Lesermeinung

Reaktion auf den Zeitungsbeitrag des BUND zum weiteren Ausbau der B 29:

Der Beitrag des BUND zum weiteren Ausbau der B 29 kann nicht unkommentiert bleiben. So wird unter anderem sinngemäß behauptet, die Mögglinger Umgehung habe zu einer Lärmbelastung für ehemals unbelastete Gebiete geführt, aber nur weniger entlastet. Wir gehen davon aus, dass Herr Gottstein die Mögglinger Belastung vor dem Bau der Umgehung nicht gekannt und erlebt hat. Wenn ja, dann müsste er wissen, dass der ganze Ort unter dem extremen Verkehrsaufkommen mit all seinen Erscheinungen (Gefahr, Abgase, Lärm, fehlende Lebensqualität, Wertverluste, innerörtliche Verkehrs- und Wegebeziehungen, verhinderte Innenentwicklung) jahrzehntelang gelitten hat.

Es ist uns sehr wohl bewusst, dass die veränderte Lärmkulisse (...) mehr oder weniger stark in den angrenzenden Gemeinden und Wohngebieten wahrgenommen wird. In der Gesamtbetrachtung und Abwägung ist dies jedoch nicht mit den vorhergehenden Verhältnissen in Mögglingen vergleichbar.

Ungeachtet dessen halten auch wir eine Verbesserung des Lärmschutzes für dringend geboten. Einen solchen haben wir auch bereits bei den Planungen und selbst noch während des Baus der Straße (erfolglos) gefordert. Im Übrigen sei erwähnt, dass in Mögglingen niemand einen vierspurigen Ausbau der B 29 gefordert hat; vielmehr haben die Bürgerinitiative und die Gemeinde zusammen mit Landrat Pavel mehrfach eine Reduzierung auf drei Spuren gefordert. Der Bund lässt sich jedoch von einer vierspurigen Planung bei einem Verkehrsaufkommen von mehr als 20 000 Kraftfahrzeugen täglich nicht abbringen. Aktuell dürften auf der B 29 im Bereich Mögglingen rund 30 000 Fahrzeuge unterwegs sein. Übrigens ist auch der Gmünder Tunnel vierspurig planfestgestellt (genehmigt). Die jetzige zweispurige Röhre gilt als erster Bauabschnitt.

© Gmünder Tagespost 16.10.2019 16:29
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Kommentare

In my humble opinion

Ich möchte an dieser Stelle an das Drama um die 'Muckenseetrasse' der B297 in Lorch erinnern:

Eine Direktanbindung von der AS Lorch war geplant, wurde aber wegen vehementer Klagen im Namen von Fröschen, Kröten, Libellen etc nicht gebaut, dafür wurde der gesamte Verkehr Richtung Göppingen mitten durch den Ort geleitet und extra eine Straßenbrücke am westlichen Ende gebaut. Nachdem die Einwohner ( und die Durchfahrenden dazu! ) dann etwa 25 Jahre mit dem Durchgangsverkehr durch den Ort gequält worden waren, wurde als 'große Errungenschaft' die Muckenseetrasse doch gebaut und die westliche Brücke abgerissen - hat sich das 'gelohnt'?

Was die Ortsumfahrung Aalen angeht, so habe ich vor längerer Zeit mal angefragt, warum diese Strecke nicht gleich als 2+1 gebaut worden sei, die Antwort ( aus dem Gedächtnis ):
Bei den ersten Planungen war die Verkehrsdichte 'zu gering', als dass man mehr als 1+1 hätte planen dürfen, auch die Hochrechnungen auf die Zukunft hätten nicht mehr hergegeben. Mit der Zeit ( Planungen und Planfeststellungsbeschluss dauern halt bei uns manchmal nur wenige Jahrzehnte ) wuchs der Verkehr stärker als alle Vorhersagen an, als der Planfeststellungsbeschluss rechtskräftig war, war eigentlich klar, dass mindestens 2+1 zu rechtfertigen wäre - aber diese 'Neuplanung' einschließlich Planfeststellung hätte nochmal ... zig Jahre gedauert, also habe man einfach gebaut, was genehmigt war.

Nun Mögglingen, es sind ja auch hier nicht nur die Einwohner mit dem Durchgangsverkehr gequält worden, sondern auch alle, die mit Mögglingen eigentlich nichts am Hut hatten, sondern 'nur' von Gmünd nach Aalen ( oder andersrum ) fahren wollten. Dass es eine Ortsumfahrung nicht für 'umsonst' gibt, war wohl jedem klar, auch dem MdB, der noch kurz vor Baubeginn den Verbrauch an Landschaft durch die Umfahrung bejammert hat. Lärm ist ein Problem, aber der Verkehrslärm wäre nur unmerklich weniger, wenn da eine 2+1-Trasse gebaut worden wäre, selbst die Lkw ( 2+1 = 60 km/h, 2+2 = 80 km/h ) tragen kaum messbar bei, ich kenne da ein Beispiel. Ich nehme auch an, dass der Beitrag von Fahrzeugen über 120 km/h auch kaum messbar ist, wenn diese nicht gerade mit offenen Auspuffklappen fahren.
Was mich allerdings stört und dessen Tragweite ich nicht einschätzen kann:
Nicht nur die Dehnungsfugen machen auch beim Überfahren einen deutlichen Lärm - und nicht nur das, auch das Fahrzeug 'springt', die Folgen wird man später als Querwellen auf der ablaufenden Strecke der Dehnungsfuge sehen. Können wir im Hochtechnologieland nicht mal solche Dehnungsfugen ohne Lärm bauen?
Auch der Belag auf den Brücken ist deutlich rauher als auf der Strecke, die Begründung ( Wasser soll in die Poren, um Eisglätte zu vermeiden ), ist nachvollziehbar, aber dadurch pressen die Reifen mehr Luft aus dem Belag und das lärmt eben - an 24 Stunden am Tag und an 365 Tagen im Jahr. Wie oft gibt es in diesen 8760 Stunden Eisglätte? Gäbe es keine andere Möglichkeit, die Fahrer vor Eisglätte zu warnen/zu 'schützen'?
Ferner fällt auf, dass der Belag auf den Brücken nicht so eben ist wie auf der Strecke, das Fahrzeug 'stuckert' sich förmlich über die Brücke. Ich weiß nun nicht ( ich bin kein Experte ), ob nicht das 'stuckernde' Fahrzeug auch die Brücke selbst zu Schwingungen ( = Lärm ) anregt.