglich als Mord zur Verdeckung einer Sexualstraftat angeklagt. Sie ging davon aus, dass der Lastwagenfahrer die Studentin während der Fahrt in seinem Lastwagen sexuell bedrängte oder missbrauchte und sie anschließend tötete, um dies zu verdecken.

Dagegen stand die Schilderung des geständigen Angeklagten, der ein Sexualdelikt abstritt. Seinen Angaben nach hatte es zwischen ihm und dem Opfer während des Halts auf einem Rasthof Streit um einen angeblich gestohlenen Brocken Haschisch gegeben, in dessen Verlauf die Frau ihn ins Gesicht schlug. Er habe sie dann spontan aus Wut niedergeschlagen. Nach einer Unterbrechung habe er sie dann erneut geschlagen, als die Verletzte unvermittelt sein Bein umfasst habe.

Nach der Beweisaufnahme sah auch die Anklage laut Sprecher keine hinreichenden Beweise für eine Sexualstraftat. Für sie lag das Mordmotiv in der Verdeckung einer Körperverletzung. afp
© Südwest Presse 11.09.2019 07:45
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