Kindesunterhalt: Welche Ausgaben lassen sich vom Einkommen abziehen?

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Unterhaltszahlungen für Kinder werden aufgrund des sogenannten anrechenbaren Einkommens berechnet. Das ist nicht mit dem steuerlichen Nettoeinkommen gleichzusetzen, da für Unterhaltszahler weitere Ausgaben abzugsfähig sind – oft ein finanzieller Vorteil.

Alle Einkommensarten gelten
Zur Veranschlagung des Unterhalts zieht das Gericht neben den Bezügen aus nichtselbstständiger Arbeit auch alle anderen Einkommensarten und sonstigen Einkünfte heran. Zu den gängigsten gehören:

  • Einkommen aus selbstständiger oder freiberuflicher Tätigkeit
  • Einkommen aus einem Gewerbebetrieb
  • Einkünfte aus Kapitalvermögen
  • Einkommen aus Vermietung und Verpachtung

Hinzukommen finanzielle Vorteile, die aus einem Arbeitsverhältnis resultieren: Das sind unter anderem Lohnnebenleistungen und Sachbezüge mit geldwertem Vorteil. Die Zusammensetzung von Einkommen und sonstigen Einkünften kann je nach Unterhaltsfall stark variieren.

Aus dem Gesamtbetrag der Einkommen und Einkünfte werden nun die abzugsfähigen Aufwendungen ermittelt, um die anrechenbare Summe zu bestimmen.

Ausgaben für berufsbedingte Aufwendungen
Sind abhängig Beschäftigte unterhaltspflichtig, können sie pauschal fünf Prozent ihres Nettoeinkommens für berufliche Aufwendungen geltend machen. Das sind mindestens 50 Euro, maximal aber 150 Euro im Monat. Sind die berufsbedingten Aufwendungen höher als die Pauschale, muss der Unterhaltszahler sie belegen.

Einige Gerichte erkennen zudem keine Pauschalen an, sondern verlangen Kostennachweise für sämtliche abzugsfähigen Beträge.

Von den Gerichten werden folgende Kosten anerkannt:

  • Arbeitskleidung
  • Arbeitsmittel
  • Aufwendungen für Fortbildung
  • Beiträge für Berufsverbände
  • Beiträge für eine Berufsunfähigkeitsversicherung
  • Beiträge für Gewerkschaften
  • Fachliteratur
  • Fahrtkosten zur Arbeit
  • Reisekosten, die beruflich bedingt sind, aber nicht vom Arbeitgeber beglichen wurden
  • Telefonkosten für berufliche Zwecke
  • Umzugskosten, die einen beruflichen Grund haben

Aufwendungen für die private Altersversorgung
Die Kosten für die private Altersvorsorge sind ebenfalls abzugsfähig – in Höhe von bis zu vier Prozent des Jahresbruttoeinkommens. Der Betrag kann für folgende private Altersvorsorgemaßnahmen verwendet werden:

  • Betriebsrente
  • Direktversicherung
  • Immobilienfinanzierung
  • Kapitallebensversicherung
  • Private Zusatzrente
  • Riester-Rente

Vor Gericht muss nachgewiesen werden, dass die Beiträge für die Altersvorsorge tatsächlich gezahlt wurden.

Krankheitskosten, Krankenversicherung, Krankenhaustagegeldversicherung
Durch Krankheit entstandene, notwendige Kosten sind abzugsfähig, wenn die Krankenkasse nicht für sie aufkommt. Die Beiträge für die Krankenkasse fallen unter den Arbeitnehmeranteil der Sozialversicherungsabgaben und sind somit ebenfalls zu hundert Prozent abzugsfähig. Für die Prämien zu einer Krankenhaustagegeldversicherung gilt dasselbe.

Beratungsstellen können helfen
Bei Fragen rund um den Kindesunterhalt helfen bundesweit viele Unterhaltsberatungsstellen. Sie unterstützen in erster Linie unterhaltsberechtigte Elternteile mit minderjährigen Kindern, aber auch unterhaltspflichtige Ex-Partner, etwa bei Unterhaltsbeurkundungen.

Sollen bei der privaten Vermögensplanung Finanzprodukte zum Einsatz kommen, die bei einer möglichen Zahlung von Unterhalt abzugsfähig sind, können Finanzdienstleister wie DVAG, MLP oder tecis entsprechend beraten. Die größeren Finanzdienstleistungsunternehmen sind ebenfalls bundesweit vertreten – tecis allein hat 160 regionale Teams.

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© Gmünder Tagespost 14.10.2019 16:10
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