Querpass

Ich denke oft an Bierofka

  • über die ewigen Querelen beim TSV 1860 München Foto: Gerold Knehr
„Ich denke oft an Piroschka“ – so lautet der Titel einer Liebeskomödie mit der entzückenden Liselotte Pulver in der Hauptrolle. Der Film um die Liebeswirren eines deutschen Studenten in Ungarn ist, obgleich vor über 60 Jahren gedreht, noch immer sehenswert.

Ein Film ganz anderer Art spielt derzeit an der Grünwalder Straße in München, wo der einst ruhmreiche Fußballklub TSV 1860 beheimatet ist. Nein, es handelt sich nicht um den „König der Löwen“. Sondern um ein fieses Machwerk. Der Inhalt des Dramas, das oft die Grenze zum Horrorfilm überschreitet: Ein ungemein beliebter Trainer übernimmt im Sommer 2017 den am Boden liegenden Regionalligisten. Er führt die „Sechzger“ in die Dritte Liga und hält trotz bescheidenen Etats die Klasse. Entnervt von ständigen Wirren und Intrigen, internen Kämpfen und Eitelkeiten wirft er nun aber hin und verabschiedet sich unter Tränen und mit viel Pulver-Dampf (aber ohne Lilo!) als letzter aufrechter König der Löwen aus der Schlangengrube.

Zurück bleibt eine ob dieser Querelen wütende Fan-Gemeinde. Die 1860-Fans werden Daniel Bierofka, so der Name des resignierten Trainers, als ihren König der Herzen in Erinnerung behalten. Als Filmtitel bietet sich an: „Ich denke oft an Bierofka.“ Es ist ein Streifen ohne Happy End. Wie beim Original: Piroschka kehrte nicht zu ihrem Studenten zurück, sondern blieb eine schöne Reminiszenz.
© Südwest Presse 08.11.2019 07:45
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