Lesermeinung

Zur Erwin-Rommel-Straße:

Die von der Stadt Aalen und dem Geschichtsverein Aalen durchgeführte Informationsveranstaltung über Erwin Rommel musste zwangsläufig zwiespältige Eindrücke hinterlassen. Dies allein schon deshalb, weil mit Frau Dr. Hecht und Dr. Lieb zwei Persönlichkeiten zu Wort gekommen sind, die ein weitgehend positives Bild von Hitlers „Lieblingsgeneral“ gezeichnet haben, sowohl was die Art seiner Kriegsführung als auch seiner etwaigen Beteiligung am gescheiterten Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 betrifft.

Es wäre vom Informationswert her gesehen zweifelsohne förderlicher gewesen, wären auch Historiker zu Wort gekommen, die insoweit zu dezidiert anderen Erkenntnissen und Schlussfolgerungen gekommen sind. Beispielhaft erwähnt seien nur die Professoren Dr. Peter Steinbach, Dr. Johannes Tuchel (Leiter des Dokumentationszentrum Deutscher Widerstand) und Dr. Wolfram Wette.

Eine sachkundige Information hat auch unter der für einen Wissenschaftler bemerkenswerten Unschärfe Dr. Liebs etwa bei der Beantwortung kritischer Rückfragen gelitten. Insoweit haben sich die vielen engagiert vorgetragenen fundierten Meinungen aus dem Publikum – waren sie nun pro oder contra Rommel – wohltuend abgehoben.

Personenbezogene Straßenbenennungen oder anderer öffentlicher Einrichtungen sind häufig emotions- ja ideologiebehaftete Entscheidungen. Sie bedürfen deshalb wohl abgewogener Beschlussgrundlagen. In einer Zeit, in der die ethischen und sittlichen Prinzipien eines geordneten menschlichen Zusammenlebens zunehmend von Hass, Gewalt, populistischem Rechtsextremismus und Intoleranz bedroht sind, sollten Benennungen nur Persönlichkeiten zuteilwerden, die durch ihre Haltung, Gesinnung und ihr Tun und Lassen den ethischen Grundwerten gerecht werden, die uns durch unser Grundgesetz vorgegeben sind, Dazu zählt nach meiner Überzeugung Erwin Rommel nicht.

© Gmünder Tagespost 11.11.2019 17:15
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