Reisen in der Biosphäre

Natur Im Südschwarzwald gibt es ein Unesco-Biosphärengebiet. Das kann man Touren rund um den Belchen-Gipfel und auf zahlreichen neuen Wanderwegen erkunden.
  • Foto: Simon Rilling

Kaum hat sie ihn erblickt, trabt die Herde voller Elan auf ihren Herrn und Meister zu. Er heißt Manfred Knobel und ist Bio-Landwirt. Seine 44 Hinterwälder Kühe und Kälber grasen auf dem 1 414 Meter hohen Belchen im Südschwarzwald. Hinterwälder – so heißt diese braun-weiß gefleckte alte Tierrasse – sind trittfest und somit perfekt an die Steillagen angepasst. Auch wenn der Name nicht gerade modern klingt, nein, hinterwäldlerisch ist man hier keineswegs. So freut sich Bauer Knobel über den Biosphärentitel, den die Unesco der Region zwischen Freiburg und Wehr im Sommer 2017 verliehen hat. „Vielleicht trägt ja die Auszeichnung dazu bei, dem Höfe-Sterben etwas entgegenzusetzen“, hofft er.

Der Biosphärentitel zielt auf den Erhalt von Natur- und Kulturlandschaft ab. Dabei würdigt die Unesco eine Besonderheit im Südschwarzwald, nämlich die Tradition der „Allmende“: Früher war es üblich, dass die Dörfer ihre Weideflächen gemeinsam bewirtschafteten. So sorgten sie dafür, dass die Landschaft offen blieb, und prägten das typische Bild buckliger Wiesen, wie man es sonst nur aus den Alpen kennt. Einiges an Grünland rund um den Belchen ist bis heute nicht in Privatbesitz, es gehört der Gemeinde. Sie verpachtet die Hügel, damit die Wiesenlandschaft nicht zuwächst – ein idealer Job für die Herde von Manfred Knobel. Seine Kühe arbeiten vom Belchengipfel bis hinunter ins Schönauer Tal. Für Knobel ist das alles andere als bequem: Die Tiere müssen auf dem steilen Gelände hoch und runter getrieben werden, Zaunpflöcke werden in den Boden geschlagen und am Ende der Saison wieder entfernt.

Nachhaltiger Tourismus

Zum Winter hin muss alles unberührt sein wie zuvor. Und so grasen die Kühe friedlich am Belchen, erfüllen wiederkäuend ihren Job. Auch zur Freude der Urlauber, die mit der Seilbahn auf den schönsten Aussichtsberg des Schwarzwaldes hinauffahren. Deutschlands größtes und höchstes Mittelgebirge ist eine beliebte Ferienregion, vor allem Wanderer und Naturliebhaber zieht es schon immer in den Schwarzwald, lange vor der Unesco-Auszeichnung. Was also bringt Schwarzwald-Urlaubern solch ein Biosphärengebiet? Bärbel Schäfer, die Regierungspräsidentin des Bezirks Freiburg, sieht im Biosphärentitel ganz klar einen Auftrag zur „Förderung des nachhaltigen Tourismus“, und sie stellt fest: „Im Naturtourismus gibt es durchaus noch weiße Flecken im südlichen Schwarzwald.“

Im Naturtourismus gibt es durchaus noch weiße Flecken im südlichen Schwarzwald.

Bärbel Schäfer Regierungspräsidentin

An den Lücken wird gearbeitet, so entsteht in Todtnau ein Biosphären-Informationszentrum, es gibt neue Naturerlebnis-Angebote wie Ranger-Touren am Belchen, am Schauinsland. Dabei erfahren die Teilnehmer Wissenswertes über Flora und Fauna, über Orchideen-Arten, über dicke Weidbuchen mit wildem Ästewuchs. Mit etwas Glück kann man auch einen der seltenen Auerhähne erspähen, und in den Sommerferien findet ein Junior-Ranger-Camp statt. Außerdem wird das bestehende Wanderroutennetz mit zunächst fünf neuen Erlebniswegen ergänzt, vier sind bereits ausgeschildert, darunter der Rundweg „Muggenbrunn“. Eine 7,5 Kilometer lange Strecke über Allmendweiden, durch Wälder und vorbei an Themenstationen, die die Geschichte des Dorfes Muggenbrunn erzählen.

Der „Erlebniskalender 2019“ bündelt unter dem Motto „Wir sehen uns draußen!“ ganzjährig viele Aktivitäten. So findet man hier auch Klimaschutz- Exkursionen und Kräuterwanderungen bis hin zu Terminen regionaler Märkte.

© Gmünder Tagespost 27.09.2019 13:55
271 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.