Anrufer verunsichert Straßdorfer

Kriminalität Polizei verzeichnet ganze Welle von betrügerischen Anrufen am Dienstag. Senior hat richtig reagiert.

Schwäbisch Gmünd-Straßdorf. „Vor meiner Haustür“: Dass sich Kriminelle in ihrer direkten Umgebung tummeln und Opfer suchen, hat eine Frau aus Straßdorf sehr mitgenommen. Sie berichtet von einem über 90 Jahre alten Mann aus der Nachbarschaft, der am Dienstagabend einen seltsamen Anruf bekommen hatte: Ein angeblicher Polizist erzählte am Telefon, dass man in Straßdorf einen Einbrecher ertappt und bei ihm eine Liste mit Adressen möglicher Opfer gefunden habe – darunter die Adresse des Seniors. Als der Anrufer fragte, ob er Geld oder Wertgegenstände zu Hause habe, wurde der Angerufene misstrauisch, verneinte die Frage und beendete das Gespräch. Dann informierte er seine ebenfalls in der Nähe wohnende Tochter über den Vorfall und die alarmierte die echte Polizei, die noch am gleichen Abend vor Ort kam. So erfuhr die Straßdorferin von dem Vorfall und war auch am Mittwoch noch erschüttert: „Wenn man das in unmittelbarer Nachbarschaft erlebt....“

Lob fürs Auflegen

Holger Bienert, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Aalen, bestätigt, dass am Dienstag eine ganze Welle von Betrüger-Anrufen im Zuständigkeitsbereich des Präsidiums gemeldet wurde. Mal war ein angeblicher Polizist am Apparat, mal meldete sich der Enkel mit der Bitte um Geld. Zum Glück wurde der Polizei kein Fall bekannt, in dem den Gaunern tatsächlich Geld oder Wertsachen übergeben wurden. Bienert geht allerdings auch davon aus, dass manche Leute sich aus Scham, weil sie hereingelegt wurden, gar nicht bei der Polizei melden.

Der Senior in Straßdorf jedenfalls habe „vorbildlich“ reagiert, indem er das Gespräch beendete und sofort seine Tochter informierte. Bienert empfiehlt Familienmitgliedern, mit betagten Eltern oder Verwandten schon im Vorfeld über die Gefahr dieser Betrugsmasche per Telefonanruf zu reden und sie zu sensibilisieren. Klar sei: „Die Polizei würde nie so anrufen“ wie der Betrüger im Straßdorfer Fall. Die Täter suchten in Telefonverzeichnissen nach Vornamen, die auf ein höheres Alter der Namensträger schließen lassen. Deshalb gebe es auch oft zahlreiche Anrufe nach der gleichen Betrugsmasche innerhalb kurzer Zeit in einem Ort. Die Reaktion der Nachbarin im Straßdorfer Fall jedenfalls zeigt die Verunsicherung der Betroffenen.

© Gmünder Tagespost 06.11.2019 17:58
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