Lesermeinung

Zum Artikel „Spahn zieht Grenzen“ vom 12. September:

Sein Vorschlag: Wer einen Schlaganfall erleidet, muss darauf vertrauen können, dass ihm sehr schnell und professionell geholfen wird. Darum möchte er Kliniken schließen, die angeblich nicht genügend qualifizierte und zu wenig Mitarbeiter haben. Dieser Mangel an Krankenschwestern und Pflegepersonal resultiert aus der politisch vorgegebenen Untergrenze. Es geht ihm nun um Schließung von kleineren Kliniken, mit gutem Personal und Ärzten, damit „das dann frei werdende Personal anderswo die Lage verbessern kann“. Es geht ihm um Kliniken für Schlaganfall, Herzchirurgie, Neurologie, diese bleiben bestehen, da ist Geld verdient.

Wenn diese kleineren Kliniken schließen, ist die Notfallversorgung nicht gewährleistet. Wenn es nähere, notfallversorgende Kliniken nicht mehr gibt, fährt der Notarztwagen mit dem Schlaganfallpatienten 100 km weit, bis zur nächsten erreichbaren „Qualitätsklinik“. Bis dahin ist der Schlaganfall- Herzinfarkt-Patient tot. Spahns Argument: Es gibt zu viele Kliniken, von denen zu viele zu wenig können. Die Ärzte in kleinen Kliniken, verteilt im Umkreis, können Leben retten. Wichtiger ist Herrn Spahn die große Ausbeute für die Krankenkassen, das Qualitätsmanagement der Klinik und das Scheffeln von Geld, High-tech-Medizin. Falls ein Notfall-Patient im 100 km entfernten Krankenhaus ankommt.

Aalen

© Gmünder Tagespost 13.09.2019 17:16
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Kommentare

In my humble opinion

>Wenn es nähere, notfallversorgende Kliniken nicht mehr gibt, fährt der Notarztwagen mit dem Schlaganfallpatienten ... bis zur nächsten erreichbaren „Qualitätsklinik“.<

Und auf dem Weg dahin wird der Patient im Notarztwagen bereits mindestens so gut versorgt wie in der nahegelegenen 'kleinen Klinik', die Qualitätsklinik erhält schon während der Fahrt wichtige Informationen und kann sich dem Patienten nach dem Eintreffen voll widmen, man hatte nämlich Zeit, sich personell und technisch vorzubereiten.

Karin Hofmann

In my humble opinion schrieb am 14.09.2019 um 15:12

>Wenn es nähere, notfallversorgende Kliniken nicht mehr gibt, fährt der Notarztwagen mit dem Schlaganfallpatienten ... bis zur nächsten erreichbaren ?Qualitätsklinik?.<

Und auf dem Weg dahin wird der Patient im Notarztwagen bereits mindestens so gut versorgt wie in der nahegelegenen 'kleinen Klinik', die Qualitätsklinik erhält schon während der Fahrt wichtige Informationen und kann sich dem Patienten nach dem Eintreffen voll widmen, man hatte nämlich Zeit, sich personell und technisch vorzubereiten.

Eine Diagnose ist bei Abholung durch den Notarztwagen ja nicht klar: Patient bewußtlos, hatte vorher Kopfschmerzen, Schwindel.Die wichtigen "Informationen" werden bei einem Aneurysma- oder Hirnblutungspatienten nichts nutzen, der 100 km fahren muß. Er wird dann schwerbehindert bleiben, denn eine Diagnosestellung ist nur durch CT/MRT möglich, es werden Menschen sterben.

In my humble opinion

Karin Hofmann schrieb am 14.09.2019 um 21:12

Eine Diagnose ist bei Abholung durch den Notarztwagen ja nicht klar: Patient bewußtlos, hatte vorher Kopfschmerzen, Schwindel.Die wichtigen "Informationen" werden bei einem Aneurysma- oder Hirnblutungspatienten nichts nutzen, der 100 km fahren muß. Er wird dann schwerbehindert bleiben, denn eine Diagnosestellung ist nur durch CT/MRT möglich, es werden Menschen sterben.

In meinem Bekanntenkreis hat sich ( in einem anderen Bundesland ) der tragische Fall zugetragen, dass die Person nachts im Haus gestürzt ist und sofort in das lokale ( nicht gerade kleine ) Krankenhaus gebracht wurde. Man hat untersucht, untersucht, und nach 1 1/2 Tagen wurde ein Transport in ein übergeordnetes Fachkrankenhaus eingeleitet. Dort stellte man eine Hirnblutung fest, der Schaden war bereits zu groß - und die Person ist dann dort ganz kurze Zeit später verstorben.

Ich kenne aus einem anderem Zusammenhang auch den zynischen Spruch: 'Lieber auf dem Weg nach xy sterben als im AB-Krankenhaus.'

Sicher braucht man eine Vor-Ort-Versorgung von Notfällen, aber auch die Fähigkeit und den Mut zur schnellen Entscheidung, dass eine ( entfernte ) Spezialklinik bessere Aussichten auf Genesung bietet.

Karin Hofmann

In my humble opinion schrieb am 15.09.2019 um 03:30

In meinem Bekanntenkreis hat sich ( in einem anderen Bundesland ) der tragische Fall zugetragen, dass die Person nachts im Haus gestürzt ist und sofort in das lokale ( nicht gerade kleine ) Krankenhaus gebracht wurde. Man hat untersucht, untersucht, und nach 1 1/2 Tagen wurde ein Transport in ein übergeordnetes Fachkrankenhaus eingeleitet. Dort stellte man eine Hirnblutung fest, der Schaden war bereits zu groß - und die Person ist dann dort ganz kurze Zeit später verstorben.

Ich kenne aus einem anderem Zusammenhang auch den zynischen Spruch: 'Lieber auf dem Weg nach xy sterben als im AB-Krankenhaus.'

Sicher braucht man eine Vor-Ort-Versorgung von Notfällen, aber auch die Fähigkeit und den Mut zur schnellen Entscheidung, dass eine ( entfernte ) Spezialklinik bessere Aussichten auf Genesung bietet.

Guten morgen, ja dies ist ein tragischer Fall und schwer zu glauben. Nach diesem Sturz wurde sicher untersucht: Geröngt.., aber am gleichen Tag wohl kein CT/MRT Kopf gemacht. Oder die Einblutung fand erst später statt, oder wurde übersehen. Fälle die kritisch werden: Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen. Magenverstimmung? Nein. Blinddarmdurchbruch. Nächste Krankenhaus 100 km entfernt. Autounfall, innere Blutungen im Brustbereich, Bauchraum, Schädelprellung, HWS-Trauma. CT/MRT, schnellstens, sind dann besonders wichtig. Diagnostik. Nicht zu vergessen eine schwangere Frau, die Blutungen hat und 100 km fahren muß um behandelt zu werden und ihr Kind zu retten. Messerattacke, ein Verletzter mit Stich in den Bauch, muß sofort operiert werden.  Bis er im 100 km entfernten Krankehaus ankommt ist er verblutet.Etc....mir fallen viele Fälle dazu ein. Wir waren so stolz auf unsere flächendeckende Versorgung in Krankenhäusern. Ich sehe es als großen Rückschritt, bestehende "kleinere" Krankenhäuser zu schließen. Sie haben 200 Betten. Dann wäre das Heidenheimer Krankenhaus das nächste, das geschlossen wird. denn durch eine Fusion haben sich das Staufer-Klinikum GD, Virngrund-Klinik Ellwangen und Ostalbklinik zusammengeschlossen. Wir sind also, bisher abgesichert. Ein Problem: Es steht nur eine begrenzte Anzahl an Rettungswagen zur Verfügung. Diese sind nun 3 Std. hin und zurück unterwegs für eine Fahrt für EINEN Patientenzum nächsten Krankenhaus, 100 km entfernt, es wird dann einen Engpass geben, daß kein Notarzt, kein Rettungswagen verfügbar ist. Das gilt es zu bedenken! 

Karin Hofmann

In my humble opinion schrieb am 15.09.2019 um 03:30

Sicher braucht man eine Vor-Ort-Versorgung von Notfällen, aber auch die Fähigkeit und den Mut zur schnellen Entscheidung, dass eine ( entfernte ) Spezialklinik bessere Aussichten auf Genesung bietet.

Ein Nachtrag noch: Alle von mir beschriebenen Fälle brauchen keine Spezialklinik, sondern eine schnelle, lebensrettende Erstversorgung. Der Gedanke in Deutschland die Kliniken von 1400 auf 600 zu reduzieren wird tausende arbeitslose Pflegekräfte und Ärzte nach sich ziehen. Unser nächstes, großes "Spezialkrankenhaus" ist die Ulmer Uni-Klinik. Sie besteht, vergrößert sich nicht, Ärzte, Pflegekräfte, das ganze Personal in allen Bereichen, besteht. Die Ulmer Uni-Klinik wird ja nicht vergrößert. Genauso sieht es in anderen "Spezialkliniken" wie dem Bundeswehrkrankenhaus aus. Wo sollen den nun die Krankenschwestern, Ärzte, Assistentinen, Putzpersonal, etc. der geschlossenen Kliniken unterkommen? Das Personal von 800 Kliniken in Deutschland? Es wird tausende Arbeitslose geben und ist ein Kahlschlag für Arbeitsplätze. 

In my humble opinion

Karin Hofmann schrieb am 15.09.2019 um 09:38

Guten morgen, ja dies ist ein tragischer Fall und schwer zu glauben. ...

Sie sollten es glauben, ich habe einen realen Fall aus meinem Bekanntenkreis beschrieben. Es ist auch aller Ehren wert, wenn Sie sich für eine wohnortnahe Erstversorgung engagieren, das tue ich auch:

Sicher braucht man eine Vor-Ort-Versorgung von Notfällen, aber auch die Fähigkeit und den Mut zur schnellen Entscheidung, dass eine ( entfernte ) Spezialklinik bessere Aussichten auf Genesung bietet.

Sie kennen sicher auch das Sprichwort 'Übung macht den Meister', es spricht ja überhaupt nichts gegen das Engagement und die Fähigkeiten der medizinischen Personen in einem 'kleinen' Krankenhaus, aber es fehlt halt die 'Übung' und vielleicht die Ausrüstung bei Erkennung und Behandlung von Problemfällen. Nicht umsonst wird im 'Krankenhausfinder' mit den 'Fallzahlen' darauf hingewiesen. Ich für meinen Fall wüsste genau, ob ich mich bei einer Erkrankung, bei der ich noch die Zeit habe, mir die Klinik aussuchen zu können, wohnortnah bei Fallzahl 6 oder 150 km entfernt bei Fallzahl 600 behandeln lassen möchte.

Und in den allermeisten Fällen ist für uns im OAK Stuttgart näher als Ulm, aber in allen lebenswichtigen Fällen wird heute doch geflogen und nicht gefahren.

Ich denke nicht, dass bei Schließung von lokalen Krankenhäusern die große Arbeitslosigkeit unter dem medizinischen Personal ausbrechen wird, die nächstgelegene offene Klinik wird sicher mit Kusshand die Arbeitskräfte aufnehmen. Was Heidenheim angeht, so frage ich mich allerdings, warum die dortige Klinik nicht einen Verbund mit 'AGE' eingeht, wobei die Aufgaben, was Spezialfälle angeht, langfristig auf die einzelnen Standorte als Kompetenzzentren aufgeteilt werden. Für mich als potentiellem Patient bleibt im Grunde doch nur die 'Fallzahl' als Kriterium für die Hoffnung, gesund zu werden, welche andere Möglichkeit hätte ich denn? Eine 'wohnortnahe heimelige Atmosphäre' und 'gutes Essen' sind zwar angenehm fürs Gefühl, aber für die Gesundung kann das kein Kriterium sein.

Karin Hofmann

In my humble opinion schrieb am 15.09.2019 um 14:59

Sicher braucht man eine Vor-Ort-Versorgung von Notfällen, aber auch die Fähigkeit und den Mut zur schnellen Entscheidung, dass eine ( entfernte ) Spezialklinik bessere Aussichten auf Genesung bietet.

Sie kennen sicher auch das Sprichwort 'Übung macht den Meister', es spricht ja überhaupt nichts gegen das Engagement und die Fähigkeiten der medizinischen Personen in einem 'kleinen' Krankenhaus, aber es fehlt halt die 'Übung' und vielleicht die Ausrüstung Nicht umsonst wird im 'Krankenhausfinder' mit den 'Fallzahlen' darauf hingewiesen. Ich für meinen Fall wüsste genau, ob ich mich bei einer Erkrankung, bei der ich noch die Zeit habe, mir die Klinik aussuchen zu können, wohnortnah bei Fallzahl 6 oder 150 km entfernt bei Fallzahl 600 behandeln lassen möchte.

Eine 'wohnortnahe heimelige Atmosphäre' und 'gutes Essen' sind zwar angenehm fürs Gefühl, aber für die Gesundung kann das kein Kriterium sein.

Sie meinen den Ärzten, Krankenschwestern in unseren Krankenhäusern fehlt die "Übung"??? Und die Ausrüstung ? Und glauben ein Notfallpatient mit Blinddarmdurchbruch braucht eine "wohnortnahe heimelige Atmosphäre" mit gutem Essen und denkt daran? Vielleicht googelt er ja vorher noch, welches Krankenhaus im "Krankenhausfinder", der übrigens gesponsert ist, das Beste für seinen Blinddarmdurchbruch ist? Es geht, oft, um Leben und Tod. Da kann sich ein Patient kein Krankenhaus aussuchen und will es auch nicht. Ein Krankenhaus/Hilfe muß innerhalb 1/2 Stunde erreichbar sein. Blutungen müssen gestillt, Diagnosen gestellt werden. Es geht hier nicht um Termine in einer high Tech-Rheuma-Ambulanz (die ich in Ulm selbst wahrnehme und planen kann), es geht hier nicht um Termine, die Wochen vorher planbar sind. Für diese High Tech-Termine kann man jederzeit in eine Spezialklinik gehen, die es ja gibt. Es geht hier um Notfälle, die erst 100 km weit in einem Krankenhaus Hilfe finden, wenn sie bis dahin nicht gestorben sind. Dann wünsche ich Ihnen, daß Sie niemals in eine solche Notsituation kommen und sich, auch in Zukunft, ein High Tech-Krankenhaus, freiwillig, hunderte Kilometer entfernt und fit genug dorthinzufahren, aussuchen können. 

In my humble opinion

Karin Hofmann schrieb am 15.09.2019 um 18:50

Sie meinen ....

Ich meine, dass Sie mich wohl (un)absichtlich nicht verstehen ( wollen ). Das nehme ich zur Kenntnis.