Bedarf an Fachkräften weiterhin gegeben

Das Handwerk ist im Ostalbkreis weiterhin positiv gestimmt, betont der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Edgar Horn. Die Suche nach passenden Fachkräften steht auf der Agenda der meisten Handwerksbetriebe, weshalb die Nachwuchsarbeit einen hohen Stellenwert einnimmt.
  • Edgar Horn, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Ostalb, blickt positiv in die Zukunft des Handwerks. Foto: privat

Klimaschutz, Energiewende, Elektro-Mobilität, Fachkräftemangel und Meisterpflicht – das Handwerk steht derzeit vor Chancen und Herausforderungen wie selten zuvor. Wir sprachen mit Edgar Horn, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Ostalb über die wichtigsten Themen, die das Handwerk auf der Ostalb bewegt.

Alle Welt redet über Klimaschutz – das Handwerk auch?

Edgar Horn: Gerade Handwerker haben ein hohes Klima-Bewusstsein. Ebenso für das Thema Luftreinhaltung und Energiewende. Denn: Die Energiewende ist ohne das Handwerk gar nicht denkbar. Das Handwerk ist der Umsetzer der Energiewende. Alle Techniken und Innovationen, die für die Energiewende erforderlich sind, bauen Handwerker ein. Und: Fast jeder fünfte Handwerker ist mit Energieerzeugung und Energieeffizienz beschäftigt. Auch sonst arbeitet kein anderer Wirtschaftsbereich im Sinne von Nachhaltigkeit wie das Handwerk. Das schließt ein hohes Bewusstsein für den Klimaschutz ein. Das Klimapaket der Bundesregierung der Bundesregierung geht grundsätzlich in die richtige Richtung, aber man sollte zu ausgewogenen und durchdachten Maßnahmen greifen. Einige Dinge erscheinen mir etwas realitätsfremd. Etwa, dass ab 2026 keine Ölheizungen mehr eingebaut werden dürfen. Das ist vielleicht in den Metropolen machbar. Aber wenn wir auf die Ostalb schauen, da gibt es in manchen ländlichen Bereichen weder Fernwärme noch Gas. Zudem haben Ölheizungen heute eine so effiziente Brennwert-Technik, dass sie von den Emissionen her nicht schlechter sind als Gas. Viel wichtiger als solche Details ist aber das Gesamtpotential möglicher Einsparungen im Gebäudebereich. Deswegen muss die steuerliche Förderung energetischer Gebäudesanierungen zügig und mit verlässlicher langfristiger Perspektive eingeführt werden. In Sachen E-Mobilität scheint es mir so, dass viele der jetzt beschlossen Maßnahmen nicht sehr nachhaltig sind.

Die Konjunkturprognosen für die Industrie sind zurzeit nicht eindeutig, wie sieht es im Handwerk auf der Ostalb aus?

Horn: Wir sind in der glücklichen Lage sagen zu können, dass das Handwerk im Ostalbkreis weiterhin positiv gestimmt ist, vor allem im Bereich des Bauhandwerks. Die aktuelle Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Ulm bestätigt dies.
Drei von vier Handwerksbetrieben sind aktuell zufrieden mit ihrer wirtschaftlichen Lage. Damit bleibt das Handwerk im Gesamten weiter stabil und optimistisch. Nur knapp sechs Prozent der Befragten finden ihre Geschäftslage als ungünstig. Eine wirtschaftliche Steigerung zum Vorquartal zeigt sich insbesondere beim Bauhauptgewerbe, also beispielsweise in Gewerken wie Maurer, Dachdecker oder Straßenbauer sowie im Nahrungsmittelgewerbe. Der Großteil der Handwerksbetriebe des Ostalbkreises meldet eine ähnlich hohe Kapazitätsauslastung wie im Vorjahr. Insgesamt arbeiten 67 Prozent der Betriebe mit einer Auslastung von 81 Prozent oder höher, 19 Prozent der Betriebe arbeiten über ihren Kapazitäten. 35 Prozent der Betriebe sprechen von steigenden Umsätzen im Handwerk. Insgesamt kann man sagen, das Handwerk in der Region steht weiterhin stabil da und bleibt bei der Bevölkerung gefragt. Wir sind gut ausgelastet, aber Meldungen, dass Kunden monatelang auf die Ausführung ihres Auftrages warten müssen, halte ich für Einzelfälle. Klar ist, dass die Betriebe gut beschäftigt sind. Dennoch können die meisten Aufträge innerhalb einer angemessenen Zeit ausgeführt werden. Sollte das im Einzelfall nicht möglich sein, gehört es zu einer klugen Unternehmenspolitik dies dem Kunden klar zu kommunizieren. Eine faire und vertrauensvolle Beziehung zum Kunden ist uns wichtig. „Es wird vielleicht wieder andere Zeiten geben und dann sind wir froh um unsere treuen Auftraggeber.

Dauerthema Fachkräfte – Was sagt das Handwerk?

Horn: Bedarf an Fachkräften besteht in fast allen Handwerkszweigen. Fehlende Mitarbeiter bringen manchen Handwerker an seine Kapazitätsgrenze. Die Ausbildung bleibt nach wie vor die wichtigste Stellschraube um für die Zukunft genügend Fachkräfte zu haben. Wichtig ist meines Erachtens, dass man das Potential der möglichen Azubis erweitert. Neben den Personen, die bei uns zugewandert sind wäre es schön, wenn Mädchen häufiger Handwerksberufe ergreifen würden. Hier gibt es auf Seiten der Betriebe wie auch auf Seiten der potentiellen Auszubildenden noch viele Möglichkeiten. Auf der anderen Seite gilt es, die Mitarbeiter im Betrieb zu halten. Eine angemessene Bezahlung gehört genauso dazu wie die Potentiale der einzelnen Mitarbeiter zu fördern. Ganz wichtig ist das soziale Klima im Betrieb. Gerade hier können die oft mittelständischen Handwerksbetriebe mit flexiblen Lösungen punkten. Das Handwerk bietet interessante und abwechslungsreiche Berufe. Nur gelingt es uns nicht immer diese Botschaft so zu kommunizieren. Daran müssen wir arbeiten.

Dauerthema Nachwuchs – Was kann das Handwerk tun?

Horn: Leider wurde und wird den Jugendlichen eingeredet, dass man ohne Abitur und Studium nichts werden könne in Deutschland. Diesen Irrglauben geradezurücken, daran arbeiten wir unentwegt, insbesondere auch mit der Imagekampagne der Handwerks und vor allem mit guten beruflichen Bildungsangeboten. Schon heute gibt es ein attraktives Angebot an Berufsabschlüssen das über die Ausbildung hinaus geht, zum Beispiel auch das triale Studium, das Lehre, Meisterprüfung und BWL-Studium beinhaltet. Wir sind aber auch dafür, dass Kinder schon in der Grundschule Werkunterricht bekommen und in weiterführenden Schulen das Fach Wirtschaft. Wichtig ist vor allem auch eine ganzheitliche Berufsorientierung an allen allgemeinbildenden Schulen, also auch an Gymnasien, die Jugendlichen die Chancen und Karrierewege im Handwerk aufzeigt.

Thema Meisterbrief – Ist das Handwerk mit der Neuregelung zufrieden?

Horn: Wir freuen uns und werten es als starkes Signal für Qualität und Qualifizierung im Handwerk, dass in zwölf Handwerken der Meisterbrief wieder die Grundlage für die Betriebsführung und die Ausbildung sein soll. Die Stärkung des Meisters ist ein entscheidender Beitrag, um die Zukunft eines qualitativ hochwertigen, ausbildungs- und betriebsnachhaltigen Handwerks sicherzustellen. Denn der Meisterbrief schafft die Grundlage für ein nachhaltiges Unternehmertum, ist ein Garant für hohe Produktqualität und für eine gute Ausbildungsleistung. Er dient der Vorsorge im Bereich der gefahrengeneigten Tätigkeiten und damit in einem hohen Maße dem Verbraucherschutz. Den Meisterbrief stärken heißt, das Handwerk zukunftsfit machen. glo/KHS

© Gmünder Tagespost 08.11.2019 15:11
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