Kein Präsentismus

Gesellschaft Warum niemand krank zur Arbeit gehen sollte, erklärt Utz Niklas Walter vom Institut für Betriebliche Gesundheitsberatung.
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Das ist nur eine kleine Erkältung, deswegen muss ich ja nicht zu Hause bleiben“ oder „Ich komme nur für den halben Tag“: Viele Beschäftigte haben ein Problem damit, zu Hause zu bleiben, wenn sie krank sind. Dieses Phänomen nennt sich Präsentismus. Utz Niklas Walter vom Institut für Betriebliche Gesundheitsberatung in Konstanz erklärt, warum wir diese Angewohnheit schnellstens ablegen sollten.

Woher kommt das schlechte Gewissen, wenn wir krank zu Hause bleiben?

Das Problem ist: Die Leute glauben, dass sie dem Unternehmen etwas Gutes tun, wenn sie krank zur Arbeit kommen. Nach dem Motto: „Ich bin krank, kümmere mich aber trotzdem.“ Das hängt auch ein Stück weit damit zusammen, wie wir sozialisiert sind. Wenn wir krank auch für Familie oder Freunde da sind, wird das häufig als aufopferungsvoll und positiv ausgelegt. Das sollte man aber nicht auf das Arbeitsverhältnis übertragen. Ein weiterer Grund für das schlechte Gewissen, wenn man der Arbeit fernbleibt, ist die Angst, als faul wahrgenommen zu werden.

Warum sollte man aber zu Hause bleiben?

Viele Arbeitnehmer vergessen, dass sie andere anstecken können, Krankheiten verschleppen oder das Unfallrisiko steigt. Zudem besteht die Gefahr, Fehler zu machen, wenn sie sich krank zur Arbeit schleppen.

Gerade, wenn Fehler in meinem Job schwere Konsequenzen nach sich ziehen können, ist das eine fatale Einstellung - denn dann bringe ich womöglich auch andere in Gefahr oder füge dem Unternehmen finanziellen Schaden zu. Denken Sie hier einmal an den Fahrer eines Schulbusses. Da wünschst sich wirklich niemand, dass dieser leistungseingeschränkt am Steuer sitzt.

Wie können Beschäftigte ihr schlechtes Gewissen am besten überwinden?

Am einfachsten ist es, mal die Perspektive zu wechseln. Was würden wir uns denken, wenn ein Kollege krank zur Arbeit kommt? In den meisten Fällen freut man sich weniger darüber, dass er da ist, sondern ist eher genervt davon,Am dass er einen vielleicht anstecken wird. Oder Fehler macht, die vielleicht sogar aufs Team zurückfallen. dpa

© Gmünder Tagespost 27.09.2019 15:53
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