Kommentar Michael Gabel zu Privatinsolvenzen

Ein Herz für Schuldner

  • Michael Gabel Foto: MOZ/Markert
Es hört sich so einfach an: Man meldet Privatinsolvenz an, ist seine Schulden los und kann nach einer gewissen Zeit neu durchstarten. Doch für Menschen, die diesen Weg wählen, ist die Realität beschwerlich: Sie müssen von ihrem Arbeitslohn – wenn sie überhaupt einen Job bekommen –, einen großen Teil abgeben. Eventuell vorhandenes Vermögen, Haus oder Eigentumswohnung und in der Regel auch das Auto gehen ohnehin in der Insolvenzmasse auf. „Büßen“ müssen Schuldner also genug, wenn sie sich vor Gericht für zahlungsunfähig erklären. Deshalb ist der Ansatz von Bundesjustizministerin Lambrecht richtig, diesem Personenkreis sein Schicksal ein wenig zu erleichtern, indem man ihm seine Restschuld schon nach drei statt wie bisher sechs Jahren erlässt.

Dass die SPD-Ministerin dafür das Gesetz über den in der EU-Richtlinie vorgesehenen Personenkreis der Selbstständigen und Firmenbesitzer hinaus erweitern will, ist in Ordnung. Denn gescheiterte Geschäftsleute sind nicht unbedingt schlechter dran als Menschen, die zum Beispiel durch Arbeitslosigkeit oder Krankheit in ihre Notlage gekommen sind.

Schwieriger wird die Lage allerdings für die Gläubiger – etwa für Handwerker, die um ihren Lohn gebracht worden sind. Denn sie werden wohl Geld verlieren. Dies ist vor allem dann ärgerlich, wenn ein Schuldner seine finanzielle Notlage auch noch selbst verursacht hat. Doch bei genauem Hinsehen relativiert sich das Problem der verkürzten Rückzahlungsphase. Denn erfahrungsgemäß gehen bei einer Privatinsolvenz gerade mal fünf Prozent der Schuldsumme zurück an die Gläubiger. Da hat das Begleichen der Schuld ohnehin eher einen symbolischen Wert.
© Südwest Presse 08.11.2019 07:45
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