Lesermeinung

Zum Thema „Inflation der Noten“, SchwäPo-Zahl des Tages vom 17. September:

Auch dieses Jahr wurden wir im Juli wieder von Schulen informiert über Höchstleistungen in Verbindung mit einem erfolgten Schulabschluss. Alle bestanden, Traumnoten von 1,0. Es gab Preise und Belobigungen von 30 bis über 60 Prozent der Absolventen.

Es scheint geradezu einen Wettbewerb unter den Schulen zu geben, wer angeblich die besten Schüler und damit die beste Schule hat. Dies bringt sicher viele stolze und zufriedene Schüler, Eltern und Großeltern. Ich gehöre da zunächst sogar auch dazu. Und dennoch: Bei meinem Abitur gab es Durchfaller, keine Traumnote von 1,0 und

vielleicht mal 15 Prozent Preise/ Belobigungen. Wir waren dabei damals sicher nicht fauler, dümmer, weniger intelligent.

Bedenklich, aber folgerichtig scheint mir aber nun die Lage zu sein nach Gesprächen mit Lehrern und Ausbildungsverantwortlichen. Danach werden Schulzeugnisse und Noten für kaum noch aussagefähig, allenfalls als grobe Orientierung angesehen. Während sich größere Firmen durch eigene Tests/Prüfverfahren helfen können, müssen kleinere Firmen und weiterführende Berufs-, Hochschulen und Schulen mit nicht leistungsgerechten Noten zurecht kommen. Letztere „rächen“ sich später oft und hinterlassen viele Frustrierte, auch Ausbildungs/Studienabbrecher.

Dabei handelt es sich offenbar um einen bundesweiten Trend, den der Deutsche Hochschulverband nunmehr mit Sorge betrachtet und auffordert, der Noteninflation Einhalt zu gebieten.

Wir sollten deshalb wieder zu aussagefähigen und damit realistischen Noten kommen, die derzeit teilweise sogar gar nicht gemacht werden dürfen und untere Noten einfach nicht mehr vergeben werden.

© Gmünder Tagespost 21.09.2019 15:09
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