Leserbeitrag von In my humble opinion

B 29: Tempo 60 für Laster gefordert ( P-GT vom 11. Januar 2020, S. 19 )

Leider sind mir die 7 Online-Kommentare zum Artikel verschlossen, so kann ich hier nur meine Ansichten darstellen.
Ehrlich gesagt, ich kann nicht mal darüber lachen, denn seit die ersten Wehklagen über ‚Lärm‘ von der Ortsumfahrung zu hören/lesen waren, seit die ersten Rufe nach ‚120!‘ erschallten, war der Ablauf ( bis heute ) doch völlig klar, ich habe mich bereits früher an dieser Stelle dazu geäußert.
Was die Höchstgeschwindigkeit angeht, so war von Anbeginn her klar, dass die wenigen Pkw, die auf dieser gewundenen Strecke schneller als 130 km/h fahren, nur wenig zum Lärm beitragen. Zwar gibt es ‚coole‘ Fahrzeuge mit Auspuffklappen, aber um die zu aktivieren, braucht man keine hohen Geschwindigkeiten, da kann man einfach zwei, drei Gänge zurück schalten und bei 120 km/h mit Höchstdrehzahl fahren, da haben die Anwohner a) viel und b) lange was davon …
Aber in den heutigen Zeiten, wo man Aktion, Aktionismus und Aktivist gerne verwechselt, wenn es darum geht, irgendwas durch Verbote und Beschränkungen zu retten, war zu erwarten, dass das Regierungspräsidium auf den Zug aufspringt, und durch Aufstellen von 120-Schildern Tatendrang und ‚Tut-was‘ beweisen kann, die bringen zwar nichts, kosten aber auch nur ganz wenig, im Vergleich zu richtigen Lärmschutzmaßnahmen, ein Placebo, wenn’s wirkt, ist es gut. Nun wird deutlich, dass das Problem doch wohl woanders liegt.
Von Anbeginn war eigentlich klar, dass die Brückenstöße ( Dehnungsfugen ) eine signifikante Lärmquelle sind, dazu der raue und wellige obere Straßenbelag. Es mag gute Gründe ( ‚Sicherheit bei Glatteis‘ ) für die Rauigkeit geben, mir erschließen sich aber keine Gründe für die Welligkeit auf den Brücken, auf alle Fälle wird insgesamt dadurch Lärm erzeugt.
Die Antwort des Regierungspräsidiums ( ‚alles vorschriftsmäßig‘ ) war vorhersagbar, denn wer hätte angenommen, dass ein Regierungspräsidium nicht nach Vorschrift arbeitet, Arbeit anordnet und überprüft? Diese Dehnungsfugen sind also vorschriftsmäßige deutsche Standard-Ware, aber eben vorschriftsmäßig. Zwar gibt es auch lärmgeminderte Dehnungsfugen …
Nun wird die Quelle des Lärms in den ‚rasenden‘ Lkw verortet. Abgesehen davon, dass mit heutigen Mitteln eine Einhaltung der geforderten 60 km/h nicht zu machen ist, auch nicht mal die Einschränkung auf ‚60 km/h zwischen 22.00 und 06.00 Uhr wegen Lärmschutz‘, werden die Lkw mit 65, 70, 75 km/h fahren und in den Gefällestrecken werden alle ohne Retarder die Motorbremse zur Einhaltung der Geschwindigkeit benutzen.
Was wird bei den Dehnungsfugen sein? Aus dem jetzt 80-85 km/h ( 0,02 s für die Überfahrt ) ‚Klack-Klack‘ wird ein 60-65 km/h ( 0,03 s für die Überfahrt ) ‚Klaak-Klaak‘, die Last bleibt ja gleich.
Nun kommt auch noch die Politik ins Spiel, man wünscht sich ‚offene Ohren‘, im Grunde aber doch wohl eine Lösung. Ich wage mal eine Vorhersage:
So lange die Politik gegen den Wettbewerber punkten kann, es unverbindlich bleibt und ( noch ) nichts kostet, wird das Gespräch sicher positiv verlaufen. In dem Moment aber, wenn es an das ‚Eingemachte‘, also ans Geld geht, werden die ‚offenen Ohren‘ wohl wirklich ‚offen‘ werden, auf Durchzug geschaltet, wie schon der Landespapi so treffend festgestellt hat: „Gehört werden heißt nicht erhört werden.“ Die Gmünder kennen das noch vom Tunnelfilter.

© In my humble opinion 12.01.2020 02:39
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