Lesermeinung

Zur Berichterstattung über die Vermögensteuer:

Eine mögliche Vermögenssteuer wird auf ersparte, bereits versteuerte Kapitalien bzw. Substanz erhoben (nicht auf Erträge). Aufgrund dieser Tatsache wurde die ungerechte Steuer ja richtigerweise bereits abgeschafft. Die SPD oder der Deutsche Gewerkschaftsbund meinen, mit dieser Polarisierung auf Stimmenfang gehen zu müssen. Ich sehe dies als ideologische Verblendung an. (...) Die linke Politik sollte sich nicht nur immer auf die Verteilung von bereits verdientem, versteuerten Vermögen konzentrieren, sondern auf den Aufbau von Vermögen in allen Bevölkerungsschichten mit gerecht bezahlter Arbeit (Mindestlohn, Leiharbeit, Wertschöpfungsketten).

(...) Wenn 630 000 Menschen in unserem Land von ihrem verdienten, bereits versteuertem Vermögen leben, sind dies gerade einmal knapp 1,4 Prozent aller Erwerbstätigen. Wenn sich dies nun seit dem Jahr 2000 um 68 Prozent gesteigert hat, hat sich dies eben aus dem Nichts entwickelt. (...) Die Einführung einer Vermögenssteuer würde bedeuten, dass neben diesen Erträgen die ersparten Vermögenswerte selbst besteuert würden. Wenn dies der Fall sein sollte, würden die sogenannten Vermögenden ihre Kapitalien ins Ausland verlagern. Die Einführung der Vermögensteuer führt somit ins Leere.

Des Weiteren gehe ich davon aus, dass vermögende Privatpersonen oder Unternehmen ihre Vermögenswerte über viele Jahre hart erarbeitet haben. Sie haben Steuern dafür bezahlt. Jetzt bezahlen sie Steuern aus den Erträgen. Sollen sie nun auch noch auf die Substanz Steuern bezahlen? Würden beispielsweise zehn Prozent Vermögensteuer jährlich gefordert, wäre der Steuerpflichtige in zehn Jahren mittellos. Wären es „nur“ fünf Prozent Steuern, eben in 20 Jahren. Anstatt nun aus seinem Vermögen zu leben und auf die Erträge Steuern zu bezahlen, müsste er auf „Harzer“ umschulen. In jedem Fall kommt er seinen „gesellschaftlichen“ Pflichten nach.

Der linke Politiker könnte wieder ruhig schlafen, denn er hat wieder einen, meist Leistungsträger, in der Gesellschaft gleichgestellt.

© Gmünder Tagespost 21.09.2019 15:09
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derleguan

Heute besitzt 1% der Bevölkerung mehr als ein Drittel des Vermögens, während die unteren 80% der Bevölkerung weniger als ein Viertel des gesamten Vermögens besitzen. Die ungerechte Vermögensverteilung wird weitervererbt. Bis 2024 werden vermutlich 2 Billionen € vererbt. Die Vermögenssteuer würde zu mehr Steuergerechtigkeit führen.

Die Managergehälter steigen in 2017+18 weiter:
Mill McDermott (SAP) 20,5 Mio € Jahresgehalt, ca. 1,7085 Mio € pro Monat
Dieter Zetsche (Daimler) 13,0 Mio € Jahresgehalt, ca. 1,085 Mio € pro Monat
Kurt Bock (BASF) 9,8 Mio € Jahresgehalt, ca. 0,816 Mio € pro Monat
Matthias Müller (VW) 9,7 Mio € Jahresgehalt, ca. 0,808 Mio € pro Monat
Joe Kaeser (Siemens) 9,6 Mio € Jahresgehalt, ca. 0,80 Mio € pro Monat

Zumindest Matthias Müller muss wie sein Vorgänger Herr Winterkorn mit dem Dieselskandal außerordentlich Großes geleistet haben - zumindest sehen das die so, die auch heute noch an das Märchen der Leistungsgesellschaft glauben. Und hierbei handelt es sich nicht lediglich um ein paar FDP Wähler.