Bahn sagt Verkauf von Arriva ab

Finanz- und Güterverkehrsvorstand Alexander Doll steht unter Druck. Sein Posten ist in Gefahr.
  • Finanzvorstand Alexander Doll. Foto: Soeren Stache/dpa
Die Bahn hat den Verkauf der Auslandstochter Arriva abgesagt. Die zu erwartenden Erlöse lägen erheblich unter dem Buchwert. Das beschloss der Aufsichtsrat des Staatskonzerns am Donnerstag. Verantwortlich für den misslungenen Verkauf ist Finanz- und Güterverkehrsvorstand Alexander Doll sein, dessen Posten wackelt.

Vom Verkauf der Tochter hatte sich die Bahn 4 Mrd. EUR erhofft. Sie musste den Gewinn aber deutlich nach unten korrigieren, da Arriva mit mehr als einer 1 Mrd. EUR hochverschuldet ist und noch Pensionsansprüche in Höhe von mindestens 400 Mio. EUR anstehen. „Die Bahn hat stets behauptet, dass Arriva ein super Investment ist. Das war es nie“, sagt der Bahnverkehrsexperte und Professor der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin, Christian Böttger. „Jetzt steht der Konzern vor einer Blamage.“ Ursprünglich war geplant, Arriva noch in diesem Jahr zu verkaufen. Dieses Vorhaben stoppte der Aufsichtsrat nun.

„Dass der Verkauf wegen geringer Erlöse nicht vollzogen wird, mag verständlich sein. Aber er darf nicht auf ewig aufgeschoben werden“, fordert der Verkehrspolitiker Matthias Gastel (Grüne). Er plädiert dafür, den Konzern zu verschlanken und sich auf das Kerngeschäft zu besinnen. Auch der Verkauf der Logistik-Tochter Schenker steht noch im Raum und könnte im kommenden Jahr wieder Thema werden.

Die Misere wird dem für Güterverkehr, Logistik und Finanzen zuständigen Vorstand Alexander Doll angelastet. Ob er seinen Posten räumen muss, war am Donnerstagabend zu Redaktionsschluss nicht klar. Doll ist seit 2017 im Vorstand der Bahn und Nachfolger von Bahnchef Richard Lutz. Zuvor war er Deutschland-Chef beim Finanzunternehmen Barclays – da aber bereits als Bahnberater tätig. In dieser Funktion war er für den Kauf der Tochter Arriva, die in 14 europäischen Ländern Busse und Bahnen betreibt, verantwortlich.

An seine Stelle könnte die Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe, Sigrid Nikutta, treten. Sie war schon mehrere Male als Vorständin für den Güterverkehr gehandelt worden. Dorothee Torebko
© Südwest Presse 08.11.2019 07:45
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