Auf und Ab entlang der Flüsse

Wandern Wer in die Ardennen fährt, stößt hinter hübschen Häuserzeilen auf bildschöne Gebirgszüge, die dem Fluss entlang erwandert werden können.
  • Foto: Wolfgang Albers

Höhenmeter ohne Ende: Von Rochehaut – was ja nichts anderes als hoher Felsen heißt – sieht man weit in die Tiefe. Auf einen Fluss, der sich tief eingegraben hat, von steilen Hängen flankiert wird und eine Schleife um eine Halbinsel gelegt hat. Da ist hübsch ein Dorf mit Namen Frahan drauf drapiert, eine mehrbögige Brücke führt darauf zu, die Kirche sitzt am höchsten Punkt.

Die Semois schlängelt sich da unten durch, ein typischer Fluss der Ardennen. Die sind nämlich kein aufgefaltetes Gebirge wie die Alpen, sondern ein mächtiges Gesteinspaket aus Schiefer, Sandstein und Kalk. Und so ein erstes Bollwerk für Wolken vom Atlantik – die Gegend ist regen- und wasserreich. Dieses Wasser muss sich dann durch die Felsmasse, die es immerhin bis zu einer Höhe von über 600 Metern schafft, hindurcharbeiten. Und dabei oft Umwege nehmen. Gerade die Semois hat dabei Schleife um Schleife herausmodelliert – und das in einer Landschaft, die bis heute nur sehr wenige Ortschaften hat. Zu rau war den meisten diese Gegend, wo man in Steinbrüchen schuftete oder Tabak über die Grenze zu Frankreich schmuggelte.

Auf felsigen Pfaden am Fluss

Die Semois kurvt also weitgehend unbeeinträchtigt durch die südlichen Ardennen. Was sie zu einer attraktiven Wanderregion macht. Aber auch zu einer fordernden. Schleifenwandern bedeutet, zum Fluss hinabzusteigen, dort den Windungen oft direkt über dem Wasser auf felsigen Pfaden zu folgen, um dann wieder steil in die Höhe zu steigen. Manche Auf- und Abstiege haben alpinen Charakter wie der Leiterweg bei Rochehaut, der tatsächlich Eisenleitern hat. Die Semois-Schleifen kann man im Dutzend ablaufen. Eine umfließt bei Botassart das Tombeau du Géant, das Riesengrab. Ein Hügel mit Kanten, die ihm eine perfekte Sarkophag-Form geben.

Wald bedeckt ihn komplett, und damit der Sarkophag besonders zur Geltung kommt, lässt man auf den Wiesen um den Hügel keinen Strauch hochwachsen. Ein riesiger Gallier, der sich den Römern nicht ergeben wollte, soll dort liegen. Ja, die Geschichte hat die Ardennenbewohner eher auf der Seite der Leidenden gesehen. Gerade im 20. Jahrhundert.

Die Geschichte hat die Bewohner der Ardennen eher auf der Seite der Leidenden gesehen.

Wolfgang Albers Autor

In beiden Weltkriegen scherten sich die deutschen Armeen nicht um Belgiens Neutralität. Und so sieht, wer zu den Felsen von Libaipire über eine weitere Semois-Schleife wandert, im Ausgangspunkt Herbeumont viele Tafeln zur Ortsgeschichte, die auch dokumentieren, wie württembergische Truppen 1914 das Dorf niedergebrannt haben.

Ein grünes Amphitheater

Von Bouillon aus zog der einstige Herzog Gottfried in den Ersten Kreuzzug. Einige Statuen zeigen ihn, mal weise, mal grimmig. Seine Burg riegelt eine Halbinsel ab, zum Ufer fällt das Städtchen in Terrassen hinab, das gegenüberliegende Steilufer ist ein grünes Amphitheater, „Perle der Semois“ genannt. Die fließt schließlich in die Maas, die weitere Ardennenflüsse schluckt wie die Lesse – ein Schluchtenfluss, Hochburg des Kanu-Tourismus. Die Maas muss sich davor durch Felswände quetschen. 120 Meter hoch, über 600 Routen – die Ardennen bieten Belgiens größtes Klettergebiet.

© Gmünder Tagespost 13.09.2019 15:00
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